Fussball ist keine Sportart, in der es immer gerecht zugeht und die besten Mannschaften sich auch tatsächlich durchsetzen. In Gruppe B der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft hat jedoch jeder das bekommen, was er verdient hat.

Dass die VR China alle drei Gruppenspiele gewann, war sicherlich nicht besonders überraschend, wenn man berücksichtigt, dass die Chinesinnen in Gestalt von Ma Xiaoxu die wohl beste Spielerin des Turniers in ihren Reihen haben. Am Ende waren die Asienmeisterinnen einfach eine Klasse besser als ihre tapfer kämpfenden Gegner. Am anderen Tabellenende gaben die Finninnen alles, es zeigte sich jedoch eindeutig, dass der Kader nicht breit genug besetzt war.

Nur Kanada und Nigeria lagen leistungsmäßig nah beieinander, wobei die Afrikanerinnen den Einzug ins Viertelfinale aufgrund der besseren Technik und dem durchschlagskräftigeren Angriff am Ende verdient haben.

1. VR China, 9 Punkte
Als China im Auftaktspiel bereits in der ersten Spielminute gegen Finnland in Rückstand geriet, fragten sich bereits einige, ob die Schützlinge von Shang Ruihua ihrem Favoritenstatus in dieser Gruppe vielleicht doch nicht gerecht werden würden. Diese Zweifel sollten jedoch sehr schnell wieder zerstreut werden.

Das vielleicht bemerkenswerteste an der Mannschaft des Asienmeisters ist, dass sie nach diesem frühen Gegentreffer (einem Eigentor) keinen einzigen mehr hinnehmen musste und das Tor auch kaum noch ernsthaft in Gefahr geriet. Der kanadische Trainer Ian Bridge, der mit ansehen musste, wie sein Team kontinuierlich angriff und den Ball dennoch nicht im Tor der Chinesinnen unterbringen konnte, sagte über Shangs Mannschaft: "In der Defensive ist diese Mannschaft sicherlich eine der besten - vielleicht sogar die beste - die ich in dieser Altersstufe jemals gesehen habe."

Natürlich sind die Chinesinnen nicht nur in der Abwehr hervorragend. Im Angriff verfügen Sie mit Ma Xiaoxu über eine ganz besondere Spielerin. Eine Stürmerin mit so vielfältigen Fähigkeiten, dass viele sie bereits zu den besten Spielerinnen im Frauenfussball zählen. In dieser Altersklasse kann ihr definitiv keine das Wasser reichen. Der chinesische Trainer macht indes keinen Hehl aus seinen Wettbewerbszielen. Als er danach gefragt wurde, ob bei dieser Auflage noch mehr erreicht werden könne, als eine Wiederholung des Finaleinzugs 2004, antwortete er kurz und knapp: "Ja, so sollte es sein."

2. Nigeria, 6 Punkte
Obwohl die Nigerianerinnen in Afrika bereits als dominierende Kraft im Frauenfussball etabliert sind, hatten vor Beginn dieser U-20-WM wohl nur wenige damit gerechnet, dass die Afrikanerinnen sich zwischen die beiden Zweitplatzierten der letzten beiden Auflagen schieben könnten. Die Kanadierinnen mussten jedoch im Auftaktspiel erkennen, dass die Nigerianerinnen nicht nur alle Eigenschaften aufweisen, die afrikanischen Mannschaften traditionell zugeschrieben werden (Schnelligkeit, Kraft, Athletik und technische Stärke), sondern auch über eine mentale Stärke verfügen, die viele ihnen nicht zugetraut hatten.

Als es Emmanuel Tetteh Okonkwos Spielerinnen gelang, in den letzten acht Minuten gegen Kanada noch den 2:2-Ausgleich und dann sogar den 3:2-Siegtreffer zu erzielen, waren sie schon vom ersten Spiel an auf dem richtigen Weg. Gegen die technisch versierten, konterstarken Chinesinnen musste das Team dann zwar eine Niederlage hinnehmen, blieb jedoch immer auf Viertelfinalkurs.

Am Ende sicherte man sich den Einzug in die Runde der letzten Acht mit einem 8:0-Kantersieg gegen Finnland, bei dem die beeindruckende Bandbreite der Okonkwo zur Verfügung stehenden Angriffsoptionen deutlich zutage trat. Flügelspielerin Cynthia Uwak, die in der Partie gegen Kanada die beiden letzten und entscheidenden Tore erzielte, kann nur als herausragend bezeichnet werden, genau wie ihre Stürmerkollegin Maureen Eke. Die Leistungen von Torfrau Christy Bulus sind zwar nicht unbedingt beständig, Mannschaftsführerin Akudo Sabi sorgt jedoch dafür, dass die Abwehr immer auf dem Posten ist.  

3. Kanada, 3 Punkte
"Natürlich sind wir enttäuscht, dass wir nun abreisen müssen, denn wir hatten uns mehr ausgerechnet." So die Aussage des kanadischen Trainers Ian Bridge, nachdem feststand, dass das Turnier für seine Mannschaft nach der Gruppenphase beendet sein würde. Dieses Schicksal zeichnete sich bereits nach dem Auftaktspiel ab, als das Team durch einen Treffer in der Nachspielzeit gegen Nigeria verlor.

Die Nordamerikanerinnen sicherten sich zwar in der zweiten Partie gegen Finnland noch einen 2:0-Erfolg, bei dem Jodi-Ann Robinson eine exzellente Vorstellung bot. Der Härtetest stand dann allerdings in der letzten Partie an. Bridge nahm einige taktische und personelle Änderungen vor und hatte damit zunächst auch Erfolg. Seine Mannschaft war den starken Chinesinnen über weite Strecken zumindest ebenbürtig. Gleichzeitig neutralisierten sich die beiden Teams jedoch gegenseitig in einem hart umkämpften Spiel, bei dem kaum Torchancen herausgespielt wurden.

Am Ende bestätigte Ma ihren Status als beste Spielerin der Gruppe mit einer hervorragenden Einzelleistung, die im alles entscheidenden Tor gipfelte. Bridge konnte sich zwar damit trösten, dass Spielerinnen wie Robinson, Loredana Riverso und Amanda Cicchini hier eine großartige Leistung abgeliefert haben, musste aber dennoch zugeben, dass seine Mannschaft nicht unverdient frühzeitig ausgeschieden ist.

4. Finnland, 0 Punkte
Bei aller Begeisterung, die seine Spielerinnen vor Turnierbeginn zeigten, blieb Trainer Jarmo Matikainen hinsichtlich der Chancen des Außenseiters immer realistisch. So wird es ihn sicherlich nicht überrascht haben, dass seine Mannschaft ohne einen einzigen Punkt auf dem Konto aus dem Turnier scheidet.

"Wir sind ein kleines Land, dies ist unsere erste WM-Teilnahme im Frauenfussball und für uns ist es schon ein Erfolg, hier dabei zu sein", wiederholte er im Turnierverlauf immer wieder. Die heldenhafte Leistung seines Teams gegen China übertraf dann seine Erwartungen, gegen Nigeria hätte es hingegen etwas besser laufen können, aber alles in allem sind Matikainens Spielerinnen nicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Bevor sie krank wurde und daher beim zweiten Spiel Finnlands pausieren musste und beim dritten einen abgeschlagenen Eindruck machte, zeigte Linda Sallstrom, dass sie eine schnelle und gefährlich Spielerin ist, die ganz oben mithalten kann. Leider wurde die Ausnahmestürmerin jedoch von ihren Mannschaftskameradinnen nicht ausreichend mit verwertbaren Bällen versorgt - ein Problem, mit dem Matikainen wahrscheinlich noch länger zu kämpfen hat.