Selten hat ein junger Fussballer bei seinem ersten Einsatz während eines WM-Turniers so eingeschlagen wie Gastón Sauro. Bis zu seiner denkwürdigen Achtelfinalpartie bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007 gegen Costa Rica hatte der argentinische Abwehrspieler noch keine einzige Minute auf dem Platz gestanden. Auch im Achtelfinale saß er zunächst auf der Ersatzbank und bekam erst nach dem Platzverweis von Alexis Machuca seine erste Chance, die er dann in herausragender Weise zu nutzen wusste.
Bei zwei präzisen Hereingaben von Santiago Fernández war Sauro zur Stelle und wuchtete den Ball per Kopf unhaltbar in die Maschen. Mit seinen beiden Treffern sicherte er seiner Mannschaft faktisch im Alleingang den Einzug ins Viertelfinale. Unmittelbar vor dem entscheidenden Duell gegen Nigeria sprach der plötzlich zum Helden avancierte Gastón mit FIFA.com über seine Erfahrungen bei diesem WM-Turnier.
Der Abwehrspieler machte aus seiner Freude über die beiden Tore bei seinem WM-Debüt keinen Hehl. "Ich bin wirklich sehr zufrieden, denn schließlich bin ich Verteidiger, und als solcher ist man ja nicht gerade für die Tore zuständig. Einfach Wahnsinn! Außerdem hatte ich einen Monat lang keine Spielpraxis, deshalb freue ich mich umso mehr."
Natürlich kommt dieser Einzelerfolg erst dadurch richtig zur Geltung, dass er damit seinem Team den Einzug in die nächste Runde sichern konnte. "Das Wichtigste dabei ist, dass wir als Mannschaft gewonnen haben und ich dazu meinen Beitrag leisten konnte. Das würde ich mit Nichts in der Welt tauschen wollen", so der immer noch sichtlich gerührte Abwehrspieler.
Immer für Überraschungen gut
Allein die Tatsache, dass ausgerechnet ein
Verteidiger zum Helden des Abends wurde, der bei diesem Turnier bis
dahin noch nie in der Startelf gespielt hatte, stellt an sich schon
eine Riesenüberraschung dar. Doch das ist noch nicht alles. Dies
wurde spätestens dann klar, als Sauro uns die Entstehung seiner
beiden Treffer schilderte: "Es ist schon komisch, denn
normalerweise postiere ich mich bei Eckbällen immer am kurzen
Pfosten. Beim ersten Eckball habe ich mich aber für den langen
Pfosten entschieden - warum, weiß ich nicht. Beim zweiten Tor stand
ich wieder am kurzen Pfosten, und es hat wieder geklappt."
Im Übrigen ist Gastón ein echtes Produkt der Jugendabteilung von Boca Juniors. Seine Idole finden sich indes nicht beim argentinischen Traditionsklub, sondern vielmehr im Ausland. "Es stimmt, dass es derzeit in der Mannschaft von Boca niemanden gibt, der mein Idol sein könnte. Meine ganze Bewunderung gilt dem Italiener Alessandro Nesta. Von ihm versuche ich mir so viel wie möglich abzugucken."
Und obwohl sein eigentliches Idol beim AC Mailand spielt, träumt der junge argentinische Abwehrspieler davon, eines Tages für den Erzrivalen Inter Mailand zu spielen! "Seit meiner Kindheit bin ein Fan von Inter, schon deshalb, weil die Mannschaft viele Argentinier in ihren Reihen hat. Aber gut, bis dahin fehlt mir noch eine ganze Menge. Im Moment geht es erst einmal darum, an das Viertelfinale und darüber hinaus an unseren Sieg bei diesem WM-Turnier zu denken."
Was den Gegner im Viertelfinale anbelangt, so hat Gastón eine recht klare Vorstellung vom nigerianischen Team. "Es wird ein sehr schweres Spiel, denn die Nigerianer werden versuchen, ihre physische Überlegenheit auszuspielen. Wir wollen die Partie unbedingt gewinnen, denn schließlich haben wir uns vorgenommen, zumindest das Finale zu erreichen."
Und wie wird es jetzt mit Gastón Sauro weitergehen? Wird er von Beginn an spielen oder nach seinem furiosen Debüt wieder auf die Bank zurückkehren? Er weiß es selbst nicht. "In dieser Hinsicht bleibe ich ganz cool und warte ab, wie sich der Trainer entscheiden wird. Was zählt, ist die Mannschaft, und die werde ich auch dann unterstützen, wenn ich nicht selbst spielen sollte."
