Der heutige Sonntag, an dem es in Moskau reichlich regnete, stand ganz im Zeichen der Revanche, denn sowohl die DVR Korea als auch Brasilien hatten vor den abschließenden Partien mit ihrem jeweiligen Gegner noch eine Rechnung offen. Am Ende holten die von Beginn des Turniers an überraschenden Nordkoreanerinnen nach einem klaren 5:0-Finalsieg über die VR China die begehrte WM-Trophäe. Bei der Neuauflage der Partie um Platz 3 setze sich Brasilien gegen die U.S.-Amerikanerinnen im Elfmeterschießen durch und sicherte sich so die Bronzemedaille.
Der ungewöhnlich starke Regen, der heute über Moskau niederging, sorgte zum Abschluss des Turniers für denkbar widrige Bedingungen. Daran konnte auch die ständige Beschallung mit "Beautiful day", einem Erfolgshit der Pop-Gruppe U2, nicht viel ändern. Den treuen und schier unermüdlichen Fans der Nordkoreanerinnen konnte jedoch selbst der Regen nichts anhaben, denn sie kamen bei der rein asiatischen Finalpartie der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 voll auf ihre Kosten. Zuvor hatte sich das einheimische Publikum im Spiel um den dritten Platz auf die Seite der Brasilianerinnen geschlagen.
Brasilien bricht den Bann
Neben den Fans hatten die Brasilianerinnen heute auch das Glück auf ihrer Seite. Endlich gelang es ihnen, das Gesetz der Serie zu brechen, das ihnen bislang zwei Mal in Folge Bronze versagt hatte. Doch auch dieses Mal ging es wieder äußerst knapp zu.
Die U.S.-Amerikanerinnen waren in der ersten Hälfte zwar die dominierende Mannschaft, konnten aber nur drei echte Tormöglichkeiten herausspielen. Bárbara im brasilianischen Tor erwies sich erneut als sichere und entschlossen agierende Torhüterin. Die schnellen Vorstöße von Fabiana trugen wesentlich zur Beschleunigung des Spiels bei und eröffneten den Südamerikanerinnen einige gute Möglichkeiten.
Der Regen, der sich schon in der ersten Halbzeit hemmend auf den Spielfluss ausgewirkt hatte, nahm nach der Pause noch an Intensität zu, so dass beide Teams zunehmend Mühe hatten, mit den schwierigen Platzverhältnissen zurecht zu kommen. Einziger Höhepunkt der zweiten Halbzeit, die nur wenig Unterhaltsames zu bieten hatte, war ein Elfmeter für Brasilien, den Francielle jedoch verschoss. Angesichts des schlechten Wetters neigte sich auch die allgemeine Stimmung immer mehr ihrem Tiefpunkt entgegen. Am Ende musste die Entscheidung um Bronze per Elfmeterschießen herbeigeführt werden.
Für die U.S.-Amerikanerinnen war dies nach dem Elfer-Krimi im Halbfinale gegen die VR China bereits das zweite Elfmeterduell in Folge. Und auch Brasilien trat schon zum dritten Mal in der Geschichte dieses WM-Turniers zum Elfmeterschießen an, wobei die Südamerikanerinnen dieses Mal endlich den lang ersehnten Erfolg landen konnten.
Dafür bedurfte es insgesamt acht Strafstöße, denn nachdem Renata Costa und Erika für Brasilien gescheitert waren, konnten auch Alexandra Long und Amy Rodríguez nicht verwandeln. Im achten Durchgang überwand Maurine zunächst die amerikanische Torfrau Val Henderson, danach konnte Bárbara den folgenden Elfmeter von Amanda Poach parieren. Letztere warf sich ob der vergebenen Chance verzweifelt zu Boden.
Unterdessen rannten die Brasilianerinnen jubelnd zu ihren Betreuern, um gemeinsam und auf Knien um eine brasilianische Flagge herum zu beten. Erst dann brachen sie nach Samba-Rhythmen tanzend und vom donnernden Beifall der Zuschauer begleitet in kollektiven Jubel aus.
Vom Newcomer zum Weltmeister
Die Nordkoreanerinnen waren mit dem festen Vorsatz in das heutige Finale gegangen, für die bittere Niederlage im Endspiel der U-19-Asien-Frauenfussball-Meisterschaft Revanche zu nehmen. Und die zahlreichen Fans auf den Rängen taten dazu ihr Übriges.
Die Chinesinnen, bei denen Torjägerin Ma Xiaoxu zunächst auf der Bank geblieben war, lagen schon zur Pause hoffnungslos mit 0:3 zurück. Nach einem Abwehrfehler von Yuan Fan und Weng Xinzhi kam Jo Yun Mi an das Leder, die ihre Gegenspielerin Zhang Yanru geschickt ausspielte. Der anschließende Doppelpass mit Kim Song Hui führte zum Führungstreffer für die DVR Korea. Derweil rief Ma ihren Mitspielerinnen vom Spielfeldrand, wo sie sich aufwärmte, verzweifelt Ratschläge zu, doch es half am Ende nichts.
Selbst ihre Einwechslung in der zweiten Hälfte brachte keine Wende ins Spiel. Im Gegenteil, Kim Song Hui nutzte schon bald einen Abpraller, um erneut etwas für ihr Torkonto zu tun. Damit rückte sie auf Platz 2 in der Torschützenliste vor. Doch gaben sich die Nordkoreanerinnen damit noch nicht zufrieden. Auch Kil Song Hui wollte ihren Namen auf der Anzeigetafel sehen. Nach einem Eckball tauchte sie urplötzlich vor dem chinesischen Tor auf und spitzelte den Ball an Zhang vorbei ins Netz. Ihr Treffer versetzte den Chinesinnen den endgültigen K.O. im Dauerregen.
Regengetränkte Medaillen
Regenschirme gehörten bei der Siegerehrung zur unerlässlichen Standardausrüstung, da der Regen auch bei der Abschlusszeremonie keine Pause machte. Und anstelle eines Feuerwerks zuckten Blitze am Moskauer Abendhimmel.
Ma Xiaoxu musste ihre Tränen rasch trocknen und versuchen, ein Lächeln aufzusetzen, als sie gleich zwei Mal aufs Podium gerufen wurde. Einmal um den Goldenen Ball, zum anderen um den Goldenen Schuh von adidas, also die Auszeichnungen für die Beste Spielerin sowie die erfolgreichste Torschützin des Turniers entgegen zu nehmen. Damit hatte sie doch noch Grund zur doppelten Freude. Kim Song Hui aus dem Team der DVR Korea wurde mit dem Silbernen Schuh von adidas geehrt, während der Bronzene Schuh an die deutsche Spielerin Anna Blässe ging.
Den Silbernen Ball von adidas erhielt die chinesische Torfrau Zhang Yanru, die trotz der fünf Gegentore im Finale insgesamt ein herausragendes Turnier gespielt hat. U.S.-Angreiferin Danesha Adams konnte sich über die Auszeichnung mit dem Bronzenen Ball von adidas freuen.
Nach dem Abschlussfest von Russland 2006, bei dem sich das Stadion in den blau-weiß-roten Nationalfarben des Gastgeberlandes präsentierte, steht den Nordkoreanerinnen sicher noch eine lange Nacht bevor, denn sie haben heute ein neues Kapitel im Frauenfussball geschrieben.