Zum zweiten Mal in Folge unterlagen die USA im Lokomotive-Stadion von Moskau im strömenden Regen ihrem Gegner im Elfmeterschießen. Nach der regulären Spielzeit hatte es 0:0 gestanden. Die Brasilianerinnen entschieden das Elfmeterschießen schließlich mit 6:5 für sich.
Schon im Halbfinale waren die USA gegen die VR China mit 4:5 im Elfmeterschießen unterlegen. Vor zwei Jahren bei der FIFA U-19-Frauenfussball-Weltmeisterschaft in Thailand hatten die U.S.-Amerikanerinnen sich in der gleichen Phase noch klar mit 3:0 gegen Brasilien durchgesetzt. Dieses Mal jedoch gelang keiner der beiden Mannschaften ein Treffer aus dem Spiel heraus. Im Elfmeterschießen erwies sich dann die brasilianische Torhüterin Barbara als entscheidende Figur.
"Es war ein hartes Spiel, in dem beide Mannschaften weitgehend gleichwertig waren", meinte der brasilianische Trainer Jorge Barcelos nach der Partie. "Es ist für uns eine große Ehre, auf diesem Niveau gegen die USA zu spielen. Beide Mannschaften hatten ihre Chancen auf den Sieg und natürlich bin ich stolz, dass wir am Ende gewonnen haben."
Auch der U.S.-amerikanische Trainer Tim Schulz sprach von einem "sehr ausgeglichenen Spiel zwischen zwei hochklassigen Mannschaften. Dann kam der Regen und so blieb ein Teil der guten Technik auf der Strecke, doch es blieb eine gute Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Natürlich bin ich enttäuscht über unsere hier erzielten Ergebnisse. Genau wie meine Spielerinnen wollte auch ich den Titel. Aber was die Entwicklung der Spielerinnen angeht, bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich gesehen habe."
Der charismatische U.S.-Trainer Tim Schulz hatte seine Mannschaft erneut durcheinander gewürfelt und gleich fünf Umstellungen gegenüber der Elf des Halbfinals vorgenommen, die zwar gegen China überlegen war, ihre Chancen jedoch sträflich ungenutzt gelassen hatte.
Im Gegensatz hierzu ließ Brasiliens Trainer Barcelos seine Mannschaft trotz des glanzlosen Halbfinalspiels gegen die DVR Korea größtenteils unverändert. Prompt hätte in der Anfangsphase die einzige "Neue" im Team, Stephane, fast die Führung für die Brasilianerinnen besorgt, als sie sich bei einer Flanke von Fabiana gegen ihre Bewacherin durchsetzen konnte.
Die Südamerikanerinnen, die vom russischen Publikum begeistert angefeuert wurden, hatten auch im weiteren Verlauf der Partie mehr vom Spiel. In der zehntenSpielminute brachte Stephane die Kugel zwar im gegnerischen Netz unter, doch sie hatte beim Zuspiel weit im Abseits gestanden und so wirkte ihr Protest gegen die völlig eindeutige Entscheidung nur komisch.
Doch diese Aktion schien die bis dahin viel zu passiven U.S.-Amerikanerinnen aufgeweckt zu haben. In der Folge erarbeiteten sich die Schützlinge von Tim Schulz deutlich größere Spielanteile und begannen nun ihrerseits, die Brasilianerinnen unter Druck zu setzen.
Nach zwölf Minuten musste sich die brasilianische Torhüterin Barbara erstmals beweisen, als sie einen strammen Schuss von Amy Rodriguez hielt. Kurz darauf zeigte sie ihre ganze Klasse, als sie einen Schuss von Carrie Dew aus kurzer Distanz gerade noch über die Latte lenken konnte.
Als dann wenig später Kelley O'Hara nur knapp über das Tor köpfte, während die Torhüterin schon geschlagen war, schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die USA in Führung gehen würden. Doch im weiteren Verlauf der Halbzeit verflachten die Angriffsbemühungen der U.S.-Amerikanerinnen wieder. Als Reaktion darauf brachte Trainer Schulz zur zweiten Halbzeit die dynamische Danesha Adams, die noch eine kleine Chance hatte, der chinesischen Torjägerin Ma Xiaoxu den Goldenen Schuh streitig zu machen.
Wieder Regen - wieder Elfmeterschießen
Nun setzte im Lokomotive-Stadion von Moskau der Regen wieder ein. Die Qualität des Spieles litt darunter deutlich, denn die Spielerinnen beider Mannschaften kamen auf dem zunehmend glitschigen Untergrund das ein ums andere Mal ins Rutschen.
Elf Minuten nach Wiederanpfiff erhielten die Brasilianerinnen die bis dahin größte Chance zur Führung: U.S.-Torhüterin Val Henderson hatte Danielle im Strafraum von den Beinen geholt. Den fälligen Elfmeter führte Francielle aus, doch der schwache Schuss flog knapp an dem gleichen Pfosten vorbei, an dem Brittany Bock mit ihrem entscheidenden Elfmeter gegen die Chinesinnen gescheitert war.
Im Gewitterregen von Moskau wurde ein Tor immer unwahrscheinlicher. Barbara musste noch zwei Mal rettend eingreifen, um Schüsse aus der zweiten Reihe von Tobin Heath und von Rodrigues um den Pfosten zu lenken.
Es kam, wie es kommen musste: Wegen des anschließenden Finales war eine Verlängerung nicht möglich, und so ging es direkt nach Ablauf der regulären Spielzeit ins Elfmeterschießen. Hier hielt Barbara die Schüsse von Alexandra Long und Amanda Poach. Da Amy Rodriguez ihren Elfmeter verschoss, blieben die ebenfalls nicht verwandelten Elfmeter von Renata Costa und Erika für die Brasilianerinnen letztlich folgenlos.
"Wir fühlen uns wie Weltmeister", freute sich Barbara, die beste Spielerin der Partie nach dem Sieg. "Wir alle freuen uns sehr und haben guten Grund zum Feiern. Also werden wir heute Nacht eine tolle Party steigen lassen."
Beste Spielerin der Begegnung: BARBARA
"Die brasilianische Torhüterin hat die Partie für Brasilien gewonnen. Sie zeigte im Spiel eine ganze Reihe von tollen Paraden und glänzte auch während des Elfmeterschießens" - Fran Hilton-Smith (RSA), Mitglied der Technischen Studien-Gruppe der FIFA (TSG).