Großer Erfolg für asiatische Teams
© Getty Images

Die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Trinidad und Tobago 2010 stand ganz im Zeichen der asiatischen Mannschaften, die hier einen historischen Erfolg verbuchen konnten. Die drei Repräsentanten des Fernen Ostens zogen allesamt ins Halbfinale ein. Sie boten hier einen gut organisierten und reifen Fussball, ergänzt durch das Talent und die Kreativität einiger Nachwuchsspielerinnen. Diese dürften Garanten einer vielversprechenden Zukunft sein. Das Turnier war mit 125 Treffern außerdem ausgesprochen torreich. Diese beeindruckende Zahl untermauert noch einmal die Tatsache, dass der Nachwuchs sich dem Angriffsfussball verschrieben hat. Deutlich wurde auch die Konsolidierung des europäischen Frauenfussballs, wohingegen den amerikanischen Auswahlmannschaften noch viel zu tun bleibt, da sie bei diesem Turnier enttäuschend abschnitten.

Die Republik Korea sicherte in einem an Spannung kaum zu überbietenden Finale gegen Japan den Weltmeistertitel. Nachdem während der regulären Spielzeit bereits sechs Tore gefallen waren, musste die Partie schließlich im Elfmeterschießen entschieden werden. Dabei trafen die beiden Stars des Turniers direkt aufeinander. Die Koreanerin Yeo Min Ji wurde am Ende mit dem Goldenen Ball und dem Goldenen Schuh von adidas ausgezeichnet, während die Japanerin Kumi Yokoyama den Bronzenen Schuh und den Silbernen Ball von adidas erhielt. Beide führten ihre Mannschaften mit ihren Toren, ihrer kreativen Spielweise und ihrem Talent auf die beiden höchsten Stufen des Treppchens.

"Die asiatischen Mannschaften haben hier gezeigt, dass sie sehr stark sind und sich gut durchsetzen können. Sie arbeiten bereits an der Basis sehr gezielt und strukturiert. Diese planvolle Arbeit trägt jetzt Früchte", erklärte Sylvie Beliveau, Mitglied der Technischen Studien-Gruppe der FIFA (TSG). Aus diesen soliden Basisstrukturen hat sich ein schön anzusehender Kombinationsfussball entwickelt, der von technisch versierten und taktisch gereiften Spielerinnen getragen wird, die mit hervorragender Ballbehandlung überzeugen.

Die DVR Korea, die bei der letzten Auflage des Turniers 2008 in Neuseeland noch den Titel gewonnen hatte, wurde entthront. Das dynamische japanische Team, das immer mit drei Spitzen agierte, demontierte das solide 4-4-2-System der Nordkoreanerinnen, die sich bis zum Halbfinale als äußerst effektiv erwiesen hatten und vor allem mit ihrem Vertikalspiel zu überzeugen wussten. Auch im Spiel um Platz drei musste sich die DVR Korea am Ende geschlagen geben, und zwar gegen einen hervorragenden Turnierdebütanten: die spanische Auswahl. Die Rojitas überzeugten mit guter Ballbehandlung und schönem Stil und hatten mit Dolores Gallardo die beste Torhüterin des Turniers zwischen den Pfosten.

Die Spanierinnen haben von den europäischen Teams am besten abgeschnitten. Die Republik Irland schied nach einer guten Leistung im Viertelfinale aus, ebenso wie Deutschland, das nach einer beeindruckenden Gruppenphase mit 22 Treffern bei nur einem Gegentor knapp mit 0:1 gegen die DVR Korea unterlag. Das war eine der großen Überraschungen des Wettbewerbs, denn die DFB-Elf schien nach dem furiosen Turnierauftakt unschlagbar zu sein und kaum jemand zweifelte daran, dass das Team ins Finale einziehen würde.

Die afrikanischen Mannschaften hinterließen wechselhafte Eindrücke. Turnierdebütant Südafrika musste nach einer enttäuschenden Gruppenphase die Heimreise antreten. Dabei hatte das Team die zweifelhafte Ehre, zur Mannschaft mit den meisten Gegentreffern (17) in der kurzen Turniergeschichte zu werden. Ghana kam ebenfalls nicht über die hart umkämpfte Gruppe D hinaus, hatte jedoch eine Leistungs- und Qualitätssteigerung zu verzeichnen. Auch Nigeria präsentierte sich leistungsstärker und hochklassiger als zuvor, qualifizierte sich nach drei Siegen in ebenso vielen Spielen als Gruppensieger für das Viertelfinale und machte der Republik Korea in diesem Stadium vor allem dank der Leistungsträgerinnen Francisca Ordega, Loveth Ayila und Ngozi Okobidas das Leben schwer.

Amerika und Ozeanien mit Verbesserungsbedarf
Von den sieben Mannschaften aus diesen Regionen gelang lediglich Brasilien der Sprung in die zweite Runde. Allerdings glänzten auch die Brasilianerinnen nicht so, wie sie es im südamerikanischen Qualifikationsturnier getan hatten. Glaucia präsentierte sich nicht torgefährlich genug, und die Genialität von Thais allein reichte nicht aus, um Spanien im Viertelfinale zu besiegen.

Besonderer Erwähnung bedarf an dieser Stelle auch der Auftritt der Gastgeberinnen. Trinidad und Tobago hatte sich intensiv auf das Turnier im eigenen Land vorbereitet und bot eine sehr beachtliche Leistung für ein Land, das keine stabile Tradition im Frauenfussball vorzuweisen hat. Nach dem spektakulären Auftaktsieg gegen Chile war das ohnehin schon begeisterte lokale Publikum noch motivierter und feuerte die Soca Princesses bedingungslos an. Die typischen Steel Pans und Trommeln erfüllten die Stadien mit karibischen Rhythmen.

Teilnehmer
Deutschland, Brasilien, Kanada, Chile, Spanien, Ghana, Japan, Mexiko, Nigeria, Neuseeland, Korea Republik, Republik Irland, Korea DVR, Südafrika, Trinidad und Tobago sowie Venezuela.

Austragungsorte
Scarborough, Port of Spain, Arima, Couva und Marabella

Platzierungen
1. Korea Republik
2. Japan
3. Spanien
4. Korea DVR

Herausragende Spielerinnen
Yeo Min Ji (KOR), Kumi Yokoyama (JPN), Dolores Gallardo (ESP), Kim Kum Jong (PRK), Amanda Sampedro (ESP), Lena Petermann (GER), Hikaru Naomoto (JPN), Ngozi Okobi (NGA), Thais (BRA), Haruna Kawashima (JPN) und Kim Areum (KOR).

Fair-Play-Preis
Deutschland

Tore insgesamt
125 ( durchschnittlich 3,9 pro Spiel)

Beste Torjägerinnen
1. Yeo Min Ji (KOR ), 8 Tore
2. Kyra Malinowski (GER), 7 Tore
3. Kumi Yokoyama (JPN), 6 Tore

Zuschauerzahl
146.156 (Gesamtzahl)
4.567 (Durchschnitt pro Spiel)