Wenn am Donnerstag Abend die USA im Halbfinale der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 auf die VR China trifft, ist es das 34. Aufeinandertreffen zweier Frauenfussball-Mannschaften aus diesen beiden Ländern. Mit 15 Siegen haben die USA hier klar die Nase vorn, bei acht Siegen der Asiatinnen.
Eine aus dem Team der USA hat jedoch noch nie gegen China gespielt, Tobin Heath. Die 18-Jährige aus Basking Ridge in New Jersey freut sich schon auf das Spiel gegen die Mannschaft aus dem fernen Osten. "Das wird sicher ein ganz großartiges Spiel werden, und die Atmosphäre wird sicher toll sein", schwärmt sie im Gespräch mit FIFA.com, "ich hoffe, wir können uns im Vergleich zum Deutschland-Spiel nochmal steigern."
Die Amerikanerinnen setzten sich in ihrer Gruppe souverän ohne Verlustpunkt durch. Im Viertelfinale trafen sie auf Deutschland und konnten sich durch einen 4:1-Sieg gegen den amtierenden Weltmeister das Ticket für das Halbfinale sichern. "Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und sind glücklich, wieder ein Stückchen näher an unserer großes Ziel gekommen zu sein, die WM zu gewinnen", sagt Heath, die bis auf die Partie gegen Argentinien alle Spiele über 90 Minuten absolvierte. "Wir haben einen sehr ausgeglichenen und starken Kader, so dass jeder jeden ersetzten kann", ist sie über ihre Nicht-Berücksichtigung im Spiel gegen die Südamerikanerinnen nicht traurig, "bei uns sollte möglichst jeder einmal gespielt haben, damit jeder die gleiche Erfahrung sammelt."
Die sympathische Spielerin gilt im Team der US-Girls als Fussball-Junkie. "Ich würde am liebsten 24 Stunden am Tag und 7 Tage lang Fussball spielen. Ich liebe jede Minute, die ich spielen kann." Und kann sie einmal nicht auf dem Fussballplatz an ihrem Können feilen, bildet sie sich theoretisch weiter. "Dann schalte ich den Fernseher ein, und schaue mir Fussball an, am liebsten die UEFA Champions League oder die europäischen Ligen", erklärt Heath. Dabei verfolgt sie einen Verein ganz besonders. "Den FC Barcelona", sagt sie mit glänzenden Augen, "Mann, das wäre fantastisch, wenn ich einmal dort spielen könnte, mit Ronaldino und den Jungs zusammen", beschreibt sie ihren großen Traum.
Ihre Liebe zum Fussball fing mit vier Jahren an, als sie mit Nachbar-Jungs und -Mädchen zusammen kickte. "Ich habe überall gespielt, habe es einfach geliebt, nur gegen den Ball zu treten", beschreibt sie heute ihre Kindheit. Da ihr Talent sehr früh entdeckt und gefördert wurde, trat sie mit sieben Jahren einer organisierten Mannschaft bei.
Positionswechsel
Heute hat sie sich mit ihren guten Leistungen im U-20-Nationalteam einen Platz ergattert und zählt bei der WM in Russland zu den Stützen des Teams von Trainer Tim Schulz. Mit einem Wehrmutstropfen, denn so muss sie doch auf ihre geliebte Position im offensiven Mittelfeld verzichten und in der Abwehr defensive Aufgaben verrichten. "Die Position der Außenverteidigerin war zu besetzen und der Trainer hat meine Qualitäten für diese Position geschätzt", erläutert sie.
Mit schnellen Vorstößen aus der Deckung will sie aber auch im Spiel gegen die Chinesinnen für Gefahr sorgen. Gegen die Asiatinnen hat eine amerikanische Auswahl noch nie bei einem großen Turnier verloren. Doch davon will sich das amerikanische Team nicht blenden lassen, weiß man doch um die Stärken der Chinesinnen im bisherigen Turnierverlauf. "Aber wir werden unseren Stil nicht an den Gegner anpassen, sondern unser Spiel durchziehen", so Heath, die die Chancen auf den Titelgewinn sehr hoch einschätzt. "Wir können definitiv Weltmeister werden", ist sie überzeugt.
Bis zum Spiel am Donnerstag Abend gilt es also, Konzentration aufzubauen, doch auch die Freizeit kommt bei den Amerikanerinnen in diesen Tagen nicht zu kurz. Ausflüge, Besichtigungen, Stadtrundgänge oder einfach nur mal auf einen Kaffee raus gehen - die US-Girls erleben viel zusammen, von Lager-Koller ist keine Spur. "Wir sind wie Schwestern. Es hat sich eine unglaubliche Freundschaft entwickelt, was das Zusammenleben hier so viel einfacher für alle macht. Unser Team ist wirklich etwas ganz besonderes."
Was manchmal zu ausgefallenen Aktionen führt. So betätigte sich Teamkollegin Amanda Poach als Friseurin bei Heath. "Ja, sie hat mir die Haare geschnitten, hat rund acht Zentimeter gekürzt", lacht sie und zeigt uns die zum Zopf zusammengebundenen brauen Haare, "na, sieht doch gut aus, oder? Wir sind manchmal gelangweilt, da machen wir solche verrückten Sachen."
"Das Beste, was ich jemals gemacht habe"
Man spürt bei Tobin Heath, dass sie die Zeit in Russland sehr genießt. "Das ist das Beste, was ich jemals in meinem Leben gemacht habe. Durch Russland zu reisen ist fantastisch. Ich war noch nie hier und wäre ohne den Fussball auch wahrscheinlich nie hierher hergekommen", erlebt sie die Wochen in Osteuropa intensiv. "Zudem ist es total cool, weil Du gegen die besten Mannschaften der Welt spielst."
Für den Fall des Titelgewinns hat sich Heath allerdings (noch) nichts besonderes ausgedacht. "Einige Spielerinnen wollen sich die Haare färben, wenn wir Weltmeister werden, aber ich habe nichts geplant. Ich werde einfach nur glücklich sein." Einen Traum hat sie dennoch, nämlich dass am Montag morgen die Zeitungen in der Heimat eine ganz besondere Schlagzeile auf der Titelseite haben werden: "Einfach nur ‚World Champions' - das wäre fantastisch."