Für einen Trainer gibt es kaum etwas Besseres, als auf der Ersatzbank Spieler sitzen zu haben, die jederzeit für ein Tor gut sind und somit ein Spiel entscheiden können. Der Spanier Jordi, der mit seiner Mannschaft gerade das Halbfinale der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007 erreicht hat, ist genau so ein Spieler. Davon können auch die Franzosen ein Lied singen.
Werfen wir einen Blick auf das bisherige Geschehen: Am ersten Spieltag der Gruppe C stand es zwischen Spanien und Honduras 1:1, als Trainer Juan Santisteban in der 50. Minute Jordi ins Spiel brachte. Nur sechs Minuten später nutzte die Nummer 19 einen Abpraller des gegnerischen Torhüters und brachte die Spanier mit 2:1 in Führung. Doch er sollte noch ein weiteres Mal zuschlagen: In der Schlussphase waren die Honduraner zunächst auf 2:3 herangekommen, ehe Jordi ein Zuspiel von Bojan Krkic verwertete und damit den Sieg der Spanier endgültig besiegelte.
Die Franzosen waren also gewarnt, als Jordi im Viertelfinale in Jeju in der 56. Minute eingewechselt wurde. Dennoch konnten sie es nicht verhindern, dass er in der 72. Minute plötzlich alleine vor dem Tor stand und eine perfekte Flanke von Iago zum Ausgleichstreffer verwertete. "Ich soll ein Torjäger sein? Wo denken Sie hin! Zunächst musste ich auf der Ersatzbank Platz nehmen, doch dass ich schließlich eingewechselt wurde und gleich ein Tor erzielte, machte mich sehr glücklich. Ich möchte aber noch viel mehr erreichen. Am besten viele Tore schießen", meint er im Gespräch mit FIFA.com lächelnd.
Die Nachwuchshoffnung von Villarreal ist eigentlich Mittelfeldspieler, kann jedoch auch im Angriff spielen. "Ich würde jede Position spielen, solange ich nur in der Startformation stehe", sagte er. Dann fügt er hinzu: "Jene, die nicht von Beginn an spielen, sind natürlich enttäuscht. Wenn man in der Startelf steht, in man auch in der Lage, bessere Leistungen zu bringen. Aber wir sitzen alle im selben Boot. Wir haben einen großen Kader, aber auch eine hochkarätige Ersatzbank."
Respekt vor Ghana
Jordi konnte zwar ein Tor erzielen, nach einer unglücklichen
Aktion ist er aber für die Partie gegen Ghana dennoch fraglich.
"Ich wollte eine Flanke schlagen und habe dabei in den Boden
getreten. Ich habe noch Schmerzen, aber ich will im Halbfinale
unbedingt dabei sein - und wenn möglich auch im Finale. Es wäre
eine Riesenenttäuschung für mich, wenn ich nicht spielen
könnte", stellt er mit viel Optimismus klar, während er seinen
bandagierten Knöchel zeigt.
Hinsichtlich der Analyse des nächsten Gegners weiß der Youngster, dessen großes Vorbild Luis Figo ist, genau Bescheid: "Wir müssen den Ball in den eigenen Reihen halten. Gegen Frankreich hatten wir zu wenig Ballbesitz und mussten ihnen ständig hinterher laufen. Das Spiel gegen Ghana wird mit Sicherheit schwieriger als gegen andere afrikanische Mannschaften, denn die Ghanaer sind sowohl körperlich als auch technisch sehr stark."
Die Schlussphase der Partie gegen Frankreich, als Vincent Acapandi den Ball über das Tor des bereits geschlagenen David de Gea schoss, war Jordi für das Spiel am kommenden Mittwoch in Ulsan eine Lehre. "Wir müssen auf die Konter aufpassen, denn die Ghanaer sind sehr schnell. Auf diese Weise hätten wir beinahe auch gegen Frankreich verloren. Ich kann es noch immer nicht glauben, dass wir weitergekommen sind. Ich sah mich bereits auf der Heimfahrt nach Spanien, doch der Franzose vergab diese hundertprozentige Chance!"
Bald wird das Abendessen serviert, und Jordi muss zurück in den zweiten Stock des Hotels. Die letzte Frage bringt ihn zunächst etwas aus der Fassung, doch dann sagt er in seiner für ihn typischen Art: "Ob Spanien reif ist, Weltmeister zu werden? Das wird schwierig, aber ich denke, unsere Mannschaft ist stark genug."





