Die Viertelfinalpartien bei der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 boten Spannung und guten Fussball. Im letzten Viertelfinale gab es eine Überraschung, denn Titelverteidiger Deutschland unterlag dem Team der USA und hat damit Platz für einen neuen Weltmeister gemacht. Die Deutschen müssen nun die Koffer packen, ebenso wie die Mannschaften Frankreichs, Nigerias und Russlands.
Aus für den Titelverteidiger
Der Sieger der WM in Thailand 2004 hatte nach einer unerwarteten Auftaktniederlage gegen die DVR Korea durch Kantersiege gegen Mexiko und die Schweiz scheinbar wieder auf die Erfolgsspur gefunden. Es schien, dass der Motor gerade rechtzeitig vor der K.o.-Phase wieder rund lief. Dann jedoch bekamen die Deutschen es mit einem dicken Brocken zu tun, dem Team der USA. Diese hatten ihre Gruppe mit eher bescheidenen Leistungen gewonnen. Die Amerikanerinnen hatten es zwar auf die Maximalausbeute von neun Punkten gebracht, aber noch nicht den Fussball gezeigt, zu dem sie fähig war.
Anscheinend hatten die U.S.-Girls sich das für das Viertelfinale gegen die Deutschen aufgespart. Die beiden Tore vor der Halbzeit lasteten tonnenschwer auf den Schultern der von Maren Meinert betreuten Mädchen. "Wir sind sehr enttäuscht. Wir haben in der zweiten Halbzeit wirklich alles gegeben und gehofft, nach dem Anschlusstreffer die Partie noch drehen zu können. Dennoch haben die USA den Sieg verdient", erklärte die Trainerin.
Die Deutschen scheiden als das torgefährlichste Team des Turniers aus, denn sie hatten bis dahin nicht weniger als 16 Treffer erzielt. Die erfolgreichsten Stürmerinnen waren Anna Blässe mit vier Treffern und Fatmire Bajramaj mit drei. Einen Großteil ihres Erfolges vor dem gegnerischen Tor hatten sie dabei der großartigen Unterstützung und Vorarbeit von Simone Laudehr und Celia Okoyino Da Mbabi zu verdanken, die mit ihrer Spielübersicht und ihren Fähigkeiten am Ball zu beeindrucken wussten.
"Jetzt müssen wir nach vorne schauen, da in einem Monat bereits die Qualifikation für die nächste UEFA-Europameisterschaft im Frauenfussball beginnt. Wir haben viele Spielerinnen, die 1988 geboren sind, und möchten in zwei Jahren mit diesen bei der nächsten Weltmeisterschaft wieder angreifen", kündigte die Trainerin an.
Russland vermisst Danilova
Die Gastgeberinnen werden die übrigen Spiele von der Tribüne aus verfolgen müssen. Die physische Stärke und die Geschlossenheit der chinesischen Auswahl in Verbindung mit der Genialität ihrer Spielführerin Ma Xiaoxu erwiesen sich als ein unüberwindliches Hindernis für die Russinnen. Deren Trainer Valentin Grishin verwies auf die Verletzten und auch auf die Erschöpfung als größte Probleme seiner Mannschaft im Verlauf des Turniers. "Wenn ich bedenke, wie es um meine Mannschaft bestellt war, dann verwundert mich unsere Niederlage gegen China keineswegs", gestand er gegenüber FIFA.com ein. "Wir liegen im Vergleich mit China, wo der Frauenfussball sehr aktiv vorangetrieben wird, tatsächlich ein gutes Stück zurück.", fügte er hinzu.
Was dem Team vor allem fehlte, war der Zug um Tor. Die vielversprechende Stürmerin Elena Danilova, die 16 von 20 Toren der Russinnen bei den letzten beiden U-19-Europameisterschaften erzielt hatte, bezwang in den vier Begegnungen keine einzige der vier gegnerischen Torhüterinnen, gab jedoch immerhin zwei Vorlagen zu Toren gegen Neuseeland und Australien. Am anderen Ende des Platzes zeigte sich Torfrau Elena Todua nicht so sicher wie gewohnt und wirkte gegen China vor allem bei hohen Bällen unsicher.
Obwohl sie wie in Thailand 2004 erneut im Viertelfinale ausgeschieden sind, haben die Russinnen einige Lektionen gelernt, und dies nicht nur in rein sportlicher Hinsicht. Die Begeisterung der Zuschauer während des Turniers war außergewöhnlich und auch die inländische Presse hat der Entwicklung der Mannschaft viel Aufmerksamkeit gewidmet. Mit der Organisation dieser Weltmeisterschaft erhält der russische Fussball enorme Impulse, die die großartige Arbeit an der Basis bis hin zu den Auswahlmannschaften stärken wird.
Nigeria und Frankreich scheiden in letzter Minute aus
Die jungen Nigerianerinnen hätten gegen Brasilien ein besseres Schicksal verdient gehabt, doch zwei Standardsituationen brachen ihnen schließlich das Genick. Nach der Torflut im letzten Gruppenspiel (8:0 gegen Finnland) gelang es den Schützlingen von Emmanuel Tetteh Okonkwo nicht, ihre Chancen gegen Brasilien zu nutzen. Dafür bezahlten sie schließlich bitter nach einem Fehler ihrer Torfrau in der letzten Spielminute, nachdem sie eine Spielerin weniger auf dem Platz hatten und schließlich nach einem Freistoß noch den entscheidenden Gegentreffer kassierten.
Die Verteidigung war ohnehin die Schwachstelle im afrikanischen Team, das die Zuschauer jedoch mit seiner Offensivstärke begeistert hat. Obwohl man im Verlauf des Turniers nicht immer beständige Leistungen zeigte, war die physische Stärke der Nigerianerinnen in Verbindung mit ihrer enormen Schnelligkeit ein Garant für deren große Gefährlichkeit vor dem gegnerischen Tor.
Die französische Auswahl ihrerseits bot der DVR Korea einen harten Kampf. Trotz aller Anstrengungen während der regulären Spielzeit bedeutete ein Patzer in der Nachspielzeit das Ausscheiden aus dem Turnier. "Wir standen ganz kurz vor einem Sieg gegen Korea. Vor dem gegnerischen Tor fehlte es uns jedoch an Abgeklärtheit. Nach dem Unentschieden waren wir dem 2:1 sehr nahe, und in Spielen wie diesem darf man keine Chancen verpassen. Ebenso muss man auch bis zur letzten Minute konzentriert bleiben", beklagte sich Trainer Stephane Pilard.
Seine Mannschaft hielt dem disziplinierten, schnellen Spiel der DVR Korea gut stand. Louisa Necib lieferte eine große Partie im Mittelfeld, während sich Laure Boulleau den Angriffen von Kim Kyong Hwa & Co. gut widersetzte. Trotz der beiden Gegentreffer im Viertelfinale bot auch Torfrau Sarah Bouhaddi im Verlauf des Turniers eine gute Leistung und deutete ihr großes Potenzial an. Im Angriff glänzten die unermüdlichen Marie-Laure Delie und Elodie Thomis. Sie offenbarten zwar gewisse Mängel im Abschluss, zeigten jedoch mit ihrer Schnelligkeit und Technik, dass sie ihren Weg machen werden.
Trotz der Enttäuschung zog der Trainer der Französinnen ein positives Fazit. "Die Mannschaft hat die Qualität bestätigt, die sie schon bei den letzten beiden Europameisterschaften gezeigt hat. Die Weltmeisterschaft hat jedoch offenbart, dass wir noch mehr Spiele auf hohem Niveau benötigen, wie gegen die Vereinigten Staaten und Korea zu sehen war", analysierte der Coach gegenüber FIFA.com.
Vier starke Nationalmannschaften sind ausgeschieden. Alle haben jedoch wichtige Lektionen gelernt, die es ihnen ermöglichen werden, bald wieder mit aller Macht um den Titel zu kämpfen.