Portugals Nummer 7, der "magische Madjer", wurde bei der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Rio de Janeiro 2005 mit dem Goldenen Schuh und dem Goldenen Ball ausgezeichnet. Das Team aus Japan kann sich über den FIFA Fairplay-Preis freuen.
Nach der dramatischen Entscheidung im Finale durch Neunmeterschießen und der Vergabe der Medaillen an die drei besten Mannschaften folgte die Ehrung der besten Einzelspieler durch die FIFA.
Dabei war ein Spieler der unumstrittene Superstar: Madjer wurde als bester Spieler des Turniers mit dem begehrten Goldenen Ball ausgezeichnet und konnte sich außerdem über den Goldenen Schuh von adidas freuen, den er sich als bester Torschütze des Turniers mit 12 Treffern redlich verdient hatte. Die Überraschungsmannschaft aus Japan wurde mit dem FIFA Fairplay-Preis ausgezeichnet.
Goldener, Silberner und Bronzener Ball für die besten Spieler des Turniers
Goldener Ball: Madjer (POR)
Silberner Ball: Nenem (BRA)
Bronzener Ball: Amarelle (ESP)
Das Neunmeterschießen im Finale konnte Madjer nicht mit eigenen Augen verfolgen; er kehrte dem Geschehen den Rücken zu und wartete die Reaktion des Publikums ab. Als ihm nach Alans Fehlschuss klar wurde, dass der Titelkampf verloren war, ließ er sich auf seine Knie sinken und presste die Stirn in den Sand. Nach den Leistungen Madjers in der vergangenen Woche, in der er sich als überragendes Talent des Turniers präsentierte, war dieses Ende tatsächlich eine große Enttäuschung.
"Ich hätte lieber mit der Mannschaft den ersten Preis gewonnen, aber ich möchte diese Auszeichnung trotzdem meiner Familie, meinen Teamkameraden und meinem Trainer widmen", sagte der erschöpfte Ausnahmespieler nach dem Finale.
Im packenden Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien hatte er vier Tore erzielt und den spielentscheidenden Neunmeter verwandelt. Madjer präsentierte sich als effektivster Spieler einer ganzen Generation und sein Auftritt wird allen unvergesslich bleiben, die dabei waren. Lang und drahtig ist er, und so kann seine unglaubliche Schussstärke nicht durch Kraft, sondern nur durch Timing erklärt werden. Er stellt die gegnerischen Verteidiger nicht selten vor unlösbare Probleme, denn mit seinem linken Fuß kann er Schüsse aus dem eigenen Strafraum heraus unglaublich präzise und kraftvoll genau ins Toreck setzen, wie er es in Rio mehr als einmal zeigte. Die portugiesische Mannschaft war sehr stark, doch immer wenn Madjer sich eine Pause gönnte, fehlte es dem Team an kollektiver Kreativität - was man durchaus als Beweis von Madjers außergewöhnlicher Stellung sehen kann.
Der Silberne Ball ging an Nenem, den kleinen Brasilianer mit dem riesigen Repertoire an Tricks. Publikumsliebling Jorginho war bei diesem Turnier nicht der herausragende Star, und so konnte der listige Spieler mit der Nummer 7 oft mit seinen pfeilschnellen Läufen und seinen fantastischen Tricks glänzen.
Die spanische Mannschaft mit Amarelle in ihren Reihen schied zwar schon im Viertelfinale aus, doch bis dahin hatte der Kapitän der Iberer bereits einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen. Amarelle ist vielleicht der einzige Spieler, der einen ähnlich starken linken Fuß hat wie Portugals Madjer. Die Zuschauer in Rio konnten sich jedenfalls über eine "Extraportion" von Amarelle freuen, denn die Spanier sicherten sich in Rio erst in den Tagen unmittelbar vor Beginn des eigentlichen Turniers durch zwei Siege den letzten freien Qualifikationsplatz.
Goldener, Silberner und Bronzener Schuh für die besten Torschützen des Turniers
Goldener Schuh: Madjer (POR) - 12 Tore
Silberner Schuh: Nenem (BRA) - 9 Tore
Bronzener Schuh: Mendy (FRA) - 8 Tore
Der beste Spieler erzielte auch die meisten Tore. Madjer wurde während des Turniers immer torgefährlicher - bis es im letzten Spiel gegen Frankreich ging. Beim standesgemäßen Auftaktsieg gegen Japan war er zwei Mal erfolgreich, ebenso wie beim Sieg gegen die USA, mit dem der Gruppensieg erreicht wurde. Mit einem Hattrick gegen die starke Mannschaft der Ukraine katapultierte Madjer seine Portugiesen dann ist Halbfinale, wo er gegen die Gastgeber geradezu sensationell spielte. Ganze vier Treffer gingen auf das Konto Madjers, der mit seinem Volleyschuss unmittelbar vom Wiederanstoß sein Team nochmal auf 4:5 heranbrachte, nachdem es schon so ausgesehen hatte, als würden die Brasilianer uneinholbar davon ziehen. Um seiner Leistung an jenem Tag die Krone aufzusetzen, verwandelte er den entscheidenden Neunmeter. Im Finale erzielte der ähnlich schlaksige Franzose Mendy zwar mehr Tore, doch da hatte Madjer den Goldenen Ball bereits sicher.
Während sich nahezu alle Welt vornehmlich auf Romario und Jorginho konzentrierte, war es letztlich der kleine Nenem, der in der Seleção am stärksten beeindruckte, wobei die fantastischen Leistungen von Buru insbesondere in den letzten beiden Spielen nicht unerwähnt bleiben dürfen. Nenem entpuppte sich als Brasiliens effektiver Angreifer, vergleichbar wohl am ehesten mit dem unvergessenen Garrincha. Wenn ein Spieler trotz ständiger Rotation neun Tore erzielt, darf man das mit Fug und Recht als erfolgreich bezeichnen, doch letztlich konnte kein Brasilianer mit dem dritten Platz zufrieden sein. Im Team des neuen Weltmeisters bestach insbesondere Mendy, der zwar nicht eben der eleganteste, dafür aber einer der effektivsten Akteure des Turniers war. Er brachte es auf acht Tore, drei davon im Finale. Viele dieser wichtigen Treffer erzielte er in typischer Manier aus kurzer Distanz.
FIFA Fairplay-Preis - Japan
Die Mannschaft von Rui Ramos spielte sich beim Turnier in die Herzen der Fans. Die Japaner gaben sich einfach nie geschlagen - und drehten mit dieser Einstellung das Spiel gegen Uruguay, als sie nach einem 0:3-Rückstand fünf Minuten vor Spielende letztlich als 4:3-Sieger vom Feld gingen. Die brasilianischen Zuschauer sangen immer wieder begeistert den Namen von Torhüter und Kapitän Kato und während der aus Brasilien stammende Trainer Interviews auf Japanisch gab, stand neben ihm im Trikot mit der Nummer 10 der starke Kawaharazuka und beantwortete Fragen auf Portugiesisch. Beeindruckender und sympathischer hätte sich der brasilianisch-japanische Schmelztiegel nicht präsentieren können.
In jedem ihrer Spiele zeigten die Japaner vorbildliche Fairness und einen hervorragenden Teamgeist. Daher wurden sie verdientermaßen mit dem FIFA Fairplay-Preis ausgezeichnet, den das Publikum der Mannschaft von Herzen gönnte.
"Ich bin sehr glücklich, dass wir diese Auszeichnung erhalten haben. So etwas und unsere hier gezeigten Leistungen brauchen wir, um den Beach Soccer in Japan weiter bringen zu können. Wir sind selbst überrascht über unsere guten Ergebnisse, denn unsere Vorbereitung war kräftezehrend. Aber wir haben in jedem Spiel einfach alles gegeben. Darauf können wir aufbauen."
Madjer räumt bei Preisverleihung ab
(FIFA.com) Dienstag 17. Mai 2005