Als erste Mannschaft der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 steht Brasilien im Halbfinale. Im Moskauer Torpedo-Stadion gab es gegen Nigeria ein höchst dramatisches 2:1.

Im Spiel schien alles auf Verlängerung hinauszulaufen, ehe sich in der Schlussphase die Ereignisse überschlugen. Erst sah Tochukwu Oluehi die Rote Karte, dann verwandelten die Auriverde in der Nachspielzeit den aus dem Foul der nigerianischen Torfrau resultierenden Freistoß zum 2:1.  

"Wir haben zu viele Fehler gemacht - in der Abwehr, im Mittelfeld und im Angriff", so Nigerias Trainer Emmanuel Tetteh Okonkwo nach dem Spiel. "Diese Fehler haben uns das Spiel gekostet." Zu verstehen war dies wohl als Seitenhieb auf die Kurzschlussreaktion seiner Torhüterin.

Oluehi, die beim 8:0 gegen Finnland für die unsicher wirkende Christy Bulus in die Mannschaft gerutscht war, stand auch gegen Brasilien zwischen den Pfosten. Überhaupt waren die "Falconets" unverändert, und sie setzten ihre Gegnerinnen gleich unter Druck. 

Bei Brasilien spielte überraschend Pamela im Sturm, die Mannschaft wirkte jedoch bei den schnellen und dynamischen nigerianischen Vorstößen anfällig. Was Nigeria fehlte, war die nötige Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Acht Minuten vor dem Halbzeitpfiff fasste sich daher Spielführerin Akudo Sabi ein Herz und stürmte mit dem Ball am Fuß nach vorn, um beherzt aus fast 30 Metern abzuziehen. Ihr Schuss kam jedoch genau auf Barbara im brasilianischen Tor.

Als es schon so schien, als könnten die Canarinhos froh sein, mit dem 0:0 in die Pause zu gehen, erwachten sie plötzlich doch noch einmal zum Leben. Erst spielte Erika einen schönen Doppelpass mit Fabiana, täuschte an, ließ ihre Bewacherin stehen und nagelte das Leder an die Latte. Dann ging Brasilien in der Nachspielzeit der ersten Hälfte tatsächlich doch noch in Führung.

Bei Nigeria wird man sich über das Zustandekommen des Gegentreffers geärgert haben, denn nach einer vom Tor weg gezogenen Ecke durch Daiane stand Fabiana am kurzen Pfosten völlig ungedeckt. Mit ihrem Kopfball aus neun Metern ließ sie Oleuhi keine Chance (1:0, 45. +2).

Die zuvor überlegenen Nigerianerinnen kamen jetzt ins Schwimmen, und kurz nach Wiederbeginn hätte das Spiel schon gelaufen sein können. Pamela lief völlig frei auf Oleuhi zu und zwang diese zu einer Glanzparade.

Aber in Cynthia Uwak - der Torschützin des so wichtigen späten Tors gegen Kanada - hat der nigerianische Trainer Okonkwo eine Spielerin in seinen Reihen, die unter Druck erst so richtig aufzublühen scheint. Von Chikwell eingesetzt, erzielte sie mit einem präzisen Schuss ins lange Eck den Ausgleich (1:1, 65.).

Was folgte, war eine zerfahrene Phase, in der beide Mannschaften bemüht waren, keinen Fehler zu machen. Diesen machte dann letztlich Oleuhi, als sie aus ihrem Tor stürzte und Fabiana von den Beinen holte, die vor ihr an den Ball gekommen war. Nach dieser Aktion wurde Oleuhi des Feldes verwiesen.

Die erste Tat der eingewechselten Ersatztorfrau Christy Bulus bestand darin, den Freistoß von Danielle an die Latte zu lenken, die zweite darin, den Ball aus dem Netz zu holen. Adriane hatte am schnellsten reagiert und den Abpraller eingeköpft. Die Jubelszenen auf der brasilianischen Bank kannten danach keine Grenzen mehr (2:1, 90. + 6).

"Das Ergebnis ist mir gleich, Hauptsache gewonnen", sah es Brasiliens Trainer Jorge Barcelos nüchtern. "Gegen eine so gute Mannschaft wie Nigeria gewinnt man niemals mit mehr als zwei Toren Vorsprung. Fussballerisch bewegen sich beide Mannschaften auf gleich hohem Niveau. Mir ist es auch egal, wen wir im Halbfinale bekommen. Wer den Titel holen will, darf sich keine großen Gedanken machen, wer der nächste Gegner ist."

Fabiana, deren beherztes Nachsetzen den Sieg der Auriverdes überhaupt erst möglich machte und die später auch zur besten Spielerin der Begegnung ernannt wurde, gab sich nach dem Schlusspfiff bescheiden. "Nigeria hat eine ganz starke Mannschaft, gegen die man nur als Team bestehen kann", so Fabiana. "Ich habe nur versucht, auf die Schulter der Abwehrspielerin zu spielen, und das hat gut geklappt."

Beste Spielerin der Begegnung: FABIANA
"Fabiana hat im ersten Durchgang ein schönes Tor gemacht und war an allen brasilianischen Angriffen beteiligt." Fran Hilton-Smith (RSA), Technische Studien-Gruppe (TSG) der FIFA