Zum dritten Mal in Folge hat die brasilianische Frauen-Nachwuchsauswahl den Einzug ins WM-Finale verpasst. Ein Tor in den letzten Minuten durch Ri Un Hyang beendete am 31. August in der Halbfinalpartie im Lokomotive-Stadion in Moskau sämtliche Träume der Brasilianerinnen. Die DVR Korea ist somit erster Finalist der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006.
Koreas Trainer Choe Kwang Sok versuchte nach dem Spiel, das Geheimnis des Erfolges zu erklären. "Nun, zunächst möchte ich der FIFA für alle Anstrengungen danken, den Fussball in unserem Land zu fördern. Das Geheimnis unseres Erfolges ist, dass wir sehr hart arbeiten. Unsere Fans haben nun große Erwartungen an uns, so dass wir unermüdlich alles daran setzen werden, diesen gerecht zu werden."
Brasiliens Trainer Barcelos hatte sich zunächst für eine Variante mit einer einzigen Sturmspitze entschieden, nämlich Adriana, Schützin des Siegtreffers gegen Nigeria, anstelle von Pamela. Choe Kwang Sok seinerseits brachte O Kum Hui für Kim Hyang Mi.
In der ersten halben Stunde neutralisierten sich beide Mannschaften weitgehend auf dem Spielfeld und brachten das gegnerische Tor nur gelegentlich mit Fernschüssen in Gefahr.
Brasilien zeigte sich etwas ungenau im Passspiel und auch Fabiana hatte bei langen Bällen gegen die physisch überlegenen koreanischen Abwehrspielerinnen kaum eine Chance. Die erste Gelegenheit bot sich ihr dann bei einem Abpraller, den sie vor der Torhüterin erreichte, aber nicht verwerten konnte. Wenig später wurde sie freistehend im Strafraum angespielt, doch Hong Myong Gum konnte ihr gerade noch den Ball vom Fuß spitzeln. Dann bot sich erneut eine klare Chance nach einer Flanke von Maurine, die Adriane direkt abnahm. Der Ball wurde abgewehrt und Fabiana traf mit einem Nachschuss nur eine Abwehrspielerin.
Nach dieser vorübergehenden Drangphase der Brasilianerinnen, reagierte die koreanische Mannschaft. Nach einer halben Stunde trat Kim Kyong Hwa an, um einen Freistoß von der rechten Seite aus zu treten, doch ihr Ball traf nur die Querlatte. Adriana versuchte nun ihrerseits ihr Glück aus 30 Metern, doch die Kugel strich knapp über das Tor der Koreanerinnen. Einige Minuten später war es erneut Kim Kyong Hwa, die von links aus einen Gewaltschuss aufs brasilianische Tor setzte, doch Bárbara wehrte den Ball zur Ecke ab. Den Eckstoß konnte die Torhüterin erneut gekonnt klären. Kurz vor der Halbzeit dann klärte Danielle bei einem Schuss der koreanischen Spielführerin Hong aus nächster Nähe.
Zehn Minuten nach Wiederanpfiff gab es die nächste brenzlige Situation vor dem Kasten der Brasilianerinnen, als der Ball nach einem Eckball zu Kim Song Hui gelangte, die direkt abzog. Bárbara musste Kopf und Kragen riskieren, um den Abpraller der einschussbereiten Kil Son Hui vom Fuß zu nehmen. Mit ihrer Schnelligkeit, ihrem unermüdlichen Kampfgeist und ihren gefährlichen Fernschüssen bereitete die Stürmerin der Abwehr der Südamerikanerinnen immer wieder Kopfzerbrechen.
Brasilien fiel es nun immer schwerer, sich dem beständigen Druck der Koreanerinnen zu entziehen, die den Ball kontrollierten und insbesondere bei Standardsituationen, die stets von Kim Kyong Hwa ausgeführt wurden, für viel Gefahr sorgten. Im Deckungsverhalten erwies sich dabei die brasilianische Hintermannschaft als recht schwerfällig und unkonzentriert.
Renata Costa, die eine Zeitlang völlig untergetaucht war, versuchte dann Jon Myong Hui einige Male mit Fernschüssen zu überraschen, die jedoch meistens zu schwach geschossen waren, um wirklich gefährlich zu werden. Nach einer schönen Kombination zwischen Fabiana und Pamela im Strafraum Koreas bot sich dann Erika eine gute Chance, doch ihr Schuss ging vorbei.
Das alles entscheidende Tor fiel schließlich kurz vor Schluss, als Ri Un Hyang an einen nach einer Ecke zu kurz abgewehrten Ball kam und ihn unhaltbar für Bárbara ins Tor schob (0:1, 87.). Die Brasilianerinnen warfen daraufhin noch einmal alles nach vorne, schafften den Ausgleichstreffer jedoch nicht mehr. "Ich glaube nicht, dass dies etwas mit unserer körperlichen Fitness oder unserer mentalen Stärke zu tun hat, sondern vielmehr damit, dass wir es einfach immer wieder versuchen und nie aufgeben", beantwortete Choe Kwang Sok die Frage nach dem Umstand, dass die DVR Korea oft durch späte Tore gewinnt. "Es spielt jetzt keine Rolle, ob diese Mannschaft erfahren ist oder nicht. Ich bin sicher, dass wir erfolgreich sein werden."
Sein Gegenüber lobte die Koreanerinnen. "Korea war heute ein sehr starker Gegner, das gilt insbesondere für Kim Kyong Hwa. Sie konnte nach Belieben schalten und walten. Wir mussten uns zumeist auf die Abwehrarbeit verlegen und hatten deshalb nur wenige Torchancen. In der ersten Halbzeit war es noch ein ausgeglichenes Spiel und wir konnten zwei gute Gelegenheiten zur Führung nicht nutzen. Wer weiß, wie es ausgegangen wäre, wenn wir getroffen hätten."
Beste Spielerin der Begegnung: Kil Son Hui (PKR)
"Sie ist eine äußerst fleißige Spielerin, die sehr viele gefährliche Aktionen im Angriff einleitet. Sie ist eine wirkliche Spielmacherin, die nie aufsteckt und auch physisch sehr stark ist." Fran Hilton-Smith (RSA), Mitglied der Technischen Studien-Gruppe der FIFA (TSG) .