In jeder Mannschaft gibt es Spieler, die sich durch ihre persönlichen Eigenschaften besonders hervortun. Dank ihrer Spielweise und ihres Charismas erobern sie die Herzen der Zuschauer, und das sowohl auf dem Spielfeld als auch abseits davon. Andere wieder besitzen zwar ebenfalls herausragende Qualitäten, stehen jedoch weitaus weniger im Rampenlicht. Doch auch deren Beitrag zum Erfolg ihres Teams findet auf Dauer seine verdiente Anerkennung.

Zur letzteren Kategorie zählt auch Spaniens vielseitiger Mittelfeldspieler Iago, der sich im Verlauf dieser FIFA U-17-Weltmeisterschaft das uneingeschränkte Vertrauen seines Trainers Juan Santisteban erworben hat.

Iago kam in allen sechs Partien zum Einsatz, die sein Team bislang in Korea bestritten hat. Davon spielte er vier Mal von Beginn an, zwei Mal wurde er während des Spiels eingewechselt. In der Achtelfinalpartie gegen Syrien kam er in der 66. Minute ins Spiel und traf bereits nach 38 Sekunden aus halbrechter Position zum 3:0. Im Halbfinale gegen Ghana stand er in der Startelf und war erneut für das rechte Mittelfeld zuständig. Dies hinderte ihn indes nicht daran, sich auch mal über die linke Seite zu versuchen. Mit durchschlagendem Erfolg, wie sein Vorstoß über den linken Flügel und das folgende Zuspiel auf Dani Aquino bewies, der danach zum 1:0 einschoss. Was meint der unmittelbare Vorbereiter dieser Aktion dazu?

Keine Eile, aber bald
"Von Haus aus bin ich eigentlich für die Balleroberung zuständig, fühle mich aber wohler, wenn ich in zentraler Position hinter der Sturmspitze agieren kann. Wenn der Trainer jedoch die Weisung gibt, dass ich über die Flügel spielen soll, dann tue ich das auch. Das Wichtigste ist doch, dass wir als Mannschaft gewinnen", so der am 4. Januar 1990 in Vigo geborene Iago im Gespräch mit FIFA.com. "Außerdem kommt mir entgegen, dass ich nicht als direkter Manndecker spiele, das verschafft mir mehr Bewegungsfreiheit. Sobald sich eine günstige Gelegenheit bietet, nutze ich sie auch. So wie im Spiel gegen Ghana", so Iago weiter.

Um seine Spielweise zu beschreiben, braucht man Iago nur nach seinem großen Vorbild zu fragen. "Rivaldo. Er hat von allem etwas: einen knallharten Schuss, Kopfballstärke, Torinstinkt, perfektes Zweikampfverhalten... Er ist der vielseitigste Fussballer, den ich kenne." Vor allem mit dem linken Fuß kann er ziemlich alles, wie er selbst einmal sagte. Doch Iago nennt noch einen weiteren Topstar, um uns sein eigenes Profil etwas näher zu erläutern. "Mein Spiel ähnelt dem von Pablo Aimar, den es auch ständig mit nach vorne zieht", ist sich Iago sicher, der im Übrigen ein erklärter Bewunderer des südamerikanischen Fussballs ist.

Bereits als Zehnjähriger wurde Iago in die Jugendabteilung des FC Barcelona aufgenommen und spielt noch heute im B-Team der Katalanen. "Natürlich ist es mein Traum, bald auch im Camp Nou aufzulaufen. Allzu eilig habe ich es damit allerdings nicht. Mir ist klar, dass der FC Barcelona über eine ganze Reihe großer Stars verfügt. Andererseits ist der Verein aber auch dafür bekannt, dass er stark auf seinen eigenen Nachwuchs setzt. Im Moment denke ich aber erst einmal nur an das Finale gegen Nigeria".

Uns fehlen noch 90 Minuten bis zum ganz großen Erfolg
Damit wären wir auch schon bei der bevorstehenden Finalpartie gegen die jungen Afrikaner. "Dieses Spiel wird ähnlich ablaufen wie gegen Ghana, also weitestgehend ausgeglichen. Die Nigerianer werden versuchen, uns von allen Seiten unter Druck zu setzen. Sie haben hervorragende Techniker und hoch gewachsene Außenverteidiger in der Mannschaft. Gegen die ist schwer anzukommen. Wir müssen so viel wie möglich den Ball in den eigenen Reihen halten und vermeiden, uns in die Defensive drängen zu lassen. Denn dann könnte uns die physische Überlegenheit der Afrikaner teuer zu stehen kommen. Die beiden Verlängerungen haben bei uns sicher ihre Spuren hinterlassen, doch der eine Tag mehr, den wir zur Erholung haben, kommt uns natürlich sehr entgegen."

Der Ausfall von Bojan Krkic ist indes nach wie vor ein unausweichliches Gesprächsthema. "Er wird uns fehlen, dennoch glaube ich nicht, dass wir deswegen unser Konzept ändern werden. Wir haben Spieler in der Mannschaft, die ihr Bestes geben werden, um diesen Ausfall zu kompensieren. Zum Beispiel Dani Aquino, der bisher ebenfalls ein großes Turnier gespielt hat." Außerdem hat uns der Sieg über Ghana zusätzliches Selbstvertrauen gebracht, das wir jetzt gegen Nigeria gut brauchen können. "Wir haben insgesamt kein gutes Spiel gemacht. Genau das macht diesen Sieg aber so wertvoll. Dass wir am Ende trotzdem noch gewonnen haben, hat unser Selbstvertrauen enorm gestärkt. Mental sind wir also bestens gerüstet."

Iago ist sich natürlich bewusst, dass ein WM-Finale etwas Einzigartiges ist. Deshalb räumt er auch ein, dass er schon jetzt den Erwartungsdruck spürt, den seine Mannschaft in Spanien ausgelöst hat. Doch der Linksfuß scheint voll und ganz bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen. "Wir wissen, was gegen Nigeria auf dem Spiel steht. Uns fehlen nur noch 90 Minuten bis zum ganz großen Erfolg."