Ma Xiaoxu war erneut die entscheidende Spielerin beim 1:0-Sieg der VR China gegen Kanada in Gruppe B. Nach einem teilweise ruppigen Spiel im Torpedo-Stadion von Moskau muss der Finalteilnehmer von 2002 damit nach der Vorrunde die Koffer packen.
Die Mannschaft von Shang Ruihua wird nun ihr nächstes Spiel am 26. August im gleichen Stadion gegen die Gastgeberinnen bestreiten. Der chinesische Trainer ist überzeugt, dass sich seine Schützlinge erheblich steigern müssen, um gegen die Gastgeberinnen bestehen zu können - und das, obwohl die Chinesinnen drei Siege aus drei Spielen auf dem Konto haben und bisher nur ein einziges Gegentor kassierten.
"Wir hatten großes Glück, dieses Ergebnis zu erreichen", gab er offen zu. "Die Kanadierinnen haben sehr aktiv gespielt und meine Spielerinnen haben darauf in der ersten Halbzeit gar nicht gut reagiert. In der zweiten Halbzeit wurde es dann ein wenig besser, aber wir spielen noch keineswegs so gut, wie wir könnten. Vor unserem nächsten Spiel müssen wir einige technische und taktische Mängel abstellen, denn die russische Mannschaft ist sehr stark."
Shang Ruihua hatte zwar vor dem Spiel sein Mittelfeld kritisiert, aber dennoch gegenüber dem 3:0-Sieg gegen Nigeria nur eine einzige Veränderung an der Aufstellung vorgenommen: für Zhuang Ran spielte nun wieder Rao Hui Fang.
Kanadas Trainer Ian Bridge hingegen ließ gleich drei der elf Spielerinnen auf der Bank, die gegen Finnland mit 2:0 gewonnen hatten. Lisa Collison, Katie Radchuck und Selenia Iacchelli rutschten in die kompakte 4-5-1-Formation, die den physisch starken Chinesinnen Paroli bieten sollte.
Dennoch kamen die Asiatinnen schon nach sieben Minuten zu einer hochkarätigen Torchance, der besten des ersten Durchgangs: Lou Xiaoxu war allein durchgebrochen und zog ab, doch Stephanie Labbe im kanadischen Tor zeigte eine Glanzparade und verhinderte einen frühen Rückstand.
Dennoch war Kanada die bisher härteste Nuss, die die Chinesinnen in Russland zu knacken hatten. Im Laufe der ersten Halbzeit versuchten sich die Nordamerikanerinnen mehrfach mit langen Bällen, von denen der beste von Jodi-Ann Robinson, der Torschützin gegen Finnland, abgefeuert wurde und Zhang Yanru zu einer schönen Parade zwang.
Eine altbekannte Torschützin
Bei den kanadischen Angriffen fehlte indes der letzte Biss. Als der 4:0-Pausenstand von Nigeria gegen Finnland bekannt wurde, entschied sich Kanadas Trainer, Collison durch die kreativere Aysha Jamani zu ersetzen und Robinson wieder auf der Mittelstürmerposition agieren zu lassen, die ihr am besten liegt.
In der Tat fiel dann schon kurz nach dem Wiederanpfiff ein Tor - allerdings nicht auf der Seite, die Bridge sich erhofft hatte. Ma Xiaoxu erlief einen langen, hohen Pass von Yuan Fan und schob denn Ball dann flach an der herausstürzenden Labbe vorbei zu ihrem vierten Treffer bei Russland 2006 in die Maschen (0:1, 48.).
Yuan, die nicht zuletzt wegen ihrer Vorlage zum Siegtreffer als beste Spielerin der Begegnung ausgezeichnet wurde, war wie üblich bescheiden und übte Kritik an der Leistung der gesamten Mannschaft. "Insgesamt haben wir nicht gut gespielt", meinte sie. "Erst nachdem der Trainer uns in der Halbzeit anwies, weiter aufzurücken, wurde es etwas besser. Glücklicherweise hat diese Leistung ausgereicht, um den Sieg zu erringen."
Der Rückstand war für Kanada etwas unglücklich, denn bis dahin hatte es kaum danach ausgesehen, als sollte den Chinesinnen ein Treffer gelingen. Andererseits hatten jedoch auch die Nordamerikanerinnen kaum Gefährliches gezeigt. Daran änderte sich auch nach dem Rückstand nichts.
Robinson gelang es zumindest, noch etwas mehr Dynamik in ihre Angriffsbemühungen zu legen. Doch abgesehen von einem Schuss aus gut 20 Metern zeigte die 17-Jährige kaum etwas, das die chinesische Führung ernsthaft in Gefahr gebracht hätte.
Die eingewechselte Paige Adams prüfte Zhang ebenfalls mit einem Schuss aus der Distanz. Doch insgesamt schien die chinesische Führung so ungefährdet, dass Shang es sich sogar erlaubte, Spielführerin Ma zehn Minuten vor dem Ende vom Platz zu nehmen.
Bridge zeigte sich nach der Niederlage als guter Verlierer. "Ich beglückwünsche die Chinesinnen zu diesem großen Erfolg", sagte er. "Ich möchte dennoch sagen, dass ich sehr stolz auf meine Spielerinnen bin, die unseren Plan perfekt umgesetzt haben und sehr gut gegen eine starke und technisch hochklassige Mannschaft verteidigt haben. Natürlich sind wir enttäuscht, dass wir nun abreisen müssen, denn wir hatten uns mehr ausgerechnet, doch wir wurden von einem sehr starken Team geschlagen."
Beste Spielerin der Begegnung: Yuan Fan
"Sie hat die Abwehr sehr gut organisiert. Sie zeigte ein hervorragendes Stellungsspiel und lieferte eine schöne Vorlage, die zum Tor führte. Alles in allem war das eine sehr beeindruckende und vielseitige Vorstellung." - Tina Theune-Meyer (GER), Technische Studien-Gruppe der FIFA (TSG).