DER TAG IM RÜCKBLICK: Elfmeterschießen. Kein Wort ruft besser die mannigfaltigen Emotionen der Freude und Enttäuschung in Erinnerung. Die Nigerianer werden sicherlich gern an das Elfmeterschießen im Finale der FIFA U-17-Weltmeisterschaft zurückdenken, während die Spanier nicht minder enttäuscht sein dürften. Einige vertreten die Meinung, dass ein Elfmeterschießen nicht der richtige Weg sei, um die Entscheidung in einem Spiel herbeizuführen und das umso weniger, wenn es sich dabei um ein WM-Finale handelt. Am heutigen Tage waren sich jedoch beide Mannschaften absolut ebenbürtig.

Das Spiel war geprägt vom Siegeswillen beider Teams und nicht der Angst vor einer möglichen Niederlage. Beide Teams spielten auf Sieg und lediglich das Tor-Gebälk und die guten Torwartparaden waren dafür verantwortlich, dass es nach 120 Minuten immer noch 0:0 stand. Es war das erste torlose Remis in einem U-17-WM-Finale und das vierte, das im Elfmeterschießen entschieden werden musste.

Nigeria war bereits in der ersten Auflage des Turniers 1985 Weltmeister geworden und stand bereits zum fünften Mal im Finale, von denen die Afrikaner drei gewinnen konnten. Dafür, dass sie den Titel heute gewannen, können sie sich bei ihrem herausragenden Torhüter Oladele Ajiboye bedanken, der die Elfmeter von Fran Merida und Iago parieren konnte und so der Mannschaft von Yemi Tella den 3:0-Erfolg im Elfmeterschießen sicherte. Matthew Edile, Daniel Joshua und Ganiyu Oseni verwandelten ihre Elfmeter sicher und nachdem der spanische Einwechselspieler Asier Illarramendi vorbei geschossen hatte, war das Finale entschieden.

Viele dürften Nigeria angesichts der bisherigen Leistungen im Turnier für den verdienten Sieger halten. Die Nigerianer konnten als einzige Mannschaft alle ihre Spiele gewinnen und hatten in Macauley Christantus einen absoluten Torgaranten, der den Goldenen Schuh und Silbernen Ball von adidas gewann. Das Spiel der Nigerianer war bis zum Schluss eine wahre Augenweide.

Ihre Fans, die den Großteil der 36.125 Zuschauer im Stadion ausmachten, bejubelten den Sieg ihrer Mannschaft im FIFA WM-Stadion von Seoul gebührend. Vom Anpfiff bis zum Abpfiff spielten sie unermüdlich auf ihren Trompeten. Auch während der Siegesfeierlichkeiten feierten sie den Titelgewinn ihrer Mannschaft nicht weniger ausgelassen als ihre Spieler. Auf und abseits des Spielfeldes brachten die Nigerianer Farbe ins Turnier. Das gibt einen guten Vorgeschmack auf die FIFA U-17-Weltmeisterschaft, die in zwei Jahren in dem westafrikanischen Land stattfinden wird.

Kroos gewinnt den Goldenen Ball von adidas
Im anderen Spiel des Tages konnten sich die Deutschen mit ihrem Kapitän und Gewinner des Goldenen Balls von adidas, Toni Kroos, über den dritten Platz freuen. Es war erst das zweite Mal, dass die DFB-Auswahl bei einer FIFA U-17-Weltmeisterschaft unter die ersten Drei gekommen ist und zugleich das beste Ergebnis seit dem zweiten Platz bei der WM 1985 in Nigeria.

Kroos hatte entscheidenden Anteil am 2:1-Sieg seiner Mannschaft gegen Ghana. Geschickt zog er im Mittelfeld die Fäden, erzielte einen Treffer selbst und bereitete den zweiten mustergültig vor. Sein Freistoß in der 17. Spielminute hätte jeder Weltmeisterschaft zu Ehren gereicht. Aktuell denkt man bei herausragenden Freistoßschützen mit Sicherheit zunächst an Spieler wie David Beckham und Roberto Carlos. In den kommenden Jahren könnte Kroos die beiden vielleicht überholt haben.

Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München zeichnet sich jedoch nicht nur bei Standardsituationen aus, wie das heutige Spiel zeigte. Er kann eine ganze Mannschaft mitreißen und ein Spiel allein entscheiden. Bereits vor dem Turnier galt er als Spielmacher. Und genau diese Fähigkeiten demonstrierte er im Spiel gegen Ghana, als er den eingewechselten Alexander Esswein mustergültig bediente, nachdem er zuvor die halbe Hintermannschaft Ghanas hatte aussteigen lassen.

"Toni ist ein hervorragender Spieler", meinte Trainer Heiko Herrlich nach dem Spiel. "Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass er sich bei Bayern München und in der A-Nationalmannschaft durchsetzen wird. Im Verlauf des Turniers hat er immer wieder überzeugen können. Er ist sowohl auf und abseits des Spielfelds eine Führungspersönlichkeit. Er ist natürlich noch jung und lernt weiterhin dazu. Mit Sicherheit wird auch er seine Höhen und Tiefen erleben, aber letztlich wird er sich durchsetzen."

Der von Kroos vorbereitete Treffer war zugleich der 20. Treffer der Deutschen im Turnier. Damit erzielten sie mehr Tore als die anderen 23 Mannschaften in Korea und verpassten nur knapp den Rekord der Spanier, die es 1997 auf 22 Tore gebracht hatten. Die Ghanaer stellten ihrerseits einen Rekord auf, indem sie auch im 21. Spiel in Folge bei einer FIFA U-17-Weltmeisterschaft ein Tor erzielten.

Nun bleibt nur noch, Kroos, Bojan Krkic, Chrisantus und Co. eine gute Heimreise zu wünschen, obwohl wir sie mit Sicherheit in den kommenden Jahren noch bei anderen Weltmeisterschaften sehen werden. Viel Glück wünschen wir auch dem langjährigen spanischen Trainer Juan Santisteban, der aus dem Amt scheiden wird. Nachdem das Turnier nun also zu Ende gegangen ist, das ganz im Zeichen des FIFA-Prinzips von Fair Play stand, erinnert man sich gern an die Worte des wahren Sportmanns: Wenn der gerechte Fussballgott einst über Dich richten wird, dann geht es nicht darum, ob du gewonnen oder verloren hast, sondern wie du gespielt hast.

Die Nachwuchsspieler, die an diesem Turnier teilgenommen haben, dürften viel über das Spiel gelernt, aber hoffentlich auch Lebenserfahrungen gesammelt haben.