Brasilien sicherte sich seinen Platz im Halbfinale der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 mit Leidenschaft, China mit Schlagkraft. Beide Teams setzten sich in ihren jeweiligen Viertelfinalpartien am 26. August im Moskauer Torpedo-Stadion durch.

Der erste Treffer der Brasilianerinnen fiel erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, der zweite dann nach einem Platzverweis gegen die nigerianische Torhüterin und dem darauf folgenden Freistoß, nach Ablauf der regulären Spielzeit. Der Asienmeister dagegen war wenig geneigt, es spannend werden zu lassen, und befand sich im Spiel gegen die Gastgeberinnen bereits nach 20 Minuten klar auf der Siegerstraße. Sein beeindruckendes Auftreten ließ anschließend keinerlei Hoffnung aufkeimen, dass es noch einmal spannend werden könnte.

Brasilien mit Mühe ...
Leidenschaft und Emotion bis zur letzten Sekunde kennzeichneten die Partie, die am Nachmittag in Moskau ausgetragen wurde. Brasilianerinnen und Nigerianerinnen boten ein intensives, ausgeglichenes Spiel mit Torgelegenheit auf beiden Seiten. Auf der Tribüne litt der brasilianische Stürmer von ZSKA Moskau, Vagner Love bei jedem gefährlichen Angriff auf das von Bárbara verteidigte Tor seiner Schützlinge mit. Die Afrikanerinnen, die von einer bunten Schar ihrer Anhänger lautstark unterstützt wurden, waren von Anfang an darauf aus, dem südamerikanischen Favoriten das Leben so schwer wie möglich zu machen.

In der letzten Aktion der ersten Halbzeit erzielte dann jedoch Brasilien den ersten Treffer. Nach einem Eckball kam Fabiana, am ersten Pfosten freistehend, zum Kopfball und bezwang Tochukwu Oluehi im Tor Nigerias. Die Afrikanerinnen zeigten sich davon jedoch keineswegs beeindruckt und dominierten in der zweiten Halbzeit zunächst die Partie. Cynthia Uwak, die bereits gegen Kanada in der Gruppenphase den entscheidenden Treffer erzielt hatte, zeigte erneut, dass sie mit Druck umgehen kann und erzielte gegen Bárbara den Ausgleich.

Als die Partie bereits auf eine Verlängerung zuzusteuern schien, ereignete sich der entscheidende Spielzug. Die reguläre Spielzeit war praktisch abgelaufen, als Oluehi ihren Strafraum verließ, um die heranstürmende Fabiana zu stoppen. Dabei brachte sie die brasilianische Stürmerin jedoch regelwidrig zu Fall. Rote Karte und ein Freistoß von der Strafraumgrenze aus waren die Folge. Der Ersatztorhüterin Christy Bulus fiel nun die undankbare Aufgabe zu, ohne Aufwärmen ins Spiel zu kommen. Danielle führte anschließend den Freistoß aus, und ihr Ball traf die Querlatte. Der Abpraller gelangte zu Adriane, die den Ball per Kopf ins nigerianische Tor setzte und für Jubelstürme auf der brasilianischen Bank sorgte. 

... China eindrucksvoll
Ma Xiaoxu kann weiter davon träumen, nicht nur den Weltmeistertitel, sondern auch zur Auszeichnung der besten Spielerin und erfolgreichsten Torschützin des Turniers zu ergattern. Mit ihrer Leistung sorgte sie dieses Mal für das Ausscheiden der Gastgeberinnen aus dem Wettbewerb. Nachdem man zuvor bereits einige Schrecksekunden überstanden hatte, gab es für die Russinnen in der 8. Minute den ersten Dämpfer, als Zi Jingjing nach hervorragendem Zuspiel von Ma allein vor Todua stand und der russischen Torfrau mit einem halbhohen harten Schuss keine Chance ließ.

Die Russinnen drückten nun aufs Tempo, um die chinesische Mauer zu überwinden, fingen sich jedoch zehn Minuten später den nächsten Treffer nach einer schönen Einzelaktion von Ma ein, die nach schönem Dribbling den Ball zwischen Todua und dem Pfosten ins Tor setzte. Es war das fünfte Tor der chinesischen Spielführerin. Sie hat bislang in jedem Spiel getroffen und führt die Torschützenliste des Turniers an.

Kurz vor der Halbzeit machte dann Zhang Wei Shuang endgültig alles klar, als sie den Ball, den Zi Jingjing zuvor an den Pfosten gesetzt hatte, von außerhalb des Strafraums mit einem gewaltigen Schuss in die Maschen setzte.

Petrus schien die sich abzeichnende Niederlage von Valentín Grishins Team ebenso zu beweinen wie die Zuschauer, denn nun regnete es ohne Unterlass. In der zweiten Halbzeit blieb dann Elena Danilova in der Kabine. Die russische Starstürmerin hat damit in diesem Turnier kein einziges Tor erzielt. Während die Gastgeberinnen nun ihrerseits Druck machten, um wenigstens den Ehrentreffer zu erzielen, nutzten die Chinesinnen eine der sich immer wieder bietenden Konterchancen. Bei einem Angriff, bei dem zwei russische Abwehrspielerinnen drei Chinesinnen gegenüber standen, wurde eine präzise Flanke auf You Ria gespielt, die den Ball problemlos ins russische Tor beförderte. Nach diesem klaren Spielstand beschloss der chinesische Trainer Shang Riuhua, dass es nun an der Zeit war, seine Spielführerin für das Halbfinale zu schonen.

Die Gegner der beiden Halbfinalisten werden am Sonntag in den in St. Petersburg ausgetragenen Viertelfinalpartien USA - Deutschland und DVR Korea - Frankreich ermittelt.