ZUSAMMENFASSUNG DES SPIELTAGES - Jetzt stehen alle vier Halbfinalteilnehmer der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 fest. Am 31. August werden im Stadion von Lokomotive Moskau Brasilien und die DVR Korea sowie die VR China und die USA um den Einzug ins Finale kämpfen - zwei Mannschaften des amerikanischen Kontinents gegen zwei asiatische Teams. Europa ist nach dem Ausscheiden des amtierenden Weltmeisters und des Vize-Europameisters im Viertelfinale nicht mehr unter den letzten vier Teams vertreten.
Rache ist bekanntlich eine Sache, die man kalt genießt. Die USA mussten zwei Jahre auf ihre Revanche gegen die deutsche Auswahl warten. 2004 in Thailand hatten sich die Europäerinnen nämlich im Halbfinale gegen die U.S.-Girls durchgesetzt. Dieses Mal sollte es genau umgekehrt sein. Die Amerikanerinnen sicherten sich das Weiterkommen in diesem Wettbewerb, während die Titelverteidigerinnen die Koffer packen müssen.
Die DVR Korea setzte sich hingegen auf die gleiche Weise gegen Frankreich durch, wie ihr nächster Gegner, Brasilien, gestern gegen Nigeria. Die französische Elf musste sich in der letzten Spielminute nach einer Standardsituation geschlagen geben, in diesem Fall war es ein Eckball. Werden sich die Koreanerinnen wohl auch im Halbfinale durchsetzen können?
Kim Kyong Hwa ebnet den Weg
Ein Geniestreich von Kim Kyong Hwa und ein Tor von Hong Myong Gum in der letzten Spielminute brachten die französische Auswahl im Petrovsky-Stadion von Sankt Petersburg zu Fall. Der französische Trainer hatte sich vor der Partie entschieden, das Mittelfeld zu verstärken, um Kim Kyong Hwa und Kim Chun Hui zu neutralisieren. Diese Strategie hatte ein taktisch sehr interessantes Spiel zur Folge.
Die Französinnen hatten die angriffsstarken Nordkoreanerinnen in der ersten Halbzeit sehr gut unter Kontrolle und spielten auch einige Chancen heraus. Ein Gewaltschuss der genialen Mittelfeldspielerin Kim Kyong Hwa aus etwa 18 Metern zu Beginn der zweiten Halbzeit brachte die Europäerinnen dann jedoch aus dem Gleichgewicht. Die Französinnen waren noch gar nicht wieder richtig auf dem Platz, und schon zappelte der Ball im Netz. Sie gaben jedoch keinesfalls auf, und nach einer Viertelstunde eroberte Marie-Laurie Delie den Ball von den nordkoreanischen Verteidigerinnen. Sie spielte die völlig freistehende Elodie Thomis an, die den Ball mit einem schönen Schuss im Tor der Asiatinnen unterbrachte. Für die DVR Korea war das der erste Gegentreffer in diesem Turnier.
Die Schützlinge von Choe Kwang Sok hatten dann im weiteren Spielverlauf mehr Probleme mit den Vize-Europameisterinnen als erwartet. Diese machten weiter Druck auf das Tor der Koreanerinnen. Delie hatte den Führungstreffer für Frankreich schon auf dem Fuß, ihr Schuss war jedoch zu schwach, und der Ball landete genau in den Armen der nordkoreanischen Torfrau. Als alle sich schon auf eine Verlängerung eingestellt hatten, stieg die nordkoreanische Mannschaftsführerin Hong Myong Gum bei einem Eckball nach einem Stellungsfehler ihrer Gegenspielerin hoch und köpfte den Ball zum Siegtreffer ins Tor der verzweifelt dreinblickenden Sarah Bouhaddi.
Die unermüdliche koreanische Fangemeinde, die ihrer Mannschaft mit roten T-Shirts und Fahnen ausgestattet von Moskau nach Sankt Petersburg gefolgt war, hatte die 600 km lange Reise nicht umsonst angetreten und wurde für ihre Mühen entschädigt.
USA siegreich gegen deutsche Nationalmannschaft
In der ersten halben Stunde der Partie der beiden Giganten des Frauenfussballs spürte man die große Anspannung, die über diesem Viertelfinale lag. Beide Mannschaften tasteten sich zunächst vorsichtig ab, um Fehler zu vermeiden, und die Torchancen waren auf beiden Seiten äußerst dünn gesäht. Dann bekamen die Deutschen allerdings Probleme mit der auf der rechten Flanke agierenden Amanda Poach, die anschließend auch zur besten Spielerin der Begegnung bestimmt wurde. Sie bereitete die ersten beiden Tore mit präzisen Flanken in den Strafraum vor. Nach der ersten Hereingabe brachte Kelley O'Hara den Ball im Tor von Romina Holz unter. Danesha Adams nahm sich des Balles nach der zweiten Flanke von Poach an und beförderte ihn per Kopf ins kurze Eck.
Ein Treffer von Lydia Neumann nach präziser Vorarbeit von Simone Laudehr ließ die deutsche Bank 20 Minuten nach dem Wiederanpfiff dann noch einmal Hoffnung schöpfen. Das Spiel wurde noch einmal spannend, aber nur fünf Minuten später gelang den USA nach einem schnellen Konter das 3:1. Wieder war es Adams, die den Ball nach einem Zuspiel von Tina di Martino im Netz versenkte. Schließlich setzte Amy Rodriguez dem ganzen die Krone auf. Nach einem langen Sprint aus dem Mittelfeld hatte sie bereits einen ersten Versuch unternommen, Holz zu überwinden, der allerdings fehlschlug. Beim zweiten Mal kannte sie dann aber kein Pardon. Sie setzte sich auf der linken Seite durch und schob den Ball ins lange Eck.
Die Familien der amerikanischen Spielerinnen, die ihnen nach Russland gefolgt waren, steckten den Rest des Publikums mit ihren Freudenfeiern an, und so sah man im Stadion von Sankt Petersburg eine schöne, wenn auch noch etwas zaghafte La-Ola-Welle - eine Generalprobe für die große Feier, zu der es wohl nach einem Sieg gegen China käme, mit dem das Team sich den Einzug ins Finale sichern würde.