Die Gruppenphase ist beendet und die Viertelfinalpaarungen stehen damit fest. Die ersten vier Mannschaften aus den Gruppen A und B hatten sich bereits gestern qualifiziert. Heute nun zogen die restlichen Mannschaften nach. Nordkorea trifft nun im Viertelfinale auf Frankreich und die USA müssen im Spitzenspiel gegen Deutschland ran.
Die Partie Deutschland gegen die USA ist dabei das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen der beiden letzten Gewinner des Turniers. Zustande gekommen ist es, weil die Koreanerinnen in Gruppe C weiter eine weiße Weste behielten und die USA in Gruppe D das Spiel gegen den Tabellenzweiten Frankreich gewannen.
Wie schon gestern begannen auch die Spiele heute mit einer Schweigeminute für die Opfer von Flug FV 612. In St. Petersburg war die Ehrerbietung besonders ergreifend, da das Flugzeug aus dem Schwarzmeerhafen Anapa dort hätte ankommen sollen. Niemand wagte es, die Stille der Schweigeminute zu stören. Danach aber legten die Mannschaften gleich richtig los und die Tore ließen auch nicht lange auf sich warten.
Gruppe C: Mexiko auch mit Sechserabwehr zu schwach für Nordkorea
War Nordkorea zu Beginn des Turniers noch die große Unbekannte, so hat sich das inzwischen gründlich geändert. Mexiko jedenfalls zeigte deutlichen Respekt vor dem Tabellenführer und bot gleich sechs Abwehrspielerinnen auf, aber auch damit waren die Koreanerinnen nicht in Schach zu halten.
"Korea hat sehr schnelle, technisch starke Spielerinnen und ist sehr gut eingespielt", lobte Mexikos Trainer Cuellar den würdigen Gruppenersten. "Die spielen wie eine gut geölte Maschine."
Komplimente, die Choe Kwang Sok nur zu gern entgegengenommen haben wird. Unterstützt von der inzwischen gewohnten, lautstarken und Flaschen schwingendende Fanschar stürmten die Asiatinnen zu einer 3:0-Halbzeitführung, ohne dabei wirklich aufs äußerste gefordert zu sein.
Kim Hyang Mi erzielte die Führung in der 33. Minute, indem sie sich mitten durch die mexikanische Abwehr tankte und den Ball über die Linie spitzelte. Zwei Minuten darauf fiel das 2:0 durch einen schönen Freistoß von Kim Kyong Hwa. Kil Son Hui baute die Führung für ihre Mannschaft schließlich mit dem dritten koreanischen Tor binnen neun Minuten noch aus. Nach einer Stunde machte O Kum Hui den Sieg dann endgültig perfekt.
Nordkorea blieb damit auch im dritten Spiel in Folge ohne Gegentor. Das hat in Russland 2006 ansonsten nur noch Brasilien geschafft. Mit zehn Toren liegen die Koreanerinnen in der Liste der torgefährlichsten Mannschaften zudem auf Platz 3 hinter Deutschland (15 Tore) und Nigeria (11).
Die Deutschen wiederum zeigten sich von ihrer Auftaktniederlage gegen Nordkorea weiter gut erholt und fertigten die Schweiz mit 6:0 ab. Hinterher war man sich zwar allgemein einig, dass das Ergebnis dem aktuellen Titelträger schmeichelte, nicht wegzudiskutieren aber ist, dass Deutschland doppelt so viele Schüsse aufs Tor brachte wie die Mannschaft aus dem Nachbarland (12 zu 6).
Trainerin Maren Meinert sprach anschließend dennoch von "Fehlern in der Mannschaft", die Deutschland unnötig in Schwierigkeiten gebracht hätten. "Daran werden wir arbeiten", versicherte sie.
Gruppe D: USA übertrumpfen Frankreich und Argentinien verabschiedet sich großartig
Im Dynamo-Stadion von Moskau kam es am Abend dann zu einem der bislang ausgeglichensten Partien der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006. In Gruppe D ging es zwischen den USA und Frankreich um den Gruppensieg.
Die Amerikanerinnen - Turniersieger von 2002 - gingen als Favorit in das Spiel und rechtfertigten diese Einstufung auch allein durch Amy Rodriguez, die im ersten Durchgang indes auch beste Chancen ungenutzt ließ. Auf der anderen Seite wuchs bei Elodie Thomis allmählich der Frust über ihre Erfolglosigkeit. Am Antritt mangelt es der Stürmerin noch immer nicht, aber die frei vor Val Henderson vergebenen Chancen sind Ausdruck schwindenden Selbstvertrauens.
Bemerkenswerterweise war besagte Val Henderson nun schon die dritte Torhüterin im dritten Gruppenspiel der USA, aber sie rechtfertige ihre Aufstellung vor allem im zweiten Durchgang mit großartigen Paraden und trieb die Französinnen damit schier zur Verzweiflung. Amandine Henry schaffte es beispielsweise nicht, den Ball aus vier Metern im gegnerischen Tor unterzubringen.
Die Mannschaft von Stéphane Pilard, die zu diesem Zeitpunkt schon ohne Coralie Duscher auskommen musste, bei der Verdacht auf einen Bruch des Handgelenks besteht, wurde dann für ihre vergebenen Torchancen bestraft, als die eingewechselte Jessica Rostedt von der Strafraumgrenze aus traf.
Es war das Tor des Tages und für die USA gleichzeitig die große Chance auf eine Revanche gegen Deutschland, an dem man in Thailand 2004 im Halbfinale gescheitert war.
Im zweiten Spiel der Gruppe kam Argentinien in Unterzahl zu einem 4:0 gegen die DR Kongo. Ludmila Manicler erzielte dabei den dritten Hattrick des Turniers. Auch der Platzverweis gegen Gabriela Chavez in der 68. Minute wegen Nachtretens gegen Tresorine Nzuzi brachte die Mannschaft von Jose Carlos Borrello nicht aus dem Tritt. So konnte Argentinien die Heimreise mit einem Erfolgserlebnis antreten.