Von den 336 Spielerinnen, die in Russland bei der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft dabei sind, können nur fünf von sich behaupten, auch bei den beiden vorherigen Ausgaben dabei gewesen zu sein. Jeder, der auch nur eine Sekunde Akudo Sabi in diesem Turnier in Aktion gesehen hat, wird keinen Zweifel daran haben, dass sie zu diesen fünf gehört.

Obwohl sie immer noch ein Teenager ist - sie hatte mit gerade einmal 15 Jahren die Reise nach Kanada 2002 mitgemacht - entspricht Nigerias Spielführerin genau dem Klischee des 'erfahrenen Kopfes auf jungen Schultern', wenn man sie nachdenklich und doch bestimmt abseits des Platzes erlebt oder ihre intelligente und bestimmende Spielweise im Herzen der Abwehr der nigerianischen U-20-Auswahl bewundern darf.

Sie mag physisch nicht so beeindruckend wie ihre chinesischen, koreanischen oder deutschen Gegenspielerinnen sein, aber viele größere Gegnerinnen sind von dieser dynamischen Verteidigerin bereits im Zweikampf bezwungen, übersprungen oder überlaufen worden. In der Tat macht die Spielerin, die in den letzten vier Jahren so viel Erfahrungen sammeln konnte, sich immer wieder ihre beeindruckende Athletik zunutze.

"Da dies nun schon meine dritte Weltmeisterschaft ist, habe ich das Gefühl, dass es nichts Neues für mich ist und dass mir nichts Sorge bereitet", erklärte Sabi gegenüber FIFA.com. "Ich weiß noch, wie schwer es war, als ich mit der Mannschaft nach Kanada gefahren bin, denn damals war ich noch ein kleines Mädchen und musste gegen viel größere, physisch stärkere und bessere Spielerinnen, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte, antreten.

Physisch und mental war es eine große Herausforderung für mich. Aber ich habe meine Lektionen schnell gelernt. Zwei Jahre später in Thailand habe ich dann weitere Erfahrungen gesammelt. Jetzt fühle ich mich in der Lage, einige dieser Dinge an die jungen Spielerinnen in unserem Kader weiterzugeben. Ich weiß, dass sie, auch wenn es hart für sie ist, durch diese Erfahrungen bessere Spielerinnen werden, genau wie ich damals."

Nigeria dürfte sicherlich eine harte Nuss für das brasilianische Team werden, wenn die beiden Mannschaften morgen im Torpedo-Stadion von Moskau im Viertelfinale aufeinander treffen. Angesichts der Offensivqualitäten beider Teams sieht alles nach einer packenden Partie mit Torraumszenen auf beiden Seiten aus. 

"China sparen wir uns für das Finale auf"
Es wäre schön, wenn die Partie sich auf dem Niveau des Spieles in Thailand 2004 bewegen würde. Damals, in Gruppe B, setzte sich Nigeria in einer ereignisreichen und dramatischen Partie durch das entscheidende von fünf Toren in der Nachspielzeit gegen eine brasilianische Mannschaft durch, die schon früh auf zehn Spielerinnen reduziert wurde.

Sabi erinnert sich gut daran, da sie auch damals schon die Kapitänsbinde trug. Obwohl sie es morgen wieder mit vielen alten Bekannten zu tun bekommen wird, wie zum Beispiel Renata Costa, Aliane und Maurine, denkt sie doch vor allem an die große Spielerin, die in Russland 2006 nicht dabei ist.

"Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mehr viel von der brasilianischen Mannschaft. Nur an eine kann ich mich noch erinnern, die großartige Marta", erzählt sie. "Wir haben an jenem Abend zwar gewonnen, aber ich kann mich noch gut daran erinnern, wie schwer Marta uns das Leben gemacht hat. Es ist ein Jammer für dieses Turnier, dass sie nicht dabei ist, obwohl von unserem, dem nigerianischen Standpunkt aus, wir darüber nicht allzu traurig sind.

Auf jeden Fall glaube ich, dass es auch ohne sie ein großes Spiel werden wird. Beide Mannschaften spielen guten Fussball und unsere Spielweisen sollten dafür sorgen, dass es eine aufregende und für die russischen Zuschauer attraktive Partie wird."

Die Zuschauer zu unterhalten, ist eines von Sabis Zielen. Das Spiel zu gewinnen, ganz offensichtlich ein anderes. Doch für die junge Frau, die in Nigeria bei den Bayelsa Queens unter Vertrag steht, spielt es auch eine große Rolle, in ihrer Heimat und dem ganzen afrikanischen Kontinent mehr Respekt und Anerkennung zu erfahren.

Dem Frauenfussball in Afrika fehlt es traditionell an Unterstützung, sowohl in finanzieller wie auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Schon Finnlands Trainer Jarmo Matikainen erklärte vor dem Turnier, dass "er die nigerianischen Spielerinnen wirklich bewundere" für deren Entschlossenheit, sich für die Sache des Fussballs trotz der allgemein herrschenden Gleichgültigkeit ihnen gegenüber einzusetzen. Sabi glaubt, dass sich die Dinge glücklicherweise nun zum Besseren wenden könnten und ist überzeugt, dass ihr Team dadurch, dass man möglichst lange in Russland 2006 dabei bleibt, diesen Prozess beschleunigen kann.

"Der Frauenfussball in Nigeria muss sicher noch professioneller werden und mehr Anerkennung finden", räumt sie ein. "Ich sehe aber, dass im Internet schon sehr viele schöne Dinge über unser Auftreten hier geschrieben werden. Ich glaube, dass die Leute anerkennen, was wir für unser Land leisten.

Wie Sie wissen, haben wir vor dem Turnier noch einen aufmunternden Brief von unserem Präsidenten erhalten. Wenn wir es bis ins Finale schaffen sollten - was meines Erachtens durchaus möglich ist - dann würde das zu Hause für großes Aufsehen sorgen. Das ist ein realistisches Ziel für uns, und es würde sehr viel ausmachen.

Manche werden an die Niederlage gegen China denken und glauben, dass wir keine Chance haben. Ich kann Ihnen jedoch sagen, wenn wir erneut gegen sie antreten müssten, würde das Spiel ganz anders ausgehen. Ich möchte wirklich noch einmal gegen die Chinesinnen antreten. Aber die sparen wir uns für das Finale auf."