Seit Nigeria buchstäblich ins Endspiel der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007 gestürmt ist, spricht alle Welt von Sieben-Tore-Mann Macauley Chrisantus und Kapitän Lukman Haruna. Dabei spielt die Mannschaft von Yemi Tella wie aus einem Guss, tritt als Einheit und verschworener Haufen auf und hat einige stille Helden in ihren Reihen.
Einer davon ist Rechtsaußen King Osanga. Zwar hat der 16-Jährige bislang weder ein Tor geschossen noch eine Vorlage geliefert, doch dürfte dies in Anbetracht der Aufmerksamkeit erregenden Vorstellungen beim Acht-Nationen-Turnier im Juni erstens nur eine Frage der Zeit sein, und zweitens ist er auch so für jeden Gegner ein ständiger Unruheherd.
Das Rampenlicht ist ohnehin Osangas Sache nicht. "Beim Fussball geht es um drei Punkte", meint er gegenüber FIFA.com. "Und so lange ich der Mannschaft zu diesen drei Punkten verhelfen kann, soll mir das reichen."
Seine Mannschaftskameraden rufen ihn liebevoll Slim, den Schlanken, und der kleine Mittelfeldmann, der konstant die rechte Außenbahn beackert, weiß um die schweren Spiele, die seine Mannschaft schon bestreiten musste. "Kolumbien im Achtelfinale und das Halbfinale gegen Deutschland", nennt er als die härtesten. "Aber wir konzentrieren uns immer voll aufs Spiel und haben bislang immer ein gutes Ergebnis erzielt."
Jetzt steht nur noch ein Spiel zwischen Nigeria und dem erklärten Ziel, den Titel zu holen. Entsprechend kennt Osanga auch nur ein Thema. "Unser Teamwork ist der wichtigste Erfolgsfaktor für uns, und wenn wir unser Tempo hoch halten können, wird es ganz leicht, ganz nach oben zu kommen."
Spanien im Endspiel
Doch bei allem Selbstbewusstsein weiß der Jungstar von Akwa
United nur zu gut, dass gegen Spanien im Endspiel ein hartes Stück
Arbeit wartet, greifen die Iberer doch erstmals nach dem Titel.
"Spanien hat eine sehr gute Mannschaft", räumt Osanga
ein. "Sie steht nicht umsonst im Finale, und auch, wenn ihre
Nummer 9 [Bojan Krkic] ausfällt und sie ihn schmerzlich vermissen
werden, dürfen wir den Gegner auf keinen Fall
unterschätzen."
Osanga wird sich auch im Endspiel wieder wie gewohnt in den Dienst der Mannschaft stellen. "Meine Wunschposition ist das zentrale offensive Mittelfeld", sagt er. "Aber wir haben mehrere starke Leute für die zentrale Position im Mittelfeld, also weiche ich gern auf andere Positionen aus."
Vielseitigkeit ist also Trumpf beim Flügelflitzer, der es auf bislang vier Einsätze im Turnier gebracht hat. Darüber hinaus zeichnen ihn Höflichkeit und Zurückhaltung aus. Dabei lässt sein Vorname King doch vermeintlich darauf schließen, dass er der Chef der so offensiv ausgerichteten Nigerianer ist. Doch weit gefehlt. "Nur ein Vorname", sagt Osanga dazu nämlich. "Er hat keine besondere Bedeutung. Meine Eltern haben mich nur so genannt, weil mein Großvater das traditionelle Oberhaupt eines Gebietes in meinem Land war."
Wie also würde sich King fühlen, wenn er am Sonntag nach dem Finale in Seoul den Pokal hochhalten dürfte? "Es wäre großartig, in Asien Weltmeister zu werden. Wir alle hoffen, dass wir das Spiel gewinnen können. Dann wären wir die Könige der Welt. Ich weiß, dass es nicht einfach wird. Aber im Fussball ist alles möglich."



