Bevor sie ihr erstes Spiel bei einem so renommierten Turnier wie
der FIFA U-17-Fussball-Weltmeisterschaft bestreiten, versuchen die
Teams mit allen Mitteln, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Hierbei
hat jede Mannschaft eine eigene Strategie. Und gleich, ob diese
eher auf eine gewissenhafte Vorbereitung abzielt oder eine Reihe
von Freundschaftsspielen vorsieht - jedes der 24 Teams, die in
Korea angetreten sind, hat versucht, alle Trümpfe auf seiner Seite
zu haben, um einen glänzenden Start in die FIFA
U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007 hinzulegen. Und wenn dies nicht
ausreichen sollte, können sich die Teams aus Frankreich und Nigeria
auch auf ihre erfolgreiche fussballerische Vergangenheit, die
Statistiken und den Aberglauben stützen!
Wenn die U-17-Auswahl Frankreichs am kommenden Sonntag den
Rasen des Gwangyang
Soccer Only Field betritt, wird eine lange Durststrecke
des französischen Teams zu Ende sein. Der letzte Auftritt, den eine
Mannschaft der
Bleus bei einer FIFA U-17-Weltmeisterschaft hatte, war
2001 in Trinidad und Tobago. Seitdem konnten die Franzosen keinen
Qualifikationserfolg mehr verbuchen. Sie schafften es nicht, sich
für die beiden darauffolgenden Endrunden in Finnland und Peru zu
qualifizieren. Und das letzte Spiel in Trinidad und Tobago war kein
geringeres als das Finale, in dem die jungen Franzosen sich mit 3:0
durchsetzen konnten. Der unterlegene Finalist hieß damals -
Nigeria!
Ein zweiter Anthony Le Tallec auf dem WM-Thron?
Unter der Führung von Jean-François Jodar konnten sich die
jungen Franzosen mit Leichtigkeit gegen die Nigerianer durchsetzen,
die hoffnungslos unterlegen waren und den beiden blitzschnellen
Offensivkünstlern Florent Sinama-Pongolle und Antony Le Tallec, die
jeweils einen Treffer erzielen konnten und zu den ganz großen
Entdeckungen des Turniers zählten, nichts entgegenzusetzen hatten.
Heute versuchen ihre Nachfolger, sich von diesem
geschichtsträchtigen Sieg inspirieren zu lassen und hoffen, dass
sich die Geschichte gegen eines der stärksten Teams bei der
Endrunde in Korea noch einmal wiederholt. "Wir kennen die
Erfolge nur zu gut, die die U-17-Generation um Pongolle, Jérémy
Berthod, Jacques Faty und Anthony Le Tallec erringen konnten"
erklärt Henri Saivet, Stürmer bei Girondins Bordeaux. "Damien,
der Bruder von Anthony Le Tallec, ist dieses Jahr übrigens im
französischen Aufgebot. Wir wissen, dass die Jungs damals Großes
vollbracht haben. Das motiviert uns umso mehr. Wir würden gerne die
gleichen Glücksmomente erleben wie unsere Kameraden damals und vor
allem auch das gleiche Ergebnis erzielen. Das wäre einfach die
größte Ehre, die uns zuteil werden könnte."
Im nigerianischen Lager würde man es naturgemäß vorziehen,
diese Endspielniederlage aus dem Kopf aller Spieler zu verbannen
und sich eher an die erste Runde beim Turnier 2001 zu erinnern.
Denn auch wenn die
Bleus am Ende den Weltmeistertitel erringen konnten,
nachdem sie die USA, Japan, Argentinien und Brasilien ausgeschaltet
hatten, mussten sie doch ihre einzige Niederlage des Turniers gegen
das nigerianische Team hinnehmen. Karimu Shaibu und Victor Brown
hatten den Afrikanern damals in der Vorrunde den Sieg beschert, an
dem auch Sinama-Pongolle durch seinen Anschlusstreffer kurz vor
Schluss nichts mehr ändern konnte, denn beim Schlusspfiff hieß das
Endergebnis 2:1 für Nigeria.
Nigerias Wohlgefühl in Asien
Sollten die Nigerianer ein weiteres Schicksalszeichen
suchen, an dem sie sich vor ihrem ersten Auftritt bei dieser
Endrunde aufrichten können, dann könnten sie dieses in den beiden
WM-Titeln finden, die sie in der Vergangenheit bereits erringen
konnten. 1985 konnten sich die Afrikaner bei der ersten Ausgabe der
U-17-WM in China im Finale mit 2:0 gegen Deutschland durchsetzen.
Acht Jahre danach siegte das Teams Nigerias um Wilson Oruma,
Celestine Babayaro und Nwankwo Kanu bei der U-17-Endrunde in Japan
im rein afrikanischen Finale gegen Ghana und holte sich den zweiten
WM-Titel.
Das waren die bisherigen beiden Endrunden der FIFA
U-17-Weltmeisterschaft, die in Asien ausgetragen wurden. Beide Male
konnte Nigeria auf die höchste Stufe des Siegerpodiums steigen.
Yemi Tella, der Mann, der die U-17-Auswahl bei der Endrunde in
Kanada zum Sieg gegen Togo führte, lässt sich sehr gerne von dem
Gedanken verführen, dass das neue Team in die Fussstapfen seiner
Vorgänger auf asiatischem Boden treten könnte. "Die FIFA
U-17-Weltmeisterschaft findet wieder einmal in Asien statt, und
Nigeria ist wieder mit dabei. Es gibt für mich keinen Zweifel. Wir
werden die WM-Trophäe nach Nigeria holen" erklärte er
gegenüber
FIFA.com.
Und auch wenn man ihn an den Namen des gegnerischen Teams
erinnert und an den Endstand beim letzten Aufeinandertreffen der
beiden Mannschaften, lässt sich Tella nicht sonderlich aus der Ruhe
bringen. "Wir sind hier angetreten, um den WM-Titel zu holen,
und deswegen müssen wir auch jeden Gegner schlagen. Ganz gleich, ob
es sich um die Franzosen oder irgendein anderes Team handelt. Es
gibt kein leichtes Spiel, aber auch kein unüberwindliches
Hindernis".
Um die lange Liste der Schicksalszeichen abzuschließen, wäre
noch hinzuzufügen, dass Nigeria auf bereits bekanntem Boden ins
Geschehen eingreifen wird. Nachdem sie vergangenen Juni zum
Acht-Nationen-Turnier eingeladen worden waren, traten die
Nigerianer gegen Neuseeland an und gewannen glatt mit 5:0.
