Russland und Australien standen sich im Moskauer Torpedo-Stadion im letzten Gruppenspiel gegenüber. Den Gastgeberinnen genügte dabei ein Unentschieden, und das war genau das Ergebnis, das sie erreichten. Das Spiel hätte jedoch auch ganz anders ausgehen können, da die Australierinnen die Partie über weite Strecken dominierten und sie mit etlichen Toren Vorsprung hätten gewinnen können. Stattdessen treffen nun die Russinnen im Viertelfinale auf China.

Die Australierinnen erwischten einen guten Start und hätten bis zur sechsten Minute schon mit zwei Treffern in Führung liegen können. Zunächst drang Sasha McDonnell von links in den Strafraum ein, schüttelte ihre Verteidigerin ab und zog direkt ab. Ihr Schuss schien genau ins untere rechte Toreck zu gehen, doch zur Erleichterung von Torfrau Elvira Todua und der russischen Fans flog der Ball um Zentimeter am Pfosten vorbei. Eine Minute später fand sich Servet Uzunlar in einer günstigen Position wieder, doch ihren Schuss aus 20 Metern konnte Todua im zweiten Versuch parieren.

Die Gastgeberinnen spielten mit einer 4-4-1-1-Formation, wobei Anna Kozhnikova hinter der einzigen Stürmerin zum Einsatz kam. Obwohl die Russinnen gefällig spielten und auch im Mittelfeld immer wieder gute Szenen hatten, waren sie nicht in der Lage, irgendwelche verwertbaren Chancen herauszuspielen. Australien dagegen hatte sich für eine 3-5-2-Aufstellung entschieden, mit nur einer defensiven Mittelfeldspielerin. Dabei wirkte man von Anfang an aggressiver, so dass Torfrau Todua beständig auf der Hut sein musste.

Erst nach 23 Minuten sorgte Russlands einsame Stürmerin Elena Danilova zum ersten Mal für Gefahr vor dem Tor von Lydia Williams. Dabei machte sie sich einen Abwehrpatzer zunutze, schnappte sich den Ball, wehrte noch die heranstürmende Clare Polkinghorne ab und schoss schließlich aus spitzem Winkel. Doch die australische Torfrau stand gut postiert und parierte den Ball.

Im Gegenzug zog Australiens Collette McCallum von außerhalb des Strafraums ab, doch der Ball ging knapp über die Querlatte. In der 26. Minute zeigte dann Todua eine tolle Parade und verhinderte den Rückstand der Gastgeberinnen. Ein australischer Freistoß war von links vor das Tor gezogen worden, der Ball gelangte zu McDonnell im Strafraum, die aus fünf Metern blitzschnell abzog. Irgendwie ahnte Todua jedoch den Ball und parierte ihn brillant mit einer reflexartigen Fußabwehr.

"Der Umstand, dass Todua zur besten Spielerin der Partie gewählt wurde, sagt doch sehr viel darüber aus, wie das Spiel gelaufen ist", erklärte Australiens Trainer Alistair Edwards in der Pressekonferenz nach der Partie.

Einmal noch sorgten die Australierinnen für Gefahr vor dem Tor der Gastgeber, als in der 37. Minute die unglückliche McDonnell ein Zuspiel ihrer Spielführerin Sally Shipard aufnahm und es irgendwie schaffte, den Ball aus vier Metern am Tor vorbeizuschießen. Die Antwort der Russen fiel wenig überzeugend aus, denn Elena Morozova brachte aus guter Position nur einen schwachen Schuss zustande. Gegen Ende der ersten Halbzeit wurde es offensichtlich, dass die Offensivkräfte der Gastgeberinnen, die praktisch keine Unterstützung aus dem Mittelfeld erfuhren, immer erschöpfter wurden. 

Russinnen werden müde
Nach der Pause war die Überlegenheit der Australierinnen noch offensichtlicher. Der Abwehr der russischen Mannschaft fiel es nun immer schwerer, die Angriffe des Gegners abzuwehren. In der 47. Minute rettete erneut Todua, die einen Fernschuss von Shipard gekonnt parierte. Kurz darauf bot sich McDonnell eine hundertprozentige Chance, als sie sich alleine vor dem leeren Kasten wiederfand, den Ball jedoch nicht unter Kontrolle bekam.

Die Gastgeberinnen waren nun in der eigenen Hälfte eingeschnürt und beschränkten sich auf einige wenige Konter. In der 61. Minute bot sich ihnen dabei eine große Chance. Nach einer schönen Kombination zwischen Danilova und Morozova gelangte der Ball zu Kozhnikova, deren Direktschuss von der Strafraumgrenze aus nur knapp vorbeiging. Bei der nächsten Gelegenheit sollte sie sich als treffsicherer erweisen. Nach wunderbarer Vorarbeit der unermüdlichen Danilova, die bis zur Grundlinie durchgelaufen und dann eine Flanke auf den zweiten Pfosten geschlagen hatte, stand Kozhnikova goldrichtig und nutzte diese Torchance eiskalt (1:0, 75.).

Kozhnikova war auch im vorherigen Spiel gegen Neuseeland der erste Treffer der Partie gelungen, und Verteidigerin Alexandra Gomozova war voll des Lobes über ihre Mannschaftskameradin: "Sie hat ein tolles Spiel gezeigt. Sie hatte lange keine Tore erzielt, aber jetzt ist sie wieder ganz die Alte."

Obwohl sie unverdient in Rückstand geraten waren, blieben die Australierinnen am Drücker und sahen ihre Anstrengungen in der 85. Minute endlich belohnt. Als McCallum einen Freistoß ausführte, reagierte Verteidigerin Danielle Brogan am schnellsten und setzte den Ball mit einem wunderbaren Flugkopfball in die Maschen (1:1, 85. Min.).

Am Ende hätte es fast noch ein böses Erwachen für Russlands Mannschaft gegeben. Eine Minute vor dem Ende der normalen Spielzeit konnte Todua einen Ball nicht festhalten, der zum Entsetzen der einheimischen Fans zwischen ihren Beinen hindurch auf das Tor zurollte. Zum Glück war eine Abwehrspielerin gerade noch rechtzeitig zur Stelle und klärte. Die Australierinnen spielten weiter nach vorne und hatten noch mehrere Torchancen, doch die Gastgeberinnen sicherten das Unentschieden, das ihren Verbleib im Turnier und das Ausscheiden der Australierinnen bedeutete.

"Es war ein hartes Spiel und das schlechte Wetter hat es noch schwieriger gemacht", erklärte Todua nach der Partie und bezog sich dabei auf den starken Regen, der fast über die gesamte Spieldauer hinweg fiel. "Zum Glück benötigten wir heute nur ein Unentschieden."

Beste Spielerin der Begegnung: Elvira Todua (Russland)
"Australien hat im Verlauf des Spiels eine ganze Reihe von Torchancen herausgespielt, aber Todua stand immer goldrichtig und war auch in Eins-gegen-Eins-Situationen stark. Manchmal wirkte sie etwas unsicher, aber immer wenn es darauf ankam, war auf sie Verlass." - Tina Theune-Meyer (Deutschland), Mitglied der Technischen Studien-Gruppe der FIFA (TSG)