Bei der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2006 kommt es zu einem rein asiatischen Finale, denn die DVR Korea und die VR China stehen im Endspiel des Turniers in Russland. Die Koreanerinnen setzten sich gegen Brasilien mit 1:0 durch und konnten somit gleich bei ihrem WM-Debüt ins Endspiel einziehen. Brasilien hingegen schied zum dritten Mal in Folge im Halbfinale aus. Die Chinesinnen kämpften sich bis ins Elfmeterschießen gegen eine starke USA und waren am Ende nach einem Fehlschuss von Lauren Cheney die glücklichen Gewinnerinnen.

Die Brasilianerinnen setzten die ersten Farbpunkte an diesem grauen und regnerischen Donnerstagnachmittag in Moskau. Und das bereits vor dem Halbfinale gegen die DVR Korea. einige der Spielerinnen aus Südamerika hatten sich die Haare mit bunten Haarverlängerungen verziert. So glänzte Torhüterin Barbaras Haar blau, Maurines und Monicas Mähnen wehten grau im Wind und Erikas Haare hatten orange Spitzen. Unterstützt wurden sie wie schon im Viertelfinale von Vagner Love, dem brasilianischen Star von ZSKA Moskau, der auf der Tribüne mitfieberte - übrigens auch in blauen Haaren.

Zum ersten Mal wurde bei diesem Turnier im Stadion von Lokomotive Moskau gespielt. Das reine Fussballstadion sorgte mit seiner interessanten Farbgebung und der spektakulären Dachkonstruktion für eine gebührende Atmosphäre, um die beiden Halbfinalspiele, sowie das Finale und die Parte um den dritten Platz auszutragen.

Nur Petrus hatte kein Einsehen, ließ er es doch am Nachmittag aus seinem Himmel unaufhörlich regnen Und dieses nasskalte Wetter schien vor allem den Brasilianerinnen nicht zuzusagen, denn die sonnenverwöhnten Zaubererinnen vom Zuckerhut kamen im Spiel gegen die Koreanerinnen nie richtig zum Zug.

Last-Minute-Jubel
Die Asiatinnen dominierten die Partie und hatten die weitaus besseren Chancen und konnten sich auch im Halbfinale wieder auf die lautstarke Unterstützung ihrer mitgereisten Fans verlassen, die das Stadion mit ihren Gesängen ausfüllten. Im engen Fussballtempel von Moskau wirkte es sogar noch lauter als sonst. Brasilien konnte sich vom Druck der Koreanerinnen kaum einmal befreien und kam selbst nur selten gefährlich vors Tor. Wie deutlich diese Feldüberlegenheit besonders im ersten Durchgang war, zeigte eine kuriose Szene, als ein ganzer Schwarm kleiner Vögel mehrere Minuten lang ungestört im Fünfmeterraum Torhüterin Jon Myong Hui Gesellschaft leistete.

Nachdem alles schon auf eine Verlängerung hinauszulaufen schien, markierte Ri Un Hyang drei Minuten vor dem Ende nach einem Eckball den Siegtreffer für die Koreanerinnen. Für die Mannschaft aus Asien scheint sich somit eine unglaubliche Erfolgsstory fortzusetzen, hatte das Team doch vor dem Turnier kaum einer auf der Rechnung. Die Glückwünsche kamen auf jeden Fall schon direkt nach dem Spiel aus der Heimat - allerdings im ungünstigsten Moment. Nachdem im Presseraum alle Medienvertreter aufgefordert wurden, ihre Mobiltelefone für die Pressekonferenz abzuschalten, klingelte ein Handy unaufhörlich - das des Trainers Choe Kwang Sok. Überrascht nahm er es aus seiner Hosentasche  - der Gratulant musste ein paar Minuten warten.  

Chinesinnen siegen im Elfmeter-Drama
Im zweiten Spiel des Abends trafen die USA und die VR China aufeinander. Auch diese Partei war eng geführt und lieferte in der regulären Spielzeit keine Tore. Auf mittlerweile Regen durchtränktem Boden lieferten sich beide Mannschaften ein wahres Kampfspiel. Amerikas Trainer Tim Schulz hatte  seine Mannschaft wieder kräftig durchgewürfelt und nahm fünf Spielrinnen neu ins Team. Überraschend war, dass er mit Kelley O'Hara, Amy Rodriguez und Danesha Adams alle drei Torschützinnen und mit Amanda Poach die beste Spielerin des Viertelfinalspiels gegen Deutschland auf der Bank ließ.

Doch die Amerikanerinnen waren über die gesamte Spielzeit die bessere Mannschaft. Sie waren abgeklärter und erspielten sich wesentlich mehr Möglichkeiten. Die Chinesinnen waren meist nur auf Abwehrarbeit beschränkt, von Ma Xiaoxu, dem bisherigen Star des Turniers war kaum etwas zu sehen. Mit der Einwechslung von Poach, O'Hara und Adams im zweiten Durchgang wurden die Amerikanerinnen noch stärker, die Chancen noch zahlreicher. Doch der Torjubel blieb ihnen verwehrt.

Die Partie ging in die Verlängerung. Auf dem schweren, rutschigen Rasen war die Überlegenheit der USA jetzt noch deutlicher zu sehen, doch die  Amerikanerinnen vergaben reihenweise Riesen-Möglichkeiten, der Ball wollte einfach nicht über die Linie. Die Chinesinnen schienen stehend K.o., doch sie kämpften bis zum Umfallen und rissen nach 120 Minuten jubelnd die Arme nach oben. Das Elfmeterschießen musste den Sieger bringen.

Und das waren am Ende die Chinesinnen. Lauren Cheney setzte den entscheidenden Strafstoß an die Latte. Die Amerikanerinnen mussten eine alte Fussballweisheit auf ganz schmerzliche Weise erfahren: Wenn man seine Chancen nicht nutzt, verliert man das Spiel.