DER TAG IM RÜCKBLICK - 24 Mannschaften gingen bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007 an den Start, und 52 Spiele standen auf dem Programm. Jetzt sind nur noch vier Teams und vier Partien übrig.
Alle Vertreter aus Asien, Ozeanien und Südamerika haben sich aus dem Rennen um den Titel verabschiedet. In beiden Halbfinalpartien kommt es nämlich zu Duellen zwischen afrikanischen und europäischen Teams: Schon gestern zogen Spanien und Ghana ins Halbfinale von Ulsan ein. Heute nun stießen auch Nigeria und Deutschland durch Siege in ihren Viertelfinalpartien gegen Argentinien bzw. England in die Runde der letzten Vier vor. Das Halbfinale dieser beiden Mannschaften findet in Suwon statt.
Damit verlängerten die siegreichen Viertelfinalisten ihren Aufenthalt in Fernost um eine weitere Woche. Die Mannschaften, die ihre Halbfinalspiele verlieren, treffen dann am kommenden Sonntag im FIFA WM-Stadion von Seoul zum Spiel um Platz drei aufeinander, das unmittelbar vor dem Finale des Turniers stattfindet. Alle vier Halbfinalisten sind natürlich fest entschlossen, nicht das vorletzte, sondern das letzte Spiel des Turniers zu bestreiten...
Nigeria im Höhenflug
Nachdem sich gestern bereits Ghana mit 2:0 gegen Peru
durchgesetzt hatte, zog heute Nigeria mit dem gleichen Ergebnis
ebenfalls gegen einen südamerikanischen Vertreter ins Halbfinale
ein. Im Dauerregen von Cheonan trafen die Nigerianer auf eine
argentinische Mannschaft, die sich im Achtelfinale gegen Costa Rica
durchgesetzt hatte. Es entwickelte sich das erwartet enge
Spiel.
Nachdem sich die Mannschaften in den ersten 20 Minuten nur vorsichtig abgetastet hatten, gewannen allmählich die Argentinier die Oberhand und begannen, auf die Führung zu drängen. Santiago Fernandes und Eduardo Salvio hatten gute Chancen, doch dann verursachte Fernando Meza durch ein Foul an Lukman Haruna einen Elfmeter für die Nigerianer und kassierte zusätzlich noch eine Gelbe Karte. Haruna trat selbst zum Strafstoß an und verwandelte ihn mit einem halbhoch angesetzten Schuss neben den linken Pfosten sicher.
Mit dem buchstäblich letzten Schuss vor der Pause fiel dann bereits die Vorentscheidung. Rabiu Ibrahim setzte sich gegen zwei argentinische Abwehrspieler durch und spielte dann einen schönen Pass auf Macauley Christantus, der seinen sechsten Turniertreffer erzielte. Man musste nun erwarten, dass die Argentinier nach der Pause alles nach vorn werfen würden, doch auch in der zweiten Halbzeit erspielten sich die Nigerianer die besseren Chancen, so dass der Sieg letztlich nicht mehr in Gefahr geriet. Der vom Regen völlig durchnässte nigerianische Trainer Yemi Tella quittierte den Erfolg seiner Schützlinge beim Schlusspfiff mit einem breiten Lächeln.
Deutschland in Bestform
Vier schön herausgespielte Tore durch Sebastian Rudy, Richard
Sukuta-Pasu, Dennis Dowidat und Toni Kroos in der zweiten Halbzeit
sorgten für den 4:1-Erfolg Deutschlands gegen England in
Goyang.
In bester deutscher Tradition präsentierte sich die Mannschaft von Heiko Herrlich gut organisiert und äußerst effektiv. Wann immer der Gegner das Tor gefährdete, zeigten sich die Deutschen sehr abwehrstark. Hinzu kamen die hervorragende Laufarbeit und ein sehr gutes Verständnis untereinander, was der Mannschaft nicht nur heute zu einer äußerst gefährlichen Offensive verhalf.
Mit Kroos, Sascha Bigalke und Dowidat verfügt das Team über drei starke Mittelfeldspieler, die dem Geschehen immer wieder ihren Stempel aufdrücken können. Vor dem Tor ist insbesondere der schnelle und abschlussstarke Stürmer Sukuta-Pasu ein ständiger Gefahrenherd. Die deutschen Spieler sind offenbar genau zum richtigen Moment in Topform und verfügen auch über das notwendige Selbstvertrauen. Im heutigen Spiel gegen die Schützlinge von John Peacock zeigten sie jedenfalls eine rundum überzeugende Leistung.
Die Engländer, bei denen Mittelstürmer Victor Moses wegen einer Oberschenkelverletzung fehlte, hatten dem offensiven Kombinationsspiel der Deutschen kaum etwas entgegenzusetzen. Zwar kamen sie in der 65. Minute durch einen schönen Treffer von Rhys Murphy noch einmal auf 1:2 heran, doch dann schlugen Dowidat und Kroos zu und sorgten für die endgültige Entscheidung.
Ebenso wie für Frankreich, Peru und Argentinien ist nun also auch für England das Turnier mit dem Viertelfinale zu Ende gegangen. Die koreanischen Fans werden nicht mehr begeistert aufschreien, wenn Kappen oder andere Souvenirs mit den drei englischen Löwen ins Publikum geworfen werden.
Für die englischen Spieler, die heute auf dem Feld waren, werden sich die in Korea gesammelten Erfahrungen jedoch in den kommenden Jahren sicher auszahlen - vielleicht schon bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Ägypten 2009 oder sogar bei einer zukünftigen FIFA Fussball-Weltmeisterschaft. Wer die Engländer bei ihren Auftritten in Fernost beobachtet hat, wird dieser Prognose sicher zustimmen.


