Kaum, dass die erste FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft
beendet ist, spricht man bereits von der nächsten, zumal diese
Erstauflage ein voller Erfolg war. Da die besten Teams der Welt
vertreten waren, war Rio de Janeiro Schauplatz begeisternder und
Spiele mit oft denkbar knappem Ausgang.
Da waren die Franzosen, die sich von Spiel zu Spiel
steigerten. Dann die Japaner, die eine erfrischende Vorstellung
boten, und natürlich die begeisternden Brasilianer, für die das
WM-Turnier allerdings erst einmal das Ende ihrer bisherigen
Vorherrschaft brachte. FIFA.com lässt die sonnenreiche Woche am
Strand der Copacabana noch einmal für Sie Revue passieren.
Die Temperaturen schwankten zwischen 30 Grad am Vormittag und "nur" 23 Grad am Abend. Obwohl in Brasilien derzeit Herbst ist, herrschte während dieses Turniers tropische Hitze. Der als "Bola 7" bekannte und berühmte Fan der Auriverde hatte nicht umsonst seinen großen Sombrero-Hut aufgesetzt, als er bei den Vormittagsspielen die Gesänge des heißblütigen Anhangs von Rio dirigierte.
Vor einer einzigartigen Kulisse von 8.000 begeisterten Zuschauern, die bei jeder gelungenen Aktion von den Sitzen sprangen, bot uns die erste FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft ein mitreißendes Spektakel. Da es im Sport aber auch immer Sieger und Verlierer geben muss, waren Frust und Trauer einerseits sowie Freude und Ausgelassenheit andererseits meist dicht beisammen. Seinen dramatischen Höhepunkt fand dies am Ende der Finalbegegnung. Man wird sicher noch lange Zeit das Gesicht des Portugiesen Madjer in Erinnerung behalten, dessen Tränen sich mit Sand vermischt hatten, als er das Podest für den Zweitplatzierten bestieg. Ganz anders bei den Franzosen, die sich ausgelassen als Weltmeister feierten und feiern ließen.
Frankreich erfüllte alle Erwartungen
Im September 2004 war das Team von Eric Cantona nach einem
sensationellen Finale gegen Portugal Europameister geworden. Nur
acht Monate später konnten die Franzosen erneut gegen Portugal
gewinnen und sich damit die Weltmeister-Krone sichern. Aber neben
ihrer hervorragenden Leistung im Finale dieser FIFA
Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Rio de Janeiro 2005 war es vor allem
der Auftritt der Bleus während des gesamten Wettkampfes, der die
Anerkennung sowohl der Fachwelt als auch der Zuschauer fand. Mit
ihrer Kombination zwischen einer beeindruckenden Stärke in der
Abwehr und einem ausgeprägten Talent für die Offensive waren die
Franzosen zweifellos das beste und harmonischste Team des Turniers.
"Wir haben in den vergangenen Monaten drei Mal gegen
Frankreich gespielt. Dabei wurden die Franzosen von Mal zu Mal
besser", gestand uns Índio, der Trainer der Brasilianer.
"Cantona leistet eine hervorragende Arbeit im Umgang mit
seinen Spielern."
Besonders hervorzuheben sind die Superparaden des französischen Keepers Jean-Marie Aubry, die Aktionen der Abwehrspieler Thierry Ottavy und Jean-Marc Edouard sowie von Noël Sciortino und vor allem von Anthony Mendy im Angriff. Der als drittbester Torschütze mit dem Bronzenen Schuh von adidas ausgezeichnete Angreifer hatte großen Anteil am Erfolg seiner Mannschaft. "Es war das zweite Mal, dass ich in Rio war, und diesmal reise ich mit zwei Titeln im Gepäck wieder ab. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt", so Mendy nach dem Finalsieg seines Teams. Seine Leistung ist umso höher zu bewerten, wenn man bedenkt, dass Mendy mit seinen 22 Jahren die künftige Generation des französischen Beach Soccer verkörpert.
Japan - das Überraschungsteam
Was die Zukunft dieser Sportart im Allgemeinen betrifft, so
wird Japan mit Sicherheit eine gewichtige Rolle spielen. Wer darauf
gewettet hatte, dass Japan am Ende Vierter würde, hat damit sicher
viel Geld gewonnen. Zu Beginn des Turniers zählte man die
Schützlinge des brasilianischen Trainers Rui Ramos noch zu den
vermeintlich "Kleinen", so dass sie auf einer Ebene mit
Thailand, Südafrika und Australien standen. Im Verlauf dieser Woche
spielten sich die aufopferungsvoll kämpfenden und entschlossen zu
Werke gehenden Japaner jedoch in die Herzen der Zuschauer. Selbst
als sie sich vor Erschöpfung kaum noch auf den Beinen halten
konnten, gaben die japanischen Spieler nicht kampflos auf.
"Ich muss zugeben, dass dieser vierte Platz selbst für mich eine Überraschung ist", so der Kommentar der legendären Trainerfigur Rui Ramos. "Allerdings rackere ich mich in Japan schon seit Jahren dafür ab, Beach Soccer salonfähig zu machen. Ich hoffe, dass uns dieser Erfolg mehr Aufmerksamkeit seitens der Medien und des Verbandes bringen wird. Wenn wir weiter vorankommen wollen, brauchen wir entsprechende Maßnahmen im infrastrukturellen Bereich. Dann bin ich mir sicher, dass wir im nächsten Jahr noch stärker werden. Wir freuen uns schon jetzt auf das Wiedersehen mit Spielern wie Makino in der japanischen Abwehr oder dem Stürmer Kawaharazuka. Beide gelten als Entdeckungen dieser FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft 2005.
Madjer - der Beste unter den Besten
Und es sind dies nicht die einzigen Spieler, deren Namen man
sich merken sollte. Neben Madjer, dem besten Spieler und
erfolgreichsten Torschützen dieses Turniers (mit 12 Treffern
egalisierte er seinen Rekord von der vorherigen
Beach-Soccer-Weltmeisterschaft), behauptete mit Alan ein weiterer
Portugiese einen Platz unter den besten Spielern der Welt. Mit
seinem genialen Zuspiel und seinen knallharten Freistößen trug der
kleine Angreifer wesentlich zu dem herausragenden Erfolg der
Portugiesen bei. Aus der Abwehr heraus versorgten Marinho und
Hernani den Angriff um Zé Miguel mit zielgenauen Zuspielen.
Gleiches gilt für die Brasilianer Junior Negão und Buru, die
ihrerseits den Vollstreckern Neném, Benjamin und Jorginho die
Vorlagen lieferten, dass es eine reine Freude war.
Etwas mehr von einer derartigen Freude hätten zweifellos auch die Spanier gern gehabt. Sie, die nur zwei Tage vor Beginn dieser FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft noch die Europa-Qualifikation spielen mussten, offenbarten schon kurz nach dem Auftakt die ersten Ermüdungserscheinungen. Im Angriff sorgte Ausnahmespieler Amarelle jedoch erneut für einige artistische Einlagen, die manchen Kunstturner neidisch machen würden. Auf der anderen Seite wirbelten die weniger bekannten Ukrainer die Abwehr von Südafrika und Uruguay gehörig durcheinander. Während der Linksfuß Pylypenko irgendwie stets das gegnerische Tor fand, erwies sich Varenytsya als zentraler Anspielpunkt, von dem viele erfolgreiche Durchbrüche ausgingen. Beide gelten als die Hoffnungsträger des ukrainischen Beach Soccer, von dem künftig noch zu hören sein wird.
Hart umkämpfte Partien
Auch wenn Brasilien nach wie vor das weltweit spektakulärste
Beach Soccer bietet, so ist es nicht mehr das einzige Team, das in
der Lage ist, jede Mannschaft zu schlagen. Außer Frankreich und
Portugal, die am Ende ihre Favoritenstellung bestätigen konnten,
sorgte insbesondere Japan für die Überraschung des Turniers und
konnte sich einen Platz unter den weltbesten Beach-Soccer-Teams
erobern. Die Ukraine hatte sich die Teilnahme an diesem Turnier
durch ihren hervorragenden dritten Rang bei der Europameisterschaft
2004 verdient. Und das Team von Trainer Victor Moroz enttäuschte
nicht. Die konditionell starken Ukrainer mussten sich im
Viertelfinale keinem Geringeren als dem späteren Finalisten
Portugal beugen. Zuvor aber hatten sie dem Weltmeister von 2001 ein
Remis abgetrotzt.
All das lässt auf eine wunderbare zweite Auflage der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft hoffen. Neben Titelverteidiger Frankreich werden Portugal und Brasilien auf Revanche brennen, und die Japaner werden ihren Erfolg sicher wiederholen wollen. Andererseits werden Uruguay, die Ukraine und Spanien den Beweis erbringen wollen, dass sie Besseres verdienen. Damit scheint es im nächsten Jahr, wenn es an der Copacabana erneut um die Weltmeister-Krone geht, noch enger zu werden. Man kann es kaum erwarten!
Teilnehmende Mannschaften:
Brasilien, Spanien, Thailand, Portugal, USA, Japan, Uruguay,
Ukraine, Südafrika, Frankreich, Argentinien, Australien.
Abschließende Platzierung:
- Frankreich
- Portugal
- Brasilien
- Japan
- Uruguay
- Ukraine
- Spanien
- Argentinien
- Australien
- USA
- Thailand
- Südafrika
Tore (gesamt):
164 (durchschn. 8,2 Treffer pro Spiel)
Beste Torschützen:
- Madjer (POR)12 Treffer
- Nenem (BRA)9 Treffer
- Mendy (FRA)8 Treffer
