Wenn der Ball bei der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft 2005 rollt, wird das brasilianische Team im Mittelpunkt des Interesses stehen. Kein Wunder: eine Mannschaft, die von den bisherigen zehn Weltmeisterschaften neun gewonnen hat, geht natürlich als hoher Favorit ins Rennen.

Für Brasilien werden indes nicht nur die Stars des Strandfussballs auflaufen, sondern auch einer der größten Stürmer aller Zeiten. Schon 1994 nach dem FIFA Weltpokal™ in den USA und dem vierten Titelgewinn Brasiliens würdigte die FIFA Romario als einen der besten Fussballer der Welt.

In seiner Karriere, die 1985 begann und nunmehr 20 Jahre andauert, hat Romario sage und schreibe 915 Tore erzielt (Stand 20. April 2005). Er war bei nahezu jedem Klub, für den er gespielt hat, Torschützenkönig und gewann Meistertitel am laufenden Band, doch jetzt ist Romario heiß auf einen weiteren Titel: im Sand der Copacabana will er die FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft gewinnen und damit ein Trauma besiegen, dass die Brasilianer mit der legendären Endspielniederlage bei der WM 1950 im eigenen Land gegen Uruguay erlitten.

"Die letzte FIFA-Weltmeisterschaft in Brasilien fand 1950 statt - und damals hat Uruguay uns die Party ja mächtig verdorben. Dieses Mal ist die Zeit gekommen, dass Brasilien feiern kann. Meine Generation kennt die Geschichte ja nur vom Hörensagen, aber wir können uns gut vorstellen, wie bitter diese Niederlage damals war. Jetzt ist es an der Zeit, diese schmerzvolle Erinnerung zu überwinden. Ich bin sehr stolz darauf, zu dieser Gruppe zu gehören, die ein neues Kapitel in der Geschichte schreiben kann", so Romario gegenüber FIFA.com.

"Schon viele haben für sich in Anspruch genommen, der 'König von Rio' zu sein. Ich lege keinen Wert auf diese Bezeichnung. Ich würde eher sagen, ich bin das 'Gesicht von Rio'. Die meisten Leute denken, dass ich nur auf dem Fussballplatz groß geworden bin, aber das stimmt nicht. Der Strand war auch sehr wichtig, denn ich habe neben Fussball auch Fussballtennis gespielt. Ich fühle mich im Sand wie zu Hause ", so Romario.

Über seine Berufung für die FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft freut sich der Ausnahmespieler ganz besonders. Er weiß natürlich, dass seine Fussballerlaufbahn sich dem Ende zu neigt. Beach Soccer eröffnet ihm nun die Möglichkeit, noch drei oder sogar fünf Jahre weiter zu machen und Tore zu schießen.

"Ich werde meine Fussballkarriere bald beenden, wahrscheinlich zum Ende des Jahres. Im Beach Soccer kann ich aber noch weiter machen und das tun, was mir am meisten Spaß macht, nämlich spielen. Und was das Wichtigste ist: es wird auf Wettbewerbsniveau sein, und es wird um Titel gehen. Das macht die ganze Sache viel interessanter und auch gesünder", betont er.

Der erfolgreichste brasilianische Torschütze nach Pelé
Romario weiß, dass viele Fans extra in die Arena an der Copacabana kommen werden, um ihn zu sehen. Der Fussballkünstler hat eine riesige Fangemeinde. Sieben Mal erkämpfte er sich die Torjägerkrone in der Meisterschaft der Region Rio de Janeiro, nämlich drei Mal mit Vasco und vier Mal mit Flamengo. Diese beiden Vereine sind die Klubs in Rio de Janeiro mit den meisten Anhängern.
 
"Ich muss zugeben, dass ich nicht damit gerechnet hatte, nochmals an einem FIFA-Wettbewerb teilzunehmen. Als ich erfuhr, dass ich mit diesen Beach-Soccer-Stars spielen würde, die schon neun Mal eine Weltmeisterschaft gewonnen haben, war das natürlich ein großer Motivationsschub für mich. Ich will in jedem Spiel spielen, trotz der physischen Belastung. Für mich sind 20 Minuten im Sand anstrengender als 90 Minuten auf dem normalen Fussballplatz. Aber ich werde mich entsprechend vorbereiten und außerdem meine Erfahrung in die Waagschale werfen", erläutert Romario seine Pläne.

Der in Rio geborene Stürmer macht natürlich auch schon Pläne für eine längere Karriere im Sand. Als Spieler für Vasco wird er an der brasilianischen Meisterschaft teilnehmen, doch sein vorrangiges Ziel ist zunächst der Gewinn eines weiteren Weltmeistertitels. 2007 will er am Panamerikanischen Turnier teilnehmen, das ebenfalls in Rio stattfindet.

"Ich war ein Mal bei den Olympischen Spielen und hätte es auf vier Weltmeisterschaften bringen können. Hier am Strand werde ich ein weiteres Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei sein und dann werde ich an einem Panamerikanischen Turnier teilnehmen, was ich noch nie in meiner Karriere getan habe. Das motiviert mich natürlich für meine neue Karriere zusätzlich, insbesondere wo dieser Wettbewerb in meiner Heimatstadt stattfinden wird."

Romario kennt seine brasilianischen Teamkameraden sehr gut. Mit vielen von ihnen hat er in einem Spiel zwischen São Paulo und Rio de Janeiro zusammen gespielt und er kennt sie auch aus WM-Playoffs, an denen er trotz einer Verletzung teilnahm. Wegen ihrer Erfahrung hält er Júnior Negão, Jorginho und Neném für besonders wertvoll. Benjamin könnte seiner Meinung nach ähnlich viele WM-Tore schießen, wie er selbst. Jungen Spielern wie Buru und Bruno traut die Fussballegende eine wahrlich große Zukunft zu. Freimütig gibt Romario zu, dass Brasilien als eindeutiger Favorit in das Turnier startet, aber trotzdem nicht den Fehler machen darf, die Konkurrenz zu unterschätzen.

"Diese Gruppe besteht aus den besten Spielern, die man in ganz Brasilien auswählen konnte. Alle sind hochkarätige Fussballer und das wird im Laufe des Turniers auch nötig sein. Wir wissen, dass wir als Favoriten gelten, doch Beach Soccer hat sich auch in anderen Ländern in den letzten Jahren enorm entwickelt, beispielsweise in Portugal und Spanien. Außerdem werden auch die Argentinier und die Uruguayer starke Rivalen sein. Wir müssen sehr vorsichtig sein und jedes Spiel angehen, als wäre es das Endspiel. Ich will gemeinsam mit dieser Gruppe das Erfolgserlebnis genießen, die Weltmeisterschaft zu gewinnen, und ich will, dass die brasilianischen Fussballfans diese Weltmeisterschaft im eigenen Land gemeinsam mit der Mannschaft feiern können", so Romario.