In einem packenden Viertelfinalspiel der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 setzte sich die USA am Sonntagabend mit 4:1 gegen Deutschland durch. Danesha Adams traf zweimal für die Amerikanerinnen, die im Halbfinale am Donnerstag auf das Team aus China treffen.
"Es war ein hochinteressantes Fussballspiel, vielleicht das beste, das ich bisher gesehen habe", sagte US-Trainer Tim Schulz nach der Partie, "ich bin fast ein Fan geworden und habe vergessen, dass ich eigentlich der Trainer bin. Beide Mannschaften haben sehr gut gekämpft. Wir haben ein paar Tore mehr gemacht als Deutschland, aber es hätte auch anders herum ausgehen können."
Im Spiel der beiden Titel-Favoriten hatte Amerikas Trainer Tim Schulz wie schon in den Spielen zuvor sein Team auf drei Positionen im Mittelfeld geändert. Seine deutsche Kollegin Maren Meinert musste auf die gesperrten Carolin Schiewe und Monique Kerschowski nach deren zweiter Gelber Karte verzichten, dafür war Janina Haye wieder im Team, die gegen die Schweiz verletzt gefehlt hatte.
Beide Teams standen im Petrovsky-Stadion von St. Petersburg zunächst sehr gut in der Deckung, ließen den gegnerischen Angriffsreihen kaum einmal Entfaltungsmöglichkeiten. Die Amerikanerinnen versuchten es immer wieder, mit langen weit öffnenden Pässen in den Rücken der deutschen Abwehr zu kommen, konnten sich jedoch zunächst keine zwingenden Chancen daraus erspielen. In der 11. Minute gelang es Danesha Adams, einen Steilpass auf Kelly O'Hara zu spielen, die aus halbrechter Position den Ball jedoch ans Außennetz schoss.
Das deutsche Team war vor allen über die rechte Seite gefährlich, konnte jedoch die gut postierte amerikanische Abwehr nicht zwingend in Gefahr bringen. Einmal versucht es Simone Laudehr mit einem Alleingang, dann war es Anna Blässe, die sich im Strafraum durchtanken konnte, deren Schuss aber dann abgeblockt wurde. Blässe musste Mitte der ersten Halbzeit verletzungsbedingt raus, für sie kam Lydia Neumann ins Spiel.
Deutschland hatte diese Umstellung noch gar nicht richtig abgeschlossen, da gingen die Amerikanerinnen in Führung und das gleich im Doppelpack. Zunächst war es Amanda Poach, die eine weite Flanke von der rechten Seite in den Strafraum brachte, wo Kelley O'Hara am langen Pfosten lauerte, den Ball annahm, direkt abzog und unhaltbar aus 13 Metern ins rechte obere Eck traf. (1:0, 36.)
Keine 60 Sekunden später waren durften die US-Fans erneut jubeln. Und es war fast eine identische Situation. Erneut war es Poach, die den Ball über die Abwehr hinweg auf den langen Pfosten spielt, wo Danesha Adams steht und das Leder per Kopf ins kurze Eck beförderte. (2:0, 37.).
Die Amerikanerinnen nutzten nun den deutschen Schockzustand und machten weiter Druck, um das Ergebnis zu erhöhen. In der 41. Minute brachte O'Hara eine scharfe Hereingabe in den Strafraum, Adams legte die Kugel per Kopf quer ab zu Lauren Cheney, die aber aus sieben Metern das leere Tor nicht traf. Zwei Torschüsse, zwei Tore. Diese Bilanz der US-Girls in der ersten Halbzeit konnte sich sehen lassen.
"Die zwei schnellen Tore haben das Spiel heute entschieden", analysierte die deutsche Trainerin Maren Meinert "Wir haben in der zweiten Halbzeit alles versucht, nochmal ranzukommen. Für uns ist es natürlich ein enttäuschendes Resultat, aber man muss den USA ein Kompliment für ein tolles Spiel machen.
Das Team von Maren Meinert hatte sich in der Pause viel vorgenommen, wollte den Rückstand egalisieren. Und die erste echte Chance bot sich auch dem deutschen Team, als Nadine Kessler nach einem schönen Doppelpass in den Strafraum eindrang, aber mit ihrem Schuss an Torhüterin Val Henderson scheiterte. Im Gegenzug hat Cheney die Riesenchance, auf 3:0 zu erhöhen, als sie alleine vor Romina Holz auftaucht, doch die deutsche Keeperin hielt sicher.
Die deutschen Angriffsbemühungen wurden dann Mitte der zweiten Halbzeit belohnt. Simone Laudehr spielte einen präzisen Pass in den Lauf von Lydia Neumann, die in den Strafraum sprintete und den Ball mit dem rechten Außenrist an der herauseilenden Torhüterin Henderson vorbei ins lange Eck schlenzte. (2:1, 65.). Erneut bewies Laudehr ihre Effektivität, denn es war bereits der fünfte Treffer, den die Mittelfeldspielerin in diesem Turnier vorbereitete.
Die Europäerinnen spielten nun aggressiver, drängten auf den Ausgleich. Doch den Amerikanerinnen boten sich Kontermöglichkeiten. Wie in der 70. Minute, als die eingewechselte Tina Di Martino einen Angriff über die rechte Seite vortrug, den Ball halbhoch vors Tor brachte und Adams aus fünf Metern keine Mühe hatte, zum 3:1 einzuschieben. (3:1, 70.)
Doch die Deutschen gaben nicht auf und kämpften weiter. In der 75. Minute setzte sich Kessler am Strafraum gegen zwei Amerikanerinnen durch, zog aus 17 Metern ab und traf nur die Querlatte. Doch am Ende blieb es den Amerikanerinnen überlassen, das letzte Tor zu erzielen. Amy Rodriguez setzte sich im Strafraum auf der linken Seite durch und schlenzte den Bll gefühlvoll ins lange Eck . (4:1, 90.)
"Wir hatten viel Respekt für Deutschland. Die haben es uns heute sehr schwer gemacht, kamen sehr stark aus der Kabine. Die Intensität des Spiels hat zugenommen. Das war unsere beste Leistung des Turniers bislang", erklärte Amanda Poach, die beste Spielerin des Spiels.
Der amtierende Weltmeister Deutschland muss den Pokal jetzt einer anderen Mannschaft überlassen.
Spielerin des Spiels: Amanda Poach (USA)
Sie setzte das Tempo und verteilte die Bälle sehr gut. Sie war konstant in Bewegung. Zudem bereitete sie zwei Tore vor.
Sylvie Beliveau, Mitglied der Technischen Studiengruppe der FIFA