Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar: Deutschland musste gewinnen, um ganz sicher die Qualifikation fürs Viertelfinale in der Tasche zu haben. Trainerin Maren Meinert ließ bis auf eine Änderung die gleiche Mannschaft auflaufen, die schon Mexiko mit 9:1 vom Platz gefegt hatte. Janina Haye klagte kurz vor der Partie über Meniskusbeschwerden und musste durch Carolin Schiewe ersetzt werden. Auf Seiten der Schweizer änderte Trainer Claudio Taddei sein Team auf zwei Positionen, brachte Francesca Stillhard und Simone Zahno von Beginn an.
Die Deutschen knüpften da an, wo sie gegen Mexiko aufhörten, beim Toreschießen. Es waren noch keine vier Minuten gespielt da stand es schon 1:0. Celia Okoyino Da Mbabi bediente Fatmire Bajramaj mustergültig, die den Ball aus halbrechter Position flach ins linke untere Eck beförderte. (1:0, 4.)
Mit der Führung im Rücken waren die Deutschen die Spiel bestimmende Mannschaft, doch die Schweiz kämpfte und kam immer wieder zu guten Möglichkeiten. So verpasste Francesca Stillhard eine präzise Flanke nur knapp mit dem Kopf, und Vanessa Bürki konnte sich einige Male gut vor dem deutschen Tor ins Szene setzen.
Den stürmischen Wind im Petrovsky-Stadion von St. Petersburg nutzten die Deutschen im ersten Durchgang zu langen Pässen. Wie in der 22. Minute, als ein langer, Raum öffnender Pass von Monique Kerschowski fast über das gesamte Spielfeld flog und auf links Simone Laudehr fand, die Richtung Tor sprintete und unhaltbar für Torhüterin Stenia Michel unter die Querlatte zum 2:0 traf (22.)
Taddei wechselte im Anschluss aus, brachte mit Flavia Schwarz eine neue Spielerin für Isabelle Kaufmann. Mitte der ersten Halbzeit boten sich den Schweizerinnen mehrere gute Möglichkeiten zum Anschlusstreffer. So standen zweimal Ramona Bachmann und einmal Vanessa Bürki völlig frei vor Romina Holz, doch beide brachten den Ball nicht an Deutschlands Keeperin vorbei ins Netz.
"Am Ende zählt nur das Ergebnis, und das ist 0:6", sagte der Schweizer Trainer Claudio Taddei nach dem Spiel enttäuscht, "wenn du deine Chancen nicht verwertest, kannst du nichts gewinnen."
Da nutzen die deutschen Spielerinnen ihre Chancen besser aus: Kurz vor dem Halbzeitpfiff spielt Nadine Kessler eine schöne Flanke über die gesamte Abwehr der Schweizer in den Lauf von Celia Okoyino Da Mbabi, die den Ball zur 3:0-Pauseführung einschieben konnte (45.).
"Das Ergebnis erzählt nicht die Geschichte des Spiels.Ich war in der ersten Halbzeit nicht zufrieden wie wir als Team agiert haben. Aber wir sind aufgrund unserer individuelle Stärke in Führung gegangen", erläuterte Deutschlands Trainerin Maren Meinert nach dem Spiel. "Die Probleme, die wir hatten, resultierten nicht aus Fehlern in der Abwehr, sondern aus Fehlern des gesamten Teams. Daran müssen wir noch arbeiten."
Mit Beginn der zweiten Halbzeit kam im deutschen Team Juliane Höfler für Carolin Schiewe, die nach ihrer zweiten Gelbe Karte fürs Viertelfinale gesperrt ist - ebenso wie Monique Kerschowski nach der zweiten Gelben Karte.
Auch im zweiten Durchgang änderte sich nicht viel am Spielverlauf. Deutschland nach wie vor mit mehr Spielanteilen, doch die Schweizerinnen kamen zu guten Chancen, scheiterten aber wie schon in der ersten Hälfte an Romina Holz.
Nach einem Foul im Strafraum von Caroline Abbe an Nadine Kessler zeigte Schiedsrichterin Dianne Ferreira-James aus Guayana auf den Elfmeterpunkt. Fatmire Bajramaj ließ sich die Chance nicht nehmen und erzielte mit einem platzierten Schuss in den Winkel ihren zweiten Treffer des Tages. (4:0, 62.)
Mitte der zweiten 45 Minuten entwickelte sich Stenia Michel im Tor der Schweizerinnen immer mehr zum unüberwindbaren Hindernis für die deutsche Mannschaft, als sie ein ums andere Mal in höchster Gefahr klären konnte und einen noch höheren Rückstand verhinderte.
Einen nur achtminütigen Auftritt hatte Sandy Maendly. Die Schweizerin kam in der 75. Minute für Barbara Beutler ins Spiel, sah in der 76. Minute die Gelbe und in der 83. Minute die Rote Karte.
Deutschlands beste Spielerin, Nadine Kessler, krönte ihre Leistung in der 85. Minute, als sie nach einem schönen Steilpass von Meike Weber in den Lauf das 5:0 erzielte. "Ich bin sehr überrascht und stolz über die Auszeichnung zur Spielerin des Spiels. Man darf das Ergebnis aber nicht mit dem Spielverlauf vergleichen. Ich hätte das nicht so hoch erwartet. Wir hatten ein Quäntchen mehr Glück als die Schweizer", so Nadine Kessler.
Kurz vor dem Schlusspfiff markierte Anna Blässe nach schöner Vorarbeit von Simone Laudehr den 6:0 Endstand. "Ich bin sehr zufrieden, dass wir im Viertelfinale sind, weil man das nach dem ersten Spieltag nicht so erwartet hätte", war Meinert erleichtert. Auf die Frage, wer ihr denn lieber wäre im Viertelfinale, die USA oder Frankreich erklärte sie selbstbewusst: "Das ist mir völlig egal."
Spielerin des Spiels: Nadine Kessler (GER)
Sie ist eine exzellente Spielerin, die über sehr gutes Auge und Technik verfügt. Sie verliert selten den Ball, hat heute die entscheidenden Pässe gespielt und zudem ein Tor selbst gemacht. Sie ist enorm effizient. - Sylvie Beliveau, Mitglied der Technischen Studiengruppe der FIFA (TSG)