DAS HALBFINALE IM RÜCKBLICK - Junge Fussballspieler können die Fans mit ihren manchmal brillanten Aktionen begeistern. Ihre Schnelligkeit, ihre Leidenschaft für den Fussball und natürlich ihr Talent lassen die Herzen der Zuschauer höher schlagen. Doch genau wie andere Menschen machen auch junge Fussballspieler gelegentlich Fehler. Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, eine Launenhaftigkeit oder der Mangel an Geduld können zu Fehleinschätzungen oder falschen Reaktionen führen. Wenn ein solcher Fehler im Halbfinale eines FIFA-Turniers passiert, würde der betroffene Spieler am liebsten im Boden versinken.
Es kommt häufig vor, dass ein Torwartfehler sich als spielentscheidender Moment entpuppt, viel seltener jedoch, dass ein Torhüter als Matchwinner gefeiert wird. Der 2:1-Sieg Spaniens gegen Ghana ist ein gutes Beispiel. Nach dem Spiel beherrschte Bojan Krkic mit seinem späten Siegtor und dem nachfolgenden Platzverweis alle Schlagzeilen, doch von David De Gea, dem spanischen Torhüter, der mehrfach und spektakulär in höchster Not gerettet hatte, war viel weniger zu lesen.
Dabei war der junge Schlussmann von Atlético Madrid am Mittwochabend wohl der entscheidende Mann auf dem Platz. Gleich vier Mal zeigte er bei Angriffen der Ghanaer Glanzparaden und bewies dabei Mut, Urteilsvermögen und exzellente Reflexe. So warf sich der 16-Jährige furchtlos vor die Füße von Sadick Adams, als der afrikanische Angreifer auf ihn zustürmte. De Gea wurde bei dieser Aktion schmerzhaft am Kopf getroffen, doch er spielte weiter, als wäre nichts gewesen.
Als Adams kurz darauf schön von Ransford Osei angespielt wurde, entschloss sich De Gea, die Linie zu verlassen und den Winkel zu verkürzen. Auch das war die richtige Entscheidung, denn der Schuss des ghanaischen Angreifers landete am Außennetz. Wenige Minuten später musste Osei sich die Haare raufen, als De Gea seinen Kopfball aus kurzer Distanz mit einem fantastischen Reflex gerade noch über die Latte lenken konnte. Und in der zweiten Halbzeit der Verlängerung rettete der spanische Schlussmann dann noch einmal in höchster Not gegen den Ghanaer Kelvin Bossman.
Auch wenn es stimmt, dass man Spiele nur durch Tore gewinnen kann, darf man auf keinen Fall den Beitrag vergessen, den De Gea während des gesamten Turniers zum Erfolg der Spanier geleistet hat. Denn auch schon im Viertelfinale gegen Frankreich hatte De Gea einige Großchancen der Franzosen zunichte gemacht, nachdem er bereits in den Gruppenspielen gegen Honduras, Syrien und die DVR Korea glänzte und dazu beitrug, dass die Mannschaft von Juan Santisteban sich auf ihrem Weg ins Finale gegen Nigeria nicht aufhalten ließ.
Vollath im Pech
Das genaue Gegenteil davon trifft für Deutschlands
Schlussmann zu. Zunächst konnte René Vollath einen Gewaltschuss von
Yakubu Alfa nicht festhalten, was Macauley Christantus sofort zu
seinem siebten Turniertor nutzte. Nur acht Minuten später rutschte
ihm ein Distanzschuss von Alfa durch die Hände ins Netz.
Die deutschen Nachwuchskicker schöpften zwar durch Toni Kroos' schönen Anschlusstreffer in der 33. Minute noch einmal Mut, doch es gelang ihnen nicht, in der zweiten Halbzeit die nigerianische Abwehr noch einmal zu durchbrechen. Unmittelbar vor Schluss erzielten die Nigerianer sogar noch einen Treffer, nachdem ein Rückpass von Mario Erb bei Kabiru Akinsola gelandet war. Der Mittelfeldspieler sah, dass Vollath weit vor seinem Tor stand und setzte den Ball mit einem perfekten Heber zum 3:1-Endstand in die Maschen.
Dabei hatte Vollath beim 5:0-Erfolg Deutschlands im Gruppenspiel gegen Trinidad und Tobago in Changwon überzeugt, so dass Herrlich ihm danach vor Fabian Giefer den Vorzug gab. In den Spielen gegen die USA und England hatte sich der Torhüter des 1. FC Nürnberg zudem stark präsentiert.
Es bleibt abzuwarten, ob Herrlich am Sonntag im Spiel um Platz drei gegen Ghana vielleicht sogar Kevin Trapp spielen lässt, der bislang in Korea noch nicht zwischen den Pfosten zum Einsatz kam. Nigerias Trainer Yemi Tella braucht sich derartige Gedanken nicht zu machen. Er weiß genau, welche seiner elf Spieler die stärksten sind, und er bereitet sie nun optimal auf das Endspiel gegen Spanien vor. Seit dem Beginn des Turniers wurde der nigerianische Trainer nicht müde, den Erfolg seiner Mannschaft vorherzusagen. In 72 Stunden werden wir wissen, ob am Ende tatsächlich der ganz große Erfolg steht.


