Obwohl Deutschland eher als Außenseiter in die Halbfinalpartie gegen Nigeria geht (das behauptet zumindest Trainer Heiko Herrlich), haben die Spieler viel Selbstvertrauen und glauben, dass sie am Sonntag in Seoul die Trophäe holen können.

Dieses Selbstvertrauen beruht auf den bisherigen Leistungen der Mannschaft auf dem Platz, nicht etwa auf dem großen Medieninteresse oder einem übersteigerten Selbstwertgefühl der Spieler. Dreh- und Angelpunkt der bisher tadellosen Teamarbeit ist Mannschaftskapitän Toni Kroos, der auf dem Weg ins Halbfinale bereits drei Tore selbst erzielt und ebenso viele vorbereitet hat.

Trotz seiner beeindruckenden Auftritte meint der zurückhaltende deutsche Mannschaftskapitän gegenüber FIFA.com allerdings, das Geheimnis des Erfolgs sei die mannschaftliche Geschlossenheit und der Zusammenhalt unter den Spielern. Der Nachwuchsstar von Bayern München spricht über die bisherigen Fortschritte der Mannschaft, seine Rolle als Kapitän und Deutschlands Chancen auf den Einzug ins Finale.

FIFA.com: Toni, wie würden Sie die bisherigen Auftritte der deutschen Mannschaft bei diesem Turnier einschätzen?
Toni Kroos:
Ich glaube, bisher können wir mit dem Turnierverlauf sehr zufrieden sein. Ich habe noch keine Mannschaft gesehen, die viel stärker ist als unsere. Ich glaube, wir können es in diesem Turnier durchaus mit Nigeria, Ghana und Spanien aufnehmen. Unsere größte Stärke ist die kreative Offensive und unsere stabile Abwehr.

Haben Sie vor dem Turnier erwartet, dass die Mannschaft das Halbfinale erreichen würde?
Ja. Ich habe immer an unsere Stärke und unseren Teamgeist geglaubt. Ich wusste, dass wir gut auf alles vorbereitet waren, was bei der WM auf uns zukommen würde.

Wie sehen Sie Deutschlands Aussichten auf den Titelgewinn?
Wir sind sehr selbstbewusst und glauben an unsere Chance. Trotzdem dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass wir uns als Fünfter der Europameisterschaft und als letzte Mannschaft für diese WM qualifiziert haben. Deshalb gelten wir ja unter den letzten vier Mannschaften des Wettbewerbs auch als Außenseiter. Wir müssen einfach so weitermachen wie bisher. Dann haben wir diese Woche bei allen anstehenden Aufgaben eine Chance.

Welches persönliche Ziel haben Sie sich für dieses Turnier gesteckt?
Mein persönliches Ziel unterscheidet sich nicht von dem der anderen Spieler. Ich will meine Qualitäten in die Mannschaft einbringen, um unsere Leistungen zu verbessern und meine Mannschaftskameraden zu unterstützen. Das ist das Ziel jedes einzelnen Spielers unserer Mannschaft und unser Erfolgsgeheimnis.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Mannschaftskapitän?
Ein Kapitän muss vor allem zwei Dinge können: mit gutem Beispiel vorangehen und die anderen Spieler motivieren. Ich versuche, meinen Mannschaftskameraden als Spieler ein Vorbild zu sein. Gleichzeitig bemühe ich mich aber auch darum, sie abseits des Spielfelds zu motivieren. Das versuchen wir alle.

Wer ist Ihr Vorbild? Gibt es einen Spieler, in dessen Fußstapfen Sie in Zukunft gern einmal treten würden?
Ich bewundere Johan Micoud als Spieler und Stefan Effenberg als eine große Persönlichkeit. Ich knüpfe meine Entwicklung an keinen bestimmten Spieler. Auf jeden Fall freue ich mich darauf, eines Tages Fussballprofi zu sein.

Was machen Sie hier in Korea in Ihrer Freizeit, wenn Sie gerade nicht spielen oder trainieren?
Die meiste Zeit verbringe ich zur Entspannung im Massageraum oder in meinem Zimmer. Manchmal surfe ich auch im Internet oder spiele mit Sascha (Bigalke), Kevin (Wolze) und anderen Poker.