Der Traum von Europameister Deutschland, in Nigeria auch den Weltmeistertitel zu gewinnen, ist geplatzt. Gegen die Schweiz unterlag die Auswahl des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) an diesem Mittwoch in Lagos nach einem packenden Match mit 3:4 nach Verlängerung. Die Eidgenossen haben damit das Viertelfinale der FIFA U-17-WM 2009 erreicht und treffen dort auf Italien.
Das Team von Coach Marco Pezzaiouli bestimmte in der Anfangsphase die Partie, ohne allerdings zu nennenswerten Torchancen zu kommen. Die Schweizer brauchten eine gewisse Anlaufzeit, wurden dann aber immer stärker. In dem von der Taktik geprägten Kräftemessen war es zunächst Florian Trinks, der sein Glück mit mehreren Schussversuchen von außerhalb des Strafraums versuchte, doch er verfehlte das Schweizer Gehäuse ebenso wie Nassim Ben Khalifa per Kopf das deutsche. Kurz darauf war es Deutschlands starker Keeper Marc-André ter Stegen, der sein Team mit einer feinen Parade nach einem Schuss von Ben Khalifa vor einem Rückstand bewahrte.
Nach 35 Minuten war es aber dennoch soweit: Ein von Granit Xhaka getretener Eckball wurde von einem deutschen Verteidiger bei einem Klärungsversuch unglücklich in die Gefahrenzone zurückgeköpft, Charyl Chappuis reagierte am schnellsten, drosch den Ball in die Mitte und Ricardo Rodriguez hielt den Fuß aus kurzer Distanz hin, um zum 1:0 für die Schweiz zu treffen. Vier Minuten später hatte die Gegenseite Grund zum Jubeln: Der Schweizer Schlussmann Benjamin Siegrist setzte 25 Meter vor dem eigenen Gehäuse zu einem Befreiungsschlag an, schoss aber den heranstürmenden Mario Götze an und musste mitansehen, wie der Ball im eigenen Netz einschlug.
Nach dem Seitenwechsel brauchte die Schweiz in der zweiten Spielhälfte exakt vier Minuten, um abermals in Führung zu gehen. Nach einer ansehnlichen Kombination über Xhaka und Ben Khalifa kam Haris Seferovic an den Ball und setzte das Leder aus 17 Metern unhaltbar für ter Stegen in die Maschen. Dass es nach einer Stunde immer noch 2:1 stand, mussten die Deutschen als glücklich betrachten, denn Chappuis per Kopf sowie Ben Khalifa mit einem Fernschuss hätten für weitere Schweizere Tore sorgen können. In der 78. Minute bewies Deutschland dann aber seine typische Effizienz: Mit der ersten Chance in der zweiten Halbzeit traf Trinks per Freistoß aus 18 Metern. Die Partie ging in die Nachspielzeit, in der die Schweiz in Unterzahl agieren musste, weil Sead Hajrovic in der Schlussminute der regulären Spielzeit nach einem groben Foulspiel die Rote Karte sah.
Die Stadionuhr zeigte die 101. Minute an, als die Schweizer trotz einem Mann weniger auf dem Feld auf die Siegerstraße einbogen. Einen Fernschuss aus 20 Metern konnte der deutsche Keeper ter Stegen nicht festhalten, und Goncalves reagierte am schnellsten, um zum 3:2 abzustauben. Als nach 106 Minuten auch noch der deutsche Verteidiger Shkodran Mustafi mit Gelb-Rot vom Platz musste, sah es für den Europameister nicht gut aus. Prompt erzielte Ben Khalifa in der 116. Minute per Strafstoß, nachdem er selbst gefoult wurde, das 4:2. Zwar durfte Deutschland zwei Minuten später nochmal hoffen, als Yunus Malli nach einer feinen Einzelaktion der Anschlusstreffer gelang, doch dieser kam zu spät.
