Selbst die kühnsten Optimisten hätten dieses Finale für die FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 wohl sicher nicht vorausgesagt. In einem rein asiatischen Endspiel stehen sich am Sonntag die Volksrepublik China und die DVR Korea gegenüber. China setzte sich im Elfmeterschießen gegen die Favoriten aus den USA durch, die Koreanerinnen besiegten mit einem Tor in letzter Minute Brasilien.
Auch wenn der Ausgang des Spiels noch völlig offen ist, steht somit aber schon fest, dass der Weltmeister aus Asien kommt. Und das gab es bis jetzt erst einmal in der langen FIFA-Geschichte: 1989 gewann das Team Saudiarabiens die U-17-Weltmeisterschaft in Schottland.
Das Endspiel im Lokomotiv-Stadion von Moskau ist somit die Wiederholung des Finales der AFC U-19-Frauenfussball-Meisterschaft. Dort sorgte ein Treffer von Ma Xiaoxu für den Sieg der Chinesinnen im April diesen Jahres. Doch das Aufeinandertreffen im WM-Endspiel wird ein ungleich anders sein.
Bislang haben die Chinesinnen im direkten Vergleich mit der Korea DVR die Nase vorne. Mit elf Siegen gegenüber fünf Niederlagen und fünf Remis konnten sich die Chinesinnen gegen die Koreanerinnen behaupten. In Qualifikationsspielen zu U20- oder U19-Weltmeisterschaften trafen beide Teams dreimal aufeinander, wobei China alle drei Spiele gewinnen konnte.
Korea gewann als einziges Team alle Spiele
Als einziges Team hat Korea alle Spiele des Turniers gewonnen. Das Team von Trainer Choe Kwang Sok startete gleich mit einem Paukenschlag in die Endrunde und besiegte im Auftaktspiel den amtierenden Weltmeister Deutschland mit 2:0. Dieser Erfolg schien die Asiatinnen zu beflügeln, denn es folgten vier weitere Siege.
Gegen die Schweiz und Mexiko gewannen sie in den Gruppenspielen jeweils mit 4:0. In der K.o.-Runde machten es die Koreanerinnen dann spannend. Im Viertelfinale gegen Frankreich erlöste Hong Myong Gum ihre Mannschaft erst in der Schlussminute, und im Halbfinale war es Ri Un Hyang, die in der 87. Minute das Tor des Tages erzielte.
Mit 13 Treffern haben die Koreanerinnen die zweit meisten Tore des Turniers erzielt, nur Deutschland war mit 16 erfolgreicher. Beachtenswert ist vor allem die Deckungsarbeit der Asiatinnen, denn die koreanische Torhüterin musste erst einmal hinter sich greifen, und zwar im Viertelfinalspiel gegen Frankreich, als sie beim 2:1-Sieg von Elodie Thomis bezwungen wurde.
Keine Chance gegen Zhang Yanru
Auch China dominierte seine Gruppe und landete am Ende mit neun Punkten klar vor Nigeria. War der Auftakt gegen Finnland mit 2:1 noch recht holprig, so folgten ein klarer 3:0-Sieg gegen Nigeria und zum Abschluss wieder ein knapper 1:0-Erfolg gegen Kanada. Im Viertelfinale hatten die Asiatinnen dann keine Mühe mit Russland und fegten die Gastgeber mit 4:0 vom Platz. Das Halbfinale gegen die USA wurde hingegen zur Zitterpartie. Bis ins Elfmeterschießen ging es für die Asiatinnen und am Ende konnten die Chinesinnen nach einem Fehlschuss von Amerikas Lauren Cheney die Hände in die Höhe strecken.
In Russland gelang es keiner gegnerischen Spielerin, Torhüterin Zhang Yanru zu bezwingen. Das einzige Tor des Turniers erzielte ausgerechnet Fan Yuan in der ersten Minute des Auftaktspiels gegen Finnland - es war ein Eigentor. Somit ist die chinesische Torhüterin seit 479 Minuten ohne Gegentreffer.
Ma will goldenen Schuh
Als herausragende chinesische Spielerin erwies sich Ma Xiaoxu. Sie war der alle überstrahlende Star in Reihen der Asiatinnen, und sie sorgte für die wichtigen Tore. Mit fünf Treffern führt sie vor dem Finaltag am Sonntag die Torschützenliste an und hat den Goldenen Schuh somit fast sicher. Lediglich Amerikas Danesha Adams könnte sie noch einholen, doch dann müssten ihr schon drei Treffer im Spiel gegen Brasilien gelingen.
Dennoch war es ausgerechnet Ma, die im Halbfinale fast zur tragischen Heldin wurde, denn sie war die einzige im Team Chinas, die ihren Elfmeter nicht verwandeln konnte. Trotz des Sieges saß die Starspielerin nach der Partie mit Tränen in den Augen auf dem Rasen und konnte den Finaleinzug nicht richtig feiern.
Doch am Sonntag sind die Tränen getrocknet, denn dann braucht China seine Spielführerin. Im Gegensatz zu den Koreanerinnen stecken den chinesischen Spielerinnen 120 lange Minuten auf einem durchgeweichten und schwer bespielbaren Boden in den Beinen. Die Spielerinnen aus dem Reich der Mitte schienen schon in der Partie gegen die USA den amerikanischen Angriffen wehrlos ausgesetzt. Nur eine gute und organisierte Abwehrarbeit verhinderte einen Rückstand oder gar eine Niederlage. Trainer Shang Ruihua wird also seine Mannschaft behutsam und Kraft schonend auf das Spiel am Sonntag vorbereiten müssen, um mit den unheimlich agilen und kraftvoll spielenden Koreanerinnen mithalten zu können.
Zwei starke Mannschaften mit herausragenden Spielerinnen - man darf also gespannt sein welches Team am Sonntag Abend die Weltmeister-Krone nach Asien tragen darf.