Auch wenn sich immer wieder bestätigt, dass die vermeintlichen Favoriten eines Turniers häufig Probleme haben, mit dem damit verbundenen Erwartungsdruck fertig zu werden, so kann man den jungen Spaniern und Ghanaern in ihrem Fall bescheinigen, völlig verdient das Halbfinale der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007 erreicht zu haben. Jetzt muss sich entscheiden, wer von beiden Mannschaften das große Finale bestreitet bzw. wer mit dem Spiel um Platz drei vorlieb nehmen muss. Die Antwort darauf gibt es an diesem Mittwoch, wenn die Südeuropäer im Complex-Stadion von Ulsan auf die Afrikaner treffen.

Das Spiel
Spanien - Ghana, Mittwoch, 5. September, Ulsan, 19.00 Uhr (Ortszeit)

Vorschau
Die jungen Spanier mussten in der Viertelfinalpartie gegen Frankreich, in der das Team aus dem Nachbarland über weite Strecken mehr vom Spiel hatte, alle Reserven aufbieten, um sich am Ende noch den Sieg im Elfmeterschießen zu sichern. Das ebenso einfache wie wirksame Rezept der Franzosen bestand darin, dem Gegner möglichst viele Bälle abzujagen und ihn so am Spielaufbau zu hindern. Erst nachdem Trainer Juan Santisteban drei neue Spieler gebracht hatte, konnte seine Mannschaft die Initiative an sich reißen und der Partie zunehmend den eigenen Stempel aufdrücken. Genau dies wird von Beginn an im Halbfinale gegen Ghana erforderlich sein. Bliebe noch die Frage, inwieweit die Spanier den außerordentlichen Kräfteverschleiß aus der Partie gegen Frankreich bis Mittwoch kompensieren können.

Die Ghanaer gehen indes nach ihrem fast schon im Schongang erzielten 2:0-Sieg über Peru wesentlich entspannter in diese Halbfinalpartie. Hinzu kommt, dass sich die Schützlinge von Trainer Sellas Tetteh im Turnierverlauf von Spiel zu Spiel steigern konnten, um im richtigen Moment zuschlagen zu können. Mit Spannung erwartet wird das direkte Duell zwischen den beiden wuchtigen Stürmern Ransford Osei (bisher 5 Treffer) und Sadick Adams einerseits sowie der bislang äußerst soliden spanischen Abwehr um Torhüter David de Gea andererseits.

Höhen und Tiefen
Bei beiden Teams sind sämtliche Akteure spielberechtigt. Nachdem Francis Boadi für das Spiel gegen Peru noch gesperrt war, kann Tetteh nun wieder auf ihn zurückgreifen. Santisteban muss auf Mittelfeldspieler Jordi verzichten, der aufgrund einer Knöchelverletzung in Korea nicht mehr zum Einsatz kommen wird. Ob Verteidiger Alberto Morgado spielen kann wird sich kurzfristig entscheiden. Er klagt derzeit über Muskelprobleme.

Zahlen und Fakten
Ghana und Spain Spanien haben bislang vier Mal bei einer FIFA U-17-Weltmeisterschaft gegeneinander gespielt. 1991 traf man zwei Mal im Turnier aufeinander: Nach einem 0:0 in der Vorrunde sicherte sich Ghana durch einen 1:0-Endspielsieg über die Spanier den Titel. 1997 setzten sich die Afrikaner im Halbfinale mit 2:1 durch, 1999 gab es ein 1:1 zwischen beiden Teams.

Zum zweiten Mal in der Geschichte der FIFA U-17-Weltmeisterschaft kommt es im Halbfinale zu zwei europäisch-afrikanischen Duellen. 1987 gewann Nigeria mit 1:0 gegen Italien, während die UdSSR mit 5:1 über die Elfenbeinküste triumphierte.

Ghana hat im laufenden Turnier sieben seiner bislang elf erzielten Tore zwischen der 44. und der 53. Minute geschossen.

Zitate
"Diese Partie stellt uns vor eine große physische Herausforderung, denn die Ghanaer sind körperlich sehr robust. Überdies gehen sie ausgeruhter als wir ins Spiel. Daher kommt es für uns vor allem darauf an, konzentriert zu spielen. Wenn wir im Ballbesitz sind, müssen wir das Spiel schnell machen und versuchen, sie zu verwirren. Sobald sie aber den Ball haben, müssen wir absolut auf der Hut sein und versuchen, unsere Konterchancen zu nutzen."
Juan Santisteban (Trainer, Spanien)

"Für uns gilt es, möglichst lange den Ball zu halten, denn wir sind nicht gerade die geborenen Balljäger. Ghana ist ein schwerer Gegner, da die Ghanaer im Gegensatz zu anderen afrikanischen Teams physisch unglaublich stark sind, dafür aber weniger im technischen Bereich."
Jordi (Mittelfeldspieler, Spanien)

"Wir müssen vor allem im Abschluss noch effizienter werden und nicht so viele Torchancen vergeben, denn das kann uns gegen eine Mannschaft wie Spanien teuer zu stehen kommen. Dennoch meine ich, dass wir in der Lage sind, gegen jeden Gegner ein gutes Spiel zu machen, auch gegen die starken Spanier."
Sellas Tetteh Teivi (Trainer, Ghana)

"Wir alle wissen, dass wir durchaus das Zeug haben, das Finale zu erreichen. Spanien hat zwar eine gute Mannschaft, doch wir sind fest entschlossen, das Spiel zu gewinnen und dann nach der WM-Krone zu greifen. Wir haben hier schon viel erreicht, wollen aber noch mehr. Wir hoffen, dass wir dies auch gegen Spanien beweisen können."
Ransford Osei (Stürmer, Ghana)