Die ersten beiden Viertelfinalbegegnungen der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 stehen fest. Am Samstag, dem 26. August, treffen im Torpedo-Stadion von Moskau Brasilien und Nigeria sowie China und Russland aufeinander. Sie alle haben dasselbe Ziel: in diesem Turnier so weit wie möglich zu kommen.
Der Nachmittag begann mit zwei Unentschieden zwischen Brasilien und Neuseeland (0:0) sowie Russland und Australien (1:1). Nach diesen Ergebnissen stand fest, dass die Mannschaften vom fünften Kontinent die Heimreise antreten müssen. Am Ende des Spieltages kam dann die Knüllerpartie zwischen Nigeria und Finnland, bei der die Afrikanerinnen sage und schreibe mit 8:0 gewannen und sich damit den Einzug in die nächste Runde sicherten. Damit gab es für Kanada keinerlei Hoffnung mehr, wobei die Kanadierinnen zudem noch gegen die VR China verloren.
Gruppe A: Russland muss zittern, Brasilien unermüdlich
An einem Nachmittag mit widrigen Witterungsbedingungen, an dem sich wolkenbruchartige Regengüsse und Sonnenperioden abwechselten, kamen die Brasilianerinnen mit dem beruhigenden Wissen ins Podmoskovie-Stadion, dass ihnen ein Unentschieden zum Erreichen des Viertelfinales ausreichen würde. Dazu sollte es dann auch kommen. Aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls von Mónica wurde Renata Costa auf einer zurückgezogenen Position eingesetzt und musste die Geschicke der Abwehr lenken. Daher mangelte es der Mannschaft in den kanariengelben Trikots an Impulsen im Mittelfeld.
Der neuseeländische Trainer John Herdman schrie sich 90 Minuten lang an der Seitenauslinie die Seele aus dem Leib, die WM-Neulinge kamen jedoch trotzdem nicht über zwei Torschussversuche hinaus, die die brasilianische Torhüterin Bárbara noch nicht einmal ernsthaft in Bedrängnis bringen konnten. Obwohl die Südamerikanerinnen mit angezogener Handbremse spielten, verloren sie dank ihrer Erfahrung zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle über das Spiel. Das torlose Unentschieden sorgte dennoch für zufriedene Gesichter bei der Mannschaft aus Ozeanien, die nun mit dem Bewusstsein nach Hause fahren kann, gegen Brasilien einen Punkt erreicht zu haben.
Im Torpedo-Stadion kämpften indes Russland und Australien um den zweiten Platz in der Gruppe A. Die jungen Australierinnen brauchten drei Punkte, und sie scheuten keine Mühen, um sie zu erreichen. Sasha McDonnell hatte in der ersten Spielhälfte drei hundertprozentige Chancen, ihre Mannschaft in Führung zu bringen, schaffte es jedoch irgendwie, alle drei zu vergeben.
Letztendlich waren es die Gastgeberinnen, denen der erste Treffer gelang. Nach einem Abwehrfehler der Australierinnen gab Elena Danilova eine Kostprobe ihres hervorragenden Kurzpassspiels und lieferte die Vorlage für Anna Kozhnikovas Treffer. Die Australierinnen ließen sich jedoch nicht entmutigen und setzten ihren Sturmlauf auf das Tor von Elena Todua unermüdlich fort. Nach einem Freistoß gelang Danielle Brogan dann per Kopf auch endlich der wohlverdiente Ausgleichstreffer. Es blieben noch fünf Minuten reguläre Spielzeit und weitere fünf Minuten Nachspielzeit, um das Blatt zu wenden. Die Australierinnen machten weiter Druck, während die Russinnen sich damit zufrieden gaben, sich in die Abwehr zu stellen und das Unentschieden zu verteidigen. Obwohl es gegen Ende der Partie noch brenzlig wurde, gelang ihnen das schließlich auch.
Nach dem Abpfiff bedankten sich die Schützlinge von Valentin Grishin bei den etwa 1.000 Zuschauern , die sich vom Wetter nicht abschrecken ließen und ihre Mannschaft 90 Minuten lang lautstark unterstützt hatten.
Gruppe B: Nigeria überrollt Finnland auf dem Weg ins Viertelfinale
Das Schicksal der vier Teams in dieser Gruppe entschied sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt. Nach einer Viertelstunde führten die Nigerianerinnen im Podmoskovie-Stadion gegen Finnland schon mit 3:0. Damit erreichte Nigeria nicht nur die drei erforderlichen Punkte, sondern glich auch noch die Tordifferenz aus, die bis dahin bei einem Punktegleichstand für Kanada gesprochen hatte.
Am Ende brauchte man dann aber gar nicht mehr lange rechnen, um den Viertelfinalteilnehmer zu ermitteln, denn Kanada ließ sich von den Chinesinnen die Butter vom Brot nehmen. Der kanadische Trainer Ian Bridge hatte ganz auf Sieg gesetzt und schickte eine Mannschaft aufs Feld, die den Chinesinnen über weite Strecken des Spiels überlegen war. Seine Stürmerinnen waren jedoch letztendlich nicht in der Lage, die chinesische Torfrau Zhang Yanru zu überwinden und den Ball im Netz unterzubringen. Schließlich, wie sollte es auch anders sein, rettete die chinesische Mannschaftsführerin Ma Xiaoxu ihre Mannschaft mit ihrem vierten Turniertor. Damit sicherten sich die Chinesinnen gleichzeitig die Tabellenführung in Gruppe B.
Während die Kanadierinnen alle Hoffnungen begraben mussten, nutzten die Nigerianerinnen die Schwächen der finnischen Auswahl gnadenlos aus und setzten sich mit einem wahren Kantersieg selbst ein Denkmal. Die Skandinavierinnen, denen während der gesamten 90 Minuten kein einziger Torschuss gelang, wurden von den Afrikanerinnen, die nicht weniger als 33 Schüsse auf das finnische Tor zu verzeichnen hatten, geradezu überrannt. Drei Tore von Maureen Eke, zwei von Rita Chikwelu, weitere zwei von Akudo Sabi und eines von Cynthia Uwak sorgten für das beeindruckende 8:0-Endergebnis, das das Selbstbewusstsein vor der Partie gegen Brasilien noch einmal steigern dürfte. Diese Begegnung sollte man nicht verpassen!