Sehr zur Enttäuschung der Fans im gut besuchten Torpedo-Stadion in Moskau gelang Gastgeber Russland der Halbfinaleinzug bei der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 nicht. Zu stark waren die Chinesinnen, die zu einem klaren 4:0-Sieg kamen. Die Mannschaft von Trainer Shang Ruihua setzte sich dank ihrer besseren Fitness und ihrer Effizienz bei Kontern ungefährdet durch.
"Ich möchte meinen Spielerinnen für dieses hervorragende Spiel danken", so der zufriedene Trainer Shang Ruihua nach der Partie. "Wir hatten Glück, dass wir zwei frühe Tore erzielen konnten. Das hatte natürlich positive Auswirkungen auf unser Spiel und es demoralisierte die Russinnen."
Bei den Russinnen war Nadezhda Kharchenko nach einer Verletzung wieder einsatzbereit, doch Anna Kozhnikova spielte dennoch wieder als Aushilfspartnerin für Elena Danilova im Sturm. Auf chinesischer Seite kam Verteidigerin Weng Xinzhi zu ihrem ersten Einsatz in Russland.
In der Tat waren die Chinesinnen bereits in der 8. Minute in Führung gegangen. Ma Xiaoxu und Zi Jingjing fanden sich in der russischen Hälfte nur zwei Gegenspielerinnen gegenüber und ließen sich diese Chance zum ersten Treffer nicht entgehen. Ma spielte auf Zi an der Strafraumgrenze, die den Ball schön mitnahm und dann aus gut 13 Metern einen kraftvollen Schuss unter die Latte setzte (1:0, 8.).
Die Russinnen hatten zwar in der Folge mehr Ballbesitz, doch die Vorstöße der Chinesinnen wirkten deutlich gefährlicher. Folgerichtig mussten die Asiatinnen nicht lange auf ihren zweiten Treffer warten. Nach einer guten Viertelstunde gelang es der russischen Torhüterin Elvira Todua zwar noch, einen scharf getretenen Freistoß von Zhuang Ran zu halten, doch kurz darauf war sie machtlos, als die bislang erfolgreichste Torschützin des Turniers ihren fünften Treffer erzielte. Nachdem Ma Xiaoxu sich im Strafraum gegen zwei Verteidigerinnen durchgesetzt hatte, schloss sie ihre Einzelaktion mit einem schön platzierten Schuss ins kurze Eck ab (2:0, 19.).
Die Antwort der Russinnen blieb auf einige Distanzschüsse von Oksana Titova beschränkt, die das chinesische Tor nicht ernsthaft gefährden konnten. Die im Angriff erneut auf sich allein gestellte Danilova fand kaum Möglichkeiten, sich ins Geschehen einzuschalten. Während den Russinnen kaum gefährliche Aktionen gelangen, musste in der 27. Minute Elena Morozova einen Ball von der Linie kratzen, um das 0:3 zu verhindern.
Doch mit ihrer Rettungstat hatte Morozova das Unvermeidliche nur aufgeschoben. Fünf Minuten vor der der Pause setzte Zi Jingjing den Ball aus knapp 20 Metern an den Pfosten, aber Zhang Wei Shuang reagierte am schnellsten und versenkte den Abpraller vorbei an der chancenlosen Todua zum 3:0.
Nach der Pause suchten die russischen Fans vergeblich nach Danilova, die wegen einer Verletzung nicht weiterspielte. Dennoch gingen die Gastgeberinnen den zweiten Durchgang mit neuer Energie an und eine Weile schien es, als sei möglicherweise doch noch nicht alles verloren. Die Chinesinnen zogen sich fast vollständig in ihre eigene Hälfte zurück und überließen den Gastgeberinnen die Initiative. Diese spielten sich in der Tat eine Reihe gefährlicher Chancen heraus und brachten das Tor von Zhang Yanru einige Male in Gefahr.
Als Morozova die am Elfmeterpunkt frei stehende Kozhnikova anspielte, hätte eigentlich ein Tor fallen müssen. Kozhnikova hatte in ihren beiden letzen Partien jeweils getroffen, doch dieses Mal zischte ihr Schuss über die Querlatte. Kurz darauf zog Elena Terekhova in aussichtsreicher Position ab, doch ihr Schuss flog genau in die Arme von Yanru. Und wie so oft im Fussball folgte die Strafe für die vergebenen Chancen sofort: bei dem schnellen Konterangriff der Chinesinnen kam der Ball zu der völlig freistehenden You Jia in der Mitte, die sich diese Chance trotz der herausstürmenden Todua nicht nehmen ließ (4:0, 60.).
Danach ließen sich die Asiatinnen wieder in ihre eigene Hälfte zurückfallen und griffen kaum noch ernsthaft an. Doch sie sorgten auch dafür, dass die Russinnen keine allzu große Gefahr entwickeln konnten. Bei den wenigen Torschüssen der Gastgeberinnen konnte Torhüterin Yanru ihre gute Form unter Beweis stellen.
Ihre beste Chance hatten die Gastgeberinnen in der 67. Minute, als Terekhova allein auf die chinesische Torhüterin Yanru zulief. Doch die chinesische Schlussfrau konnte den platzierten Schuss der Gegnerin gerade noch mit den Fingerspitzen um den Pfosten lenken.
Es gab noch eine Reihe weiterer Gelegenheiten für die Russinnen, wenigstens noch einen Ehrentreffer zu erzielen, doch sie konnten keine davon nutzen. Während die Gastgeberinnen sich also aus dem Turnier verabschieden, stehen die Chinesinnen im Halbfinale, wo sie auf den Sieger der Partie zwischen Titelverteidiger Deutschland und den USA treffen.
"Ich möchte der chinesischen Mannschaft für dieses sehr schöne Spiel danken. Sie waren heute das bessere Team", sagte Grishin auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Unsere Mädchen haben heute alles gegeben - sie haben eine tolle Leistung gezeigt, wenn man bedenkt, dass einige mit Verletzungen spielen mussten."
Beste Spielerin der Begegnung: Yue Min
"Sie kann das Spiel hervorragend lesen und die Verteidigung perfekt organisieren. Auch ihr Passspiel ist beeindruckend vielseitig. Yue Min ist eine intelligente Spielerin, die sich auf jeder Position nützlich machen kann. Außerdem ist sie eine erstklassige Manndeckerin." Connie Selby (AUS), Technische Studien-Gruppe der FIFA (TSG)