Der Preis für das Spiel am 24. August im Dynamo-Stadion von Moskau war schnell benannt: Der erste Platz in Gruppe D und der vermeintlich schwächere Gegner im Viertelfinale. Aber wenn dieser Gegner entweder Deutschland (15 Tore in zwei Spielen) oder Korea (ein Gegentor in drei Spielen) heißt, kann das schnell zur Wahl zwischen Pest und Cholera werden ...

U.S.-Trainer Tim Schulz blieb sich treu und würfelte auch in der dritten Begegnung seine Mannschaft gründlich durcheinander. Sechs Änderungen gab es gegenüber dem Spiel zuletzt. Noch ungewöhnlicher mutete an, dass Schulz im dritten Spiel die dritte Torhüterin nominierte. "Ich habe das Glück, 21 hervorragende Spielerinnen zu haben, also kann ich durchwechseln und ändern", erklärte Schulz später. Auch auf französischer Seite gab es einige Änderungen. Die vielleicht wichtigste betraf die gegen Kongo erfolglose Stürmerin Marie-Laure Delie.

Im kühlen Dynamo-Stadion von Moskau hatten die Amerikanerinnen in einem relativ ereignisarmen Spiel die erste Gelegenheit. Lauren Cheney, in Russland zum ersten Mal am Ball, schoss den Ball nur knapp über das gegnerische Tor (3. Minute). In der zehnten Minute dann spielte sie einen doppelten Doppelpass mit Amy Rodriguez, doch die Kalifornierin verfehlte den Winkel ganz knapp. Auf Zuspiel von Jordan Angeli hatte die Stürmerin dann eine weitere Chance, aber ihr strammer Schuss von der Strafraumgrenze verfehlte das Tor.

Aber das zeigte, wie sehr die Amerikanerinnen das Spiel in der Hand hatten. "Wir spielen normalerweise stark über die Flügel, aber die haben die Amerikanerinnen diesmal gut zugemacht. Dadurch hatten wir es schwer", analysierte Stéphane Pilard die Partie. Allerdings waren es die Französinnen, die die beste Gelegenheit hatten. Nach einem langen Ball nutzte Elodie Thomis eine Unachtsamkeit von Nikki Krzysik und stand plötzlich frei vor Val Henderson. Aber die U.S.-Torhüterin rettete mit einer echten Glanzparade (28.). "Wir wollten unbedingt ein Gegentor vermeiden und ich bin froh, meinen Beitrag dazu geleistet zu haben", so die Torhüterin. Frankreich hat gut gespielt, aber ich glaube, dass es der Abwehr im Zusammenspiel mit mir gelungen ist, sie zu beherrschen."

Rostedt kommt, sieht und siegt
Nach der Pause war das Spiel kurzzeitig etwas ausgeglichener. Im Anschluss an einen Eckball kam Sabrina Delannoy an den Ball und ihren Schuss klatschte Henderson vor die Füße von Amandine Henry. Die Mittelfeldspielerin zog auch sofort ab, aber Henderson bügelte ihren Fehler sofort wieder aus (52.). Die frisch eingewechselte Jessica Rostedt versuchte nach einem Konter einen Heber über Sarah Bouhaddi hinweg, hatte aber das Visier nicht richtig eingestellt (53.).

Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Auf links freigespielt versuchte es die Studentin der Universität von Virginia mit einem 16-Meter-Schuss. Bouhaddi war geschlagen (1:0, 61.). Einige Minuten darauf hatte Chenney die Chance, die Führung auszubauen. Doch ihr Schuss mit dem Außenrist im Strafraum landete an der Latte (67.).

Die Amerikanerinnen kontrollierten in der Folge das Spiel, ohne sich jedoch viele Chancen zu erspielen. Rostedt vergab frei stehend die große Gelegenheit zum 2:0 (77.). Louisa Necib versuchte es aus der Distanz, aber ihr Schuss kam nicht aufs Tor (87.). Am Ergebnis änderte sich nichts mehr. Die letzte Chance des Spiels hatte erneut Rostedt nach einem Konter (90.). Die USA belegen damit den ersten Gruppenplatz.

"Frankreich ist mit seiner gut organisierten Defensive eine schwer zu schlagende Mannschaft. Wir hatten das Glück, diese Abwehr einige Male zu knacken und das Tor zu erzielen. In der französischen Elf stehen einige der besten Spielerinnen der Welt. Ich bin daher sehr zufrieden mit meinen Spielerinnen."

Kollege Pilard machte sich derweil schon Gedanken um das Viertelfinale. "Ob Deutschland oder Korea ist mir egal. Das Spiel gegen die USA jedenfalls war eine Erfahrung auf sehr hohem Niveau für meine Spielerinnen. Ich hoffe, dass wir davon schon gegen Korea profitieren können."

Beste Spielerin der Partie: Val Henderson (USA)
"Die Torhüterin der USA war sicher bei hohen Bällen und in der Strafraumbeherrschung. Sie hat viel mit ihren Vorderleuten gesprochen und im ersten Durchgang zwei Mal mit großartigen Reflexen pariert. Was die französischen Angreiferinnen an Möglichkeiten hatten, machte sie zunichte." - Connie Selby (AUS), Mitglied der Technischen Studien-Gruppe der FIFA (TSG)