Russland und seine Torhüter, das ist eine besondere Geschichte. In den zwei beliebtesten Sportarten des Landes hat Russland jeweils einen der wohl besten Schlussmänner aller Zeiten hervorgebracht: Vladislav Tretiak wurde zum Torhüter des Jahrhundert-Teams der Internationalen Eishockey-Föderation und Lev Yashin zum Torhüter der Fussball-Weltauswahl des 20. Jahrhunderts der FIFA gewählt.
Beach Soccer gehört zu den am schnellsten wachsenden Sportarten in Russland, und auch wenn es etwas voreilig ist, in einem so jungen Sport von einem besten Torhüter aller Zeiten zu sprechen, führt jedes Gespräch über die aktuell herausragenden Akteure zu einem Namen: Andrey Bukhlitskiy.
In Europa war er jedem seiner Torwartkollegen in der vergangenen Saison haushoch überlegen. Bukhlitskiy war auch der Garant dafür, dass die Mannschaft von Nikolai Pisarev in der Gruppenphase der WM in Rio de Janeiro 2007 die wenigsten Gegentore aller Teams kassierte. Und das, obwohl Russland in zwei der drei Partien gegen die späteren Finalisten Brasilien und Mexiko spielen musste.
Offensichtlich hat Bukhlitskiy sich seine herausragende Form auch für die vierte Auflage der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft bewahrt. Nur bei der 3:5-Auftaktniederlage gegen Argentinien musste der 26-Jährige hinter sich greifen, für die folgenden Gegner Kamerun und Vereinigte Arabische Emirate war er unüberwindlich. Zwei Mal in Folge hielt er seinen Kasten sauber - erst das dritte und vierte Mal in der gesamten Geschichte des Wettbewerbs - und trug somit wesentlich zur Qualifikation seines Landes für das Viertelfinale bei.
Nach Ansicht von Bukhlitskiy gibt es für das Geheimnis hinter der Tradition herausragender Torhütern in Russland eine einfache Antwort: "In Russland geht es zunächst immer darum, das gegnerische Team am Toreschießen zu hindern", erklärt er. "Das ist unser erstes Ziel. Erst dann konzentrieren wir uns darauf, selbst zu treffen. Deshalb haben wir so viele gute Torhüter, im Fussball, im Eishockey, im Beach Soccer - alle folgen derselben Denkweise."
Herausforderung Brasilien
Als nächstes treffen die Russen auf Brasilien, das zum dritten Mal in Folge den Weltmeistertitel gewinnen möchte, seit unglaublichen 70 Spielen ungeschlagen ist, und sich dennoch Sorgen darüber macht, wie Bukhlitskiy überwunden werden könnte. "Ich habe vor ihm den größten Respekt", sagte Mao, sein Gegenüber im Tor der Seleção. "Er verfügt über alle Qualitäten, die ein Torhüter braucht.
Er gilt als der Beste der Welt. Als wir vergangenes Jahr gegen Russland spielten, war er beinahe unüberwindbar. Die Begegnung endete 2:2, bevor wir uns im Neunmeterschießen durchsetzten, und am Donnerstag wird er es uns sehr schwer machen, das Spiel zu gewinnen."
Bukhlitskiy kann sich über den Beifall, den er persönlich nach seinem Auftritt in jenem großen Duell in Rio de Janeiro 2007 erhielt, nicht übermäßig freuen. Zu sehr schmerzte das Ergebnis, das zu Russlands Ausscheiden führte. "Gut zu spielen ist nur dann befriedigend, wenn wir auch gewinnen", sagt er achselzuckend. "Wir haben verloren. Und das ist alles, was bleibt."
Auch im Auftaktspiel in Marseille 2008 setzte es zunächst eine Niederlage. "Wir haben unser erstes Spiel vergeigt. Das bedeutete, dass wir die nächsten zwei Partien unbedingt gewinnen mussten, das haben wir getan", so Bukhlitskiy weiter. "Wir sind sehr glücklich, aber nun steht uns ein äußerst wichtiges Spiel bevor. Wir müssen Brasilien einfach schlagen, wenn wir unseren Traum vom Weltmeistertitel am Leben erhalten wollen."
Sollte es Bukhlitskiy gelingen, auch zur Erfüllung dieses Traums einen Beitrag zu leisten, wäre ihm eine herausragende Position in der zukünftigen Ruhmeshalle der Beach-Soccer-Torhüter wohl nicht mehr zu nehmen.




