Am letzten Spieltag der Gruppe B am 23. August in Shchelkovo verpasste Nigeria den Skandinavierinnen aus Finnland eine echte Packung (0:8). Die Afrikanerinnen ziehen damit ebenso wie China ins Viertelfinale der FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 ein.

Auf nigerianischer Seite wusste man nur zu gut, dass ein Sieg Pflicht war, um das Viertelfinale ganz sicher zu haben. Zwar hätten unter Umständen auch ein Unentschieden oder sogar eine Niederlage ausgereicht, aber dann hätten die Afrikanerinnen ihr Schicksal nicht mehr selbst in der Hand gehabt. Deswegen legte Nigeria im Stadion Podmoskovie auch gleich los wie die Feuerwehr. Die Finninnen hingegen schienen da noch in der Kabine zu sein. "Ich habe meinen Spielerinnen gesagt, sie sollen sofort voll drauf gehen, um Druck zu machen. Das haben sie dann auch gemacht und bis zum Schluss durchgehalten. Ich bin sehr zufrieden", freute sich Trainer Emmanuel Okonkwo nach Spielschluss.

Allen voran Spielführerin Akudo Sabi. Nach einem ersten Freistoß hatte sie schon früh die Gelegenheit zur Führung. Akudo Iwuagwu setzte sich auf rechts durch und flankte auf Maureen Eke. Die Stürmerin der Delta Queens spielte sofort weiter auf Sabi, und die drosch das Leder unhaltbar in die finnischen Maschen (0:1, 7. Minute).

Auch danach sahen sich die Europäerinnen weiteren Angriffen der Nigerianerinnen ausgesetzt, von denen einer schließlich zum Erfolg führen musste. Und das gleich doppelt. Ecke von rechts, Iwuagwu schießt, Eke trifft (0:2, 13'.). Zwei Minuten später das gleiche Bild, nur eine andere Torschützin mit Cynthia Uwak (0:3, 15.). "Für mich, die ich in Finnland spiele, war es ein besonderes Match. Ich kannte alle Spielerinnen, das ist schon etwas Besonderes", gab Eke später zu.

Und damit war es noch lange nicht vorbei. Tinja-Riikka Korpela hatte Glück bei einem Lattenkracher von Eke (18.) Iwuagwu schlängelte sich durch die finnische Abwehr, aber ihr Schuss wurde von der skandinavischen Schlussfrau schön pariert (26.). Trainer Jarmo Matikainen brachte Linda Sallstrom für den Angriff. Diese versuchte ein paar Mal, ihre Schnelligkeit auszuspielen, erreichte damit aber nichts. Die Afrikanerinnen bestimmten weiter das Spiel.   

Tore am Fließband
Wenn auch aus der halb als Flanke, halb als Schuss gedachten Hereingabe von Uwak nichts wurde (39.), so traf Sabi kurz darauf um so schöner (0:4, 42.). Auch nach der Pause fielen die Tore wie am Fließband. Zwei Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, als die finnische Torhüterin nach einer Ecke den Ball durch die Hände gleiten ließ und Rita Chikwelu das nächste Tor ermöglichte (0:5, 47.).
Jetzt geriet Finnland endgültig ins Schwimmen. Uwak, Eke und Chikwelu hebelten die gegnerische Abwehr ein ums andere Mal aus. Mit einem enormen Antritt riss Uwak die finnische Hintermannschaft auf und spielte wunderschön auf Eke, die das Leder nur noch im Tor unterbringen musste (0:6, 65.'). Jetzt gab es kein Halten mehr für euphorische Nigerianerinnen. Sie schossen der bedauernswerten Korpela im finnischen Tor fast die Handschuhe in Brand.

Und die Party ging noch weiter. Uwak spritzte in einen schwachen Rückpass zur finnischen Schlussfrau und bediente Chikwelu, die sich mit ihrem zweiten Tor des Tages bedankte (0:7, 73.). Als Uwak erneut auf Eke spielte und diese Korpela überlistete, wurde aus der Klatsche endgültig eine Schmach (0:8, 79.). Mit gestilltem Torhunger schalteten die Nigerianerinnen danach endlich einen Gang zurück. Es blieb beim Ergebnis von 8:0 und damit dem höchsten Sieg in der Geschichte des Wettbewerbs. Einzig Deutschland konnte dieses Jahr gegen Mexiko genauso hoch gewinnen (9:1).

Wichtig ist aus nigerianischer Sicht aber vor allem der Viertelfinaleinzug - hinter China, aber vor den Kanadierinnen. "Ich habe genau die Spielerinnen spielen lassen, die auch gegen China verloren hatten. Manchmal verliert man so, manchmal gewinnt man. Das ist Fussball. Ich habe besonderen Wert auf Disziplin in allen Bereichen gelegt: Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Die Spielerinnen haben meine Anweisungen sehr gut umgesetzt", freute sich Okonkwo.

Finnlands Trainer Jarmo Mattikainen gab sich im Nachhinein philosophisch: "Wir haben zwei Spiele am Limit gespielt; ich wusste, dass es körperlich schwer werden würde. Nigeria ist schließlich eine schnelle, dynamische und robuste Elf. Ich bin nur enttäuscht, dass wir defensiv die Ordnung verloren und diese Torflut zugelassen haben."

Beste Spielerin der Begegnung: Cynthia Uwak (Nigeria)
"Sie war im Angriff überall zu finden, hat ein Tor selbst erzielt und zwei vorbereitet. Sie ist immer wieder rochiert und hat die finnische Abwehr über beide Außen aufgerissen." - Fran Hilton-Smith, Mitglied der Technischen Studien-Gruppe der FIFA (TSG).