Als inzwischen 30-Jähriger steht Italiens Mannschaftskapitän Roberto Pasquali bei seiner dritten WM-Teilnahme unmittelbar vor dem schönsten Augenblick seiner Karriere. Nach dem Einzug ins Finale von Marseille 2008, in dem seine Mannschaft nun auf Brasilien trifft, stand dem Azzurri zu Beginn dieses Gesprächs mit FIFA.com die Freude förmlich ins Gesicht geschrieben. Eine mehr als verständliche Freude, zumal es erst ein paar Minuten her war, dass sein Team die Halbfinalpartie gegen Spanien im Neunmeterschießen (4:4; 1:0 n.N.) gewonnen hatte.
"Wir haben heute ein tolles Spiel gemacht. Es war noch besser als die beiden vorangegangenen Partien. Diesen Sieg haben wir uns echt verdient. Und es ist ein gutes Gefühl, wenn man spürt, dass es von Spiel zu Spiel besser läuft."
Pasquali, dem zweifellos der größte Anteil an diesem grandiosen Erfolg gebührt, hatte seiner Mannschaft zunächst den Ausgleich zum 3:3 beschert und dann eineinhalb Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit dank seines zweiten Treffers, den er direkt vom imaginären Anstoßpunkt aus erzielte, erneut für den Ausgleich gesorgt.
"Ehrlich gesagt habe ich, als Amarelle zum 4:3 für Spanien einschoss, tatsächlich geglaubt, dass die Partie damit entschieden wäre. Ich hatte mich schon damit abgefunden und wollte eigentlich gar nicht mehr reagieren. Doch dann habe ich mich doch noch einmal aufgerafft, und plötzlich wurde mir klar, dass dies unsere absolut letzte Chance sein könnte, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen durfte."
Wenn man sich einmal die außerordentlich günstige Infrastruktur vor Augen führt, über die Italiens Beach Soccer bereits seit dem Jahr 2004 verfügt, dann scheint der jetzige Finaleinzug der Italiener gar nicht mehr so überraschend. Jedes Jahr zwischen Juni und August geben sich die besten Beach-Soccer-Spieler der Welt ein Stelldichein in Italien, um dort am weltweit einzigen Turnier für Profiteams teilzunehmen.
"Bei einem solchen Turnier zu spielen ist ein Geschenk des Himmels", so der Stürmer von AS Terranova Terracina, dem Klub seiner Heimatstadt. "Dadurch haben wir die Möglichkeit, wesentlich schneller voranzukommen als manch andere. Dass wir jetzt in diesem Finale stehen, ist der Lohn für eine jahrelange und geduldige Aufbauarbeit, in deren Verlauf wir natürlich auch Lehrgeld zahlen mussten."
Kein Wunder also, dass Pasquali damit der mit Abstand glücklichste aller bisherigen Mannschaftskapitäne des italienischen Beach-Soccer-Nationalteams sein dürfte. "Bis zu dieser WM waren wir noch nie über die Vorrunde des Turniers hinausgekommen. Allein deshalb kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass diese Mannschaft das Beste verkörpert, was der italienische Beach Soccer je zu bieten hatte. Ich für meinen Teil kann versichern, dass ich bislang noch nie in einem solch starken Team gespielt habe. Wir haben keine überragenden Individualisten oder gar einen Überflieger in unseren Reihen. Dafür opfern sich alle Spieler ausnahmslos für die Mannschaft auf. Jeder setzt sich mit seiner ganzen Kraft für seine Mitspieler ein. Diese Haltung gefällt mir."
Eine solche Einstellung wird den Italienern in der heutigen Partie gegen die Brasilianer, die sich die WM-Trophäe bereits bei den beiden vorangegangenen Turnierauflagen geholt hatten, sicher von Nutzen sein.
"Auch wenn Brasilien als klarer Favorit in dieses Spiel geht, ein Finale ist immer auch mit einem gewissen Druck verbunden. Wer einmal das Finale erreicht hat, will es natürlich auch gewinnen. Sicher, die Brasilianer sind nach wie vor ein Weltklasse-Team, dennoch haben hier schon mehrere Mannschaften demonstriert, dass man sie auch ernsthaft in Bedrängnis bringen kann. Und ich bin sicher, dass auch wir dazu in der Lage sein können. Also dürfen wir auch vom WM-Titel träumen, oder?"



