Für die Spielerinnen von Brasilien war schon vorher klar, wer am Ende die Nase vorne haben wird: "Favorit Brasil" sagten sie selbstbewusst im Gespräch mit FIFA.com bereits zu Beginn des Turniers. Und am Ende sollten sie - zumindest vorläufig - Recht behalten. Denn Brasilien sicherte sich den Spitzenplatz in Gruppe A und zog damit zusammen mit dem zweitplatzierten Russland ins Viertelfinale ein. Australien und Neuseeland mussten beim Turnier noch Lehrgeld zahlen, traten aber mit viel Selbstbewusstsein und Stolz die Heimreise an.
1. Brasilien, 5 Punkte
Betrachtet man die nüchternen Zahlen etwas genauer, so sieht man, dass das Endergebnis gar nicht so klar war wie es scheint. Mit einem 0:0 gegen Gastgeber Russland starteten die Samba-Königinnen in das Turnier. Keine Tore gab es auch im letzten Spiel gegen Neuseeland, was aber schließlich genügte, um den ersten Platz zu sichern. Das Team von Trainer Jorge Borcelos zeigte nur einmal seine Klasse, nämlich im Spiel gegen Australien, als sie sich mit 2:0 durchsetzten. Fabiana und Francielle per Elfmeter erzielten die bislang einzigen brasilianischen Treffer.
"Von Brasilien wird immer guter Fussball erwartet. Aber bei einer WM zählen die Ergebnisse. Wir sind als Gruppenerster weiter, das allein zählt", erklärte der Trainer pragmatisch. Gegen Nigeria erwartet die Südamerikanerinnen nun ein anderes Kaliber. "Ich kann Ihnen versichern, dass auch ich mir von meiner Elf besseren Fussball wünsche, zumal ich weiß, dass die Spielerinnen das können."
2. Russland, 5 Punkte
Nicht viel besser lief es für den zweiten Favoriten der Gruppe, Russland. Mit der Unterstützung der Fans im Rücken hatte man sich vom Gastgeber sicherlich mehr erwartet. Doch auch für die Europäerinnen galt das Motto: Am Ende zählt nur das Ergebnis. Von dem großen Star der Mannschaft, Elena Danilova war bislang noch nicht viel zu sehen. Mit sieben Treffern noch Torschützenkönigin der UEFA U-19 Europameisterschaft in der Schweiz, traf sie in ihrer Heimat bislang kein einziges Mal.
Zumindest sorgten die Gastgeberinnen aber immer wieder für spannende Spiele. Gegen Neuseeland mussten die Zuschauer bis zur 93. Minute warten, bis der erlösende Siegtreffer von Svetlana Akimova fiel, im letzten Spiel genügte ein Unentschieden gegen Australien, um diese nicht vorbeiziehen zu lassen, und den zweiten Platz zu behaupten. Doch es war eine Zitterpartie, denn die Spielerinnen vom fünften Kontinent machten es den Russinnen enorm schwer. Zunächst glichen sie die 1:0-Führung aus und hatten am Ende Riesenpech, als Torhüterin Todua in der Schlussminute den Ball durch die Beine flutschen ließ, aber eine Abwehrspielerin die Kugel noch von der Linien kratzen konnte. Will man im Viertelfinale gegen China bestehen, müssen sich die Russinnen steigern und Danilova endlich zu alter Abschlussstärke zurückfinden.
3. Australien, 4 Punkte
Stolz und Zuversicht lang in den Gesichtern und Stimmen der beiden ausgeschiedenen Teams aus Neuseeland und Australien. Beide Mannschaften galten in der Gruppe A vor dem Turnier als Außenseiter, konnten den beiden großen aber mehr als Paroli bieten. Dabei erwischten die Australierinnen den weitaus besseren Start. Ein 3:0 gegen die Nachbarn aus Neuseeland schien die Machtverhältnisse deutlich werden zu lassen. Doch im zweiten Spiel musste man erkennen, dass Brasilien (noch) eine Nummer zu groß ist für das Team von Trainer Alistair Edwards, der nach der Partie erkannte, dass "Brasilien mit Fabiana die entscheidende Spielerin auf dem Feld hatte." Also musste im letzten Gruppenspiel ein Sieg gegen Gastgeber Russland her, um das Viertelfinale zu sichern. Doch gegen die clever spielenden Gastgeberinnen kamen sie nicht über ein 1:1 hinaus.
"Wir werden auf jeden Fall mit erhobenen Hauptes aus Russland abreisen", sagte Edwards, "wir haben das Spiel von Beginn bis zum Ende dominiert und eine Menge Chancen herausgespielt, nur haben wir den Ball nicht hineingebracht. Ich denke, wir haben ihnen einen großen Kampf geboten, aber wir sind enttäuscht. Wir hätten es wirklich verdient, im Viertelfinale zu sein."
4. Neuseeland, 1 Punkt
Ähnlich sehen es die Neuseeländerinnen. Zunächst mit einer heftigen 0:3-Niederlage gegen Australien gestartet, zeigten sie im Spiel gegen Russland ihre wahre Klasse, nur um sich Sekunden vor Schluss geschlagen geben zu müssen. "Für eine kleine Fussballnation wie unsere haben wir weit über unserem Gewicht geboxt", war Trainer John Herdman stolz auf sein Team. "Wir haben gezeigt, dass diese Mädchen auf internationalem Niveau mithalten können." Den ersten Punkt holten die Neuseeländerinnen am letzten Spieltag dann ausgerechnet gegen Brasilien. Neuseeland nimmt sehr viel an Erfahrung und internationaler Spielpraxis mit. "Das ist es, um was es uns geht", so Herdman, "Meine Spielerinnen sind gewachsen durch die Zeit hier in Russland. Die Zukunft ist rosig für den neuseeländischen Fussball."