Zu Beginn der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft hatte Eric Cantona schon verraten, dass er mit dem Pokal im Koffer nach Frankreich zurückkehren wollte. Nach einer Woche unter brasilianischer Sonne hat er seinen Worten nun Taten folgen lassen. Unweit der Auswechselbank, von der er vor kurzem noch wie wild aufgesprungen ist, blickt der Spieltrainer der Franzosen noch einmal zurück auf den sensationellen Titelgewinn und das nicht minder sensationelle Turnier.
Eric Cantona, vergangene Woche haben Sie erklärt, nach Rio gekommen zu sein, um die FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Jetzt müssten Sie doch eigentlich sehr glücklich sein...
Ich glaube wirklich, wir haben die ganze Woche über bewiesen, dass wir diesen Titel verdienen. Aber manchmal verdient eine Mannschaft den Titel und gewinnt ihn dennoch nicht. Ich bin daher rundherum zufrieden. Wir mussten richtig arbeiten und richtig kämpfen. Aber wir haben immer gewusst, dass wir nicht im Schongang Weltmeister werden würden. Wir haben versucht, uns mit jedem Spiel zu steigern. Wir arbeiten jetzt schon seit Jahren zusammen, und nun sind wir belohnt worden. Im vergangenen September haben wir die Europameisterschaft geholt, jetzt den Weltmeistertitel... es war ein sensationelles Jahr für den französischen Beach Soccer. Aber das Schwerste kommt jetzt erst: Wir müssen das Geleistete bestätigen und uns noch weiter steigern. Es ist schwierig, mehr zu erreichen, als den Weltmeistertitel, aber wir müssen uns dieses Ziel stecken. Die Spieler haben wir jedenfalls dafür. Ich bin jederzeit bereit, die Jungs auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen, sollte einer in seinen Leistungen nachlassen. Aber ich habe Vertrauen in meine Mannschaft, das sind außergewöhnliche Typen.
Wie haben Sie dieses doch etwas verrückte Finale erlebt?
Mir wird vor allem in Erinnerung bleiben, dass wir gewonnen haben. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, wie schwer es gewesen ist, und müssen daraus unsere Lehren ziehen. Wenn man zwei Minuten vor Schluss zwei Tore Vorsprung hat, dann muss man das Ding nach Hause schaukeln. Klar darf man mal ein Gegentor kassieren. Aber wenn man acht Sekunden vor Schluss eine Kontersituation mit zwei gegen einen hat, muss man meiner Meinung nach den Ball halten. Aber so sind meine Jungs eben: Total verspielt. Wir mussten die Konsequenzen dieser Szene tragen. Aus dieser Erfahrung müssen wir nun unsere Lehren ziehen. Das habe ich meinen Spielern bereits gesagt, und das werde ich auch weiterhin tun. Ein Weltmeisterschaftsfinale durch solch einen Fehler zu verlieren, das wäre ganz übel gewesen.
Wenn Sie von diesem Endspiel nur ein Bild im Gedächtnis behalten dürften - welches wäre das?
Da gab es so viele … Schwer, da eine Wahl zu treffen. Die Minuten kamen mir heute wie Stunden vor. Für mein Herz und meine Nerven war das eine echte Zerreißprobe (lacht) Auf Sand kann man sich nie sicher sein. Ein ganz harmlos aussehender Schuss kann im letzten Moment noch die Richtung ändern. Einmal haben wir die Europameisterschaft durch so ein Ding verloren. Ich stand also bis zum Schluss unter Hochspannung und kann wirklich keinen Augenblick herauspicken, an den ich mich lieber erinnern würde, als an einen anderen.
In der Regel steigert sich der Gewinner eines Turniers erst im Verlauf des Wettbewerbs. Ihre Mannschaft hingegen scheint von Anfang an voll da gewesen zu sein. Wie erklären Sie sich das?
Das hat viel mit unserem Sieg bei der Europameisterschaft zu tun. Wir kannten alle Teilnehmer dieser Weltmeisterschaft sehr gut und wir wussten um unsere Chance. Wir wussten also, dass wir den ganz großen Wurf landen konnten, wenn wir nur dafür arbeiten. Was die einzelnen Spiele angeht, so ist es uns in der Tat gelungen, sie alle sehr gut anzugehen. Wir haben so gespielt, wie man spielen muss: Nicht so viel Energie darauf verschwendet, dem Ball hinterher zu laufen, das Ergebnis zu verbessern oder sich aufzuregen. Wenn die Portugiesen heute in Führung gegangen wären, dann hätte ihnen das nach dem schweren Spiel gegen Brasilien mental enormen Auftrieb gegeben. Deshalb habe ich meinen Spielern wie vor jedem Spiel gesagt: Geht in Führung! Und wenn man mal unsere Spiele Revue passieren lässt, sind wir tatsächlich immer in Führung gegangen. Das freut mich dann doch enorm.
Sprechen wir mal über das Turnier als solches. Was wird Ihnen in Erinnerung bleiben?
Dass ich ein paar wirklich außergewöhnliche Spiele erlebt habe. Alle Mannschaften waren sehr ehrgeizig, das konnte man sehen. Das Spiel hat sich enorm entwickelt, die Unterschiede sind kleiner geworden. Jeder setzt sich mehr unter Druck, die Rivalität unter den Mannschaften ist größer. Ich halte das für eine gute Sache. Denn wenn diese Rivalität im Rahmen des fairen sportlichen Wettbewerbs bleibt, werden dadurch alle Mannschaften besser. Die Zusammenarbeit zwischen FIFA und BSWW war hervorragend. Heraus gekommen ist dabei eine extrem gut organisierte Weltmeisterschaft. Wir werden gemeinsam weiter daran arbeiten, dass diese Sportart voran kommt.
Die französische Mannschaft bestach vor allem als Kollektiv, weniger durch die überragenden Individualisten. Aber im Sturm konnten Sie sich vor allem auf einen exzellenten Anthony Mendy verlassen. Ein besonderes Wort an seine Adresse?
Er hat mich in jeder Hinsicht beeindruckt, und das über das gesamte Turnier hinweg. Er hat nicht nur vorne herausragend gespielt, er hat auch viel und gut verteidigt. Er ist vielleicht kein Amarelle und kein Madjer, aber er ist ein kompletter Spieler. Er ist ebenso wichtig wie diese Beiden. Darüber hinaus ist er noch sehr jung und hat noch viel Entwicklungsspielraum. Er wird noch viel besser, da bin ich mir sicher.
Was werden die Folgen Ihres Titelgewinns sein?
Wenn ich mir ansehe, was wir so geleistet haben, komme ich nicht umhin zu denken, dass unser Sieg heute für den ganzen Beach Soccer hervorragend ist. In Frankreich wird diese Sportart zwar schon anerkannt, aber eine bessere Werbung gibt es ja praktisch nicht. Außerdem denke ich, dass unser Titel in der ganzen Welt ein Echo auslösen wird. Dass nach Portugal mal wieder eine andere Mannschaft als Brasilien die Weltmeisterschaft gewonnen hat, ist eine gute Nachricht. Auch das macht mich sehr zufrieden.
Eric Cantona: "Der Sieg ist verdient!"
(FIFA.com) Montag 16. Mai 2005