Mit einem Last-Minute-Treffer hat sich die DVR Korea das Ticket für das Halbfinale der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 gesichert. Im Petrovsky-Stadion von St. Petersburg konnten sie Frankreich mit 2:1 besiegen.

Beide Mannschaften trafen im Viertelfinale zum ersten Mal überhaupt im Frauenfussball aufeinander. Während Koreas Coach Choe Kwang Sok sein Team nur auf einer Position änderte, in dem er Jo Yun Min in die Mannschaft nahm, tauschte Frankreichs Coach seine Elf im Vergleich zum letzten Gruppenspiel gegen die USA auf vier Positionen. Die größte Überraschung war sicherlich der Verzicht auf Angreiferin Elodie Thomis, die bislang in allen drei Spielen von Anfang auflief.

Das Spiel begann nach nur zwei Minuten schon mit einer dicken Chance für die Koreanerinnen, als Kim Kyong Hwa einen Freistoß scharf von der rechten Seite vors Tor brachte und Kim Song Hui aus fünf Metern am Ball vorbeirutschte.

In der ersten Halbzeit bot sich den Zuschauern munteres Spiel mit leichten Vorteilen zunächst für die Asiatinnen. Doch die Französinnen kamen im Verlauf des Spiels immer besser in die Partie und erarbeiteten sich ihrerseits gute Möglichkeiten. Pech für Marie-Laure Delie: die Stürmerin der "Les Bleuettes" zog sich eine Platzwunde zu und musste minutenlang am Spielfeldrand behandelt werden. Sie konnte aber mit einem lustigen Kopfverband wieder weiterspielen.

Korea konnte wieder auf die lautstarken mitgereisten Fans bauen, die das Team mit Rasseln und ununterbrochenen Gesängen unterstützten. Die Asiatinnen versuchten, schnell nach vorne zu spielen, doch ihre Angriffe verfingen sich in der dichten Deckung der Französinnen. Bei den Europäerinnen kurbelte die emsige Louisa Necib das Spiel immer wieder an und hatte auch Mitte der ersten Hälfte die beste Chance für ihr Team. Mit einem schnellen Vorstoß überlistete sie die koreanische Deckung, um frei vor Torhüterin Jon aufzutauchen, konnte diese jedoch aus kurzer Distanz nicht überwinden.

Auf koreanischer Seite versuchte es Kim Kyong Hwa immer wieder aus der Distanz, doch entweder konnte Torhüterin Sarah Bouhaddi den Ball klären, oder die Kugel flog übers Tor.

Was ihr im ersten Durchgang nicht gelang, schaffte die wendige Koreanerin dann wenige Sekunden nach dem Wiederanpfiff. Jo Yun Mi spielte den Ball am Strafraum quer zu Kim Chin Hui, die ließ die Kugel abtropfen auf Kim Kyong Hwa. und aus 20 Metern hämmerte sie das Leder unhaltbar in die Maschen. (1:0, 46.)

Frankreichs Coach reagierte nun, brachte Elodie Thomis für Jessica Houara ins Spiel. Und seine Einwechslung sollte sich als Glücksgriff erweisen. Denn nur sieben Minuten später war es genau diese Spielerin, die nach einer schönen Vorarbeit von Delie den Ball im Strafraum aus kurzer Distanz zum Ausgleich im Tor versenkte. (1:1, 62.)

"Ich finde nicht, dass sie zu spät kam", sagte Stephane Pilard mit einem Augenzwinkern auf die Frage, warum er Elodie Thomis erst nach der Führung Koreas brachte, "sie kam doch rein und machte gleich ein Tor. Aber im Ernst: Es war eine taktische Maßnahme. Ich hatte Korea vorher auf Video gesehen und gehofft, mit einer Spitze und Necib dahinter eine gute Lösung zu haben, das Spiel gegen Korea zu gewinnen."

Das Spiel war jetzt nicht mehr mit der Partie im ersten Durchgang vergleichbar. Beide Teams spielten jetzt herzerfrischenden Offensiv-Fussball, und erarbeiteten sich  Chancen auf beiden Seiten. Besonders die Französinnen waren mit der zweiten Spitze jetzt gefährlicher.

"Wir hatten nach dem Ausgleich eine sehr gute Chance, in Führung zu gehen. Diese Chance wird mich heute noch die ganze Nacht beschäftigen", haderte Pilard. "Wenn man diese Chancen nicht nutzt, dann kann man das Spiel nicht gewinnen."

In der Schlussphase versuchten beide Mannschaften noch einmal Druck zu machen, und das Spiel in der regulären Spielzeit zu entscheiden. Und das gelingt dann den Koreanerinnen. In der Schlussminute bringt Kim Song Hui einen Eckball hoch in den Strafraum. Dort steigt Hong Myong Gum am Elfmeterpunkt hoch und köpft den Ball unhaltbar ins rechte Eck zum Sieg. (2:1, 90.)

Nach dem Spiel war dem französischen Trainer die Enttäuschung natürlich anzusehen, aber auch der Stolz auf sein Team. "Ich bin stolz auf meine Spielerinnen, für alles was sie in diesem Spiel gemacht haben und für alles was sie in den letzten zwei Jahren geleistet haben. Heute geht eine Ära zu Ende, denn viele Spielerinnen werden jetzt in Zukunft im A-Nationalteam spielen.

Für Korea geht es nun im Halbfinale am Donnerstag in Moskau gegen das Team aus Brasilien. Doch der Torschützin des Führungstreffer und der besten Spielerin des Spiels, Kim Kyong Hwa ist vor den Südamerikanerinnen nicht bange. Sie blickt optimistisch auf das Spiel "Das wird nicht unser letzter Sieg gewesen sein, denn wir wollen Erster werden, um unseren tollen Fans für die großartige Unterstützung zu danken."

Spielerin des Spiels: Kim Kyong Hwa (PRK)
Sie war die entscheidende Spielerin heute. Sie ist eine exzellente Spielmacherin, hat ein Tor selbst erzielt. Sie verfügt über eine sehr gute Technik, verteilt den Ball hervorragend und ein Spiel entscheiden. Marika Domanski-Lyfors, Mitglied der Technischen Studiengruppe der FIFA (TSG).