Die DVR Korea hat sich den Titel der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 geholt. In einem packenden Endspiel im Lokomotive-Stadion von Moskau besiegten die Koreanerinnen die VR China klar mit 5:0 (3:0). Kim Song Hui wurde mit drei Toren zum Matchwinner der Koreanerinnen.
Koreas Trainer Kwang Sok Choe war nach der Partie stolz auf seine Mannschaft. "Wir haben heute unsere Stärke gezeigt. Wir möchten uns auch bei den vielen Fans im Stadion bedanken, die uns unterstützt haben. Wir haben heute das Beste gezeigt, was wir können. Ich bin sehr froh, dass wir die Erwartungen unserer Regierung und unserer Fans zuhause erfüllt haben. Ich habe meine Spielerinnen nach dem Spiel gelobt, denn sie haben einen guten Job gemacht. Wir haben viele talentierte Spielerinnen in Korea und haben jetzt nach diesem Erfolg noch mehr Gründe, weiter solche guten Spielerinnen zu fördern."
Der Wettergott meinte es jedoch nicht gut mit den beiden Teams. Es regnete bereits den ganzen Nachmittag unnachgiebig, der Boden war aufgeweicht und von Brasilien und den USA im Spiel um Platz 3 bereits ordentlich beackert worden.
Den Chinesinnen steckte ein 120-minütiger Halbfinal-Kampf gegen die USA in den Knochen. Eine Folge dieser langen und anstrengenden Partie zeigte sich mit dem Ausfall von Ma Xiaoxu, die zunächst auf der Bank Platz nahm. Neben der Starstürmerin blieb auch Rao Hui Fang zunächst draußen. Sie wurden durch You Jia und Liu Xiaoyan ersetzt. Bei den Koreanerinnen gab es nur eine Änderung, Kim Ok Sim kam für O Kum Hui ins Spiel.
Die Koreanerinnen nahmen von Beginn an das Heft in die Hand, spielten druckvoll nach vorne und erarbeiteten sich gute Torchancen. In der 16. Minute hatte zunächst Jo Yun Mi nach einer präzisen Flanke von Kil Son Hui die Chance zur Führung für Korea, doch Torhüterin Zhang Yanru konnte den Kopfball sichern. Auf der Gegenseite landete ein Abpraller im Fünfmeterraum vor den Füßen von Zhang Wei, doch sie bekam den Ball nicht an Torhüterin Jon Myong Hui vorbei.
Trotz der widrigen äußeren Umstände entwickelte sich eine sehr gute Partie, die von den agiler wirkenden Koreanerinnen bestimmt wurde. Jo Yun Min war in der Anfangsphase die auffälligste Spielerin, die immer wieder gefährlich vor dem chinesischen Tor auftauchte. So in der 26. Minute, als sie mit einer Direktabnahme nach einem Eckball noch an Torhüterin Zhang Yanru scheiterte. Doch nur drei Minuten später war sie erfolgreicher. Zunächst nahm sie einen Steilpass auf der linken Seite auf, setzte sich bedrängt von zwei Gegenspielerinnen durch, spielte die chinesische Torfrau aus und konnte dann ins leere Tor einschieben. (1:0, 29. Min)
Das Ergebnis war ganz nach dem Geschmack der zahlreichen mitgereisten koreanischen Fans, deren Gesänge und Rasseln jetzt noch lauter wirkten. Und die Koreanerinnen entwickelten, beflügelt vom Führungstreffer, noch mehr Druck und drängten auf das 2:0. Zunächst war es wieder Jo Yun Mi, die am Sechzehner eine Flanke geschickt annahm, ihre Gegenspielerin aussteigen ließ, von der Strafraumgrenze mit links abzog, doch Zhang Yanru war zur Stelle und konnte den Schuss halten. Doch dann ist auch die chinesische Torhüterin machtlos. Jo Yun Mi verlängerte eine weite Flanke von Hong Myong Gum in den Lauf von Kim Song Hui, die das Leder an der herauseilenden Torhüterin vorbeischieben konnte. (2:0, 39. Min)
Doch es kam noch dicker für die Chinesinnen, die zu passiv agierten und in der Defensive Fehler machten. Mit dem Halbzeitpfiff konnte Torhüterin Zhang Yanru eine scharfe Hereingabe von Ri Jin Ok nur abklatschen, doch direkt vor die Füße von Kim Song Hui, die nicht lange fackelte, aus 17 Metern einfach abzog und das 3:0 erzielte. (47.+ Min)
"Das Mittelfeld war heute unser Problem, denn wir produzierten zu viele Querpässe, und das ist auf solch einem aufgeweichten Boden zu gefährlich", erklärte Chinas Trainer Shang Ruihua , "das hat unserem Gegner Möglichkeiten eröffnet, und die haben sie genutzt und in Tore umgemünzt. Deshalb haben wir so hoch verloren."
Mit Beginn des zweiten Durchgangs brachte Shang Ruihua dann Ma Xiaoxu ins Spiel. Doch auch die im bisherigen Turnierverlauf beste Chinesin konnte die drohende Niederlage nicht abwenden. Denn die Tore schossen weiter die Koreanerinnen. Sieben Minuten nach dem Wiederanpfiff erhöhte erneut Kim Song Hui das Ergebnis und durfte nun bereits ihren dritten Treffer bejubeln. Chinas Torhüterin Zhang Yanru konnte einen hart geschossenen Ball von Kim Kyong Hwa nicht festhalten. Kim Song Hui reagierte blitzschnell und spitzelte den Abpraller aus zwei Metern über die Linie. (4:0, 52. Min)
Die Koreanerinnen schienen unaufhaltsam, China konnte denn schnellen Angriffen nichts entgegen setzen. Ein Eckball brachte dann das 5:0, als Kil Son Hui die Hereingabe am kurzen Pfosten in die Maschen lupfte (5:0, 56.Min).
Auch wenn Ma Xiaoxu heute nicht ins Schwarze traf, gewann sie aufgrund ihrer hervorragenden Leistung während des Turniers die Auszeichnung zum Goldenen Ball und aufgrund ihrer fünf Tore auch die Torjägerkanone, den Goldenen Schuh: "Ich freue mich, dass ich beide Trophäen gewonnen habe, aber ich bin natürlich enttäuscht, dass wir so hoch verloren haben. Unsere Gegner in den vorhergehenden Spielen waren nicht so stark wie die Koreanerinnen heute. Wir haben trotz des hohen Rückstands heute nie aufgegeben und Kampfgeist gezeigt. Unser Team hat sehr gut gespielt und ich bin der Meinung, dass wir das beste Team sind", so Ma.
Wenige Minuten vor dem Ende hätte Kim Song Hui fast ihre tolle Leistung mit dem vierten Treffer gekrönt, doch Chinas Torhüterin Zhang Yanru konnten ihren Schuss aus 20 Metern gerade noch so über die Querlatte lenken.
"Diese Niederlage tut weh, aber wir müssen stolz sein, denn wir sind Zweiter geworden. Ich habe das Spiel nicht gut vorbereitet, das war mein Problem. Den Spielerinnen kann ich keinen Vorwurf machen, sie haben heute auf diesen Bodenverhältnissen ihr bestes gegeben", sagte Chinas Trainer Shang Ruihua.
Am Ende siegen die Koreanerinnen nach einer tollen Leistung verdient und feiern den höchsten Sieg bei einem Finale einer Frauen-Weltmeisterschaft. Noch viel schöner dürfte für das Team aus Korea jedoch sein, dass sie die erste Mannschaft überhaupt sind, die einen Weltmeistertitel für Korea bei einer FIFA-WM gewinnen konnte.
Spielerin des Spiels: Kim Song Hui (PRK)
Sie hat das Spiel maßgeblich beeinflusst, war sehr kreativ und kreierte viele Tormöglichkeiten. Zudem hat sie drei Tore selbst erzielt.
Marika Domanski-Lyfors, Mitglied der Technischen Studiengruppe der FIFA (TSG)