DER SPIELTAG IN DER ZUSAMMENFASSUNG: Die FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 hat begonnen! Und wie! Nur zwei Minuten dauerte es bis zum ersten Tor des Turniers, und einige Stunden später fiel der insgesamt 200. Treffer des Wettbewerbs. Elena Danilova, Ma Xiaoxu, Sally Shipard und andere künftige Stars deuteten ihr Talent mehr als nur an. Einzig Marta konnte sich nicht in die Torschützenliste eintragen, doch die Fans in Moskau und St. Petersburg erlebten dennoch einen fantastischen ersten Spieltag. Die große Überraschung gelang Nigeria mit einem Sieg gegen Kanada. In der Partie zwischen Russland und Brasilien gab es hingegen keinen Sieger. Australien und China zeigten sich überzeugend.

Zu spät kommen war nicht an diesem 17. August im Stadion Podmoskovie in Shchelkovo. Am ersten Spieltag der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006 trafen die Finninnen, denen es sichtlich an Spielpraxis mangelte, auf China. Gerade einmal eine Minuten waren absolviert, als Fan Yuan die Skandinavierinnen mit einem Eigentor in Front brachte. Es war die Einstellung eines Rekords. 2004 hatte die Amerikanerin Angie Woznuk gegen Russland genauso schnell getroffen. Doch dieser Traumstart für die Finninnen war nur ein Strohfeuer.

Die Asiatinnen kämpften sich langsam aber stetig ins Spiel zurück. Ma Xiaoxu, deren Name so viel bedeutet wie "Morgensonne", erzielte mit dem ersten Strafstoß des Turniers den Ausgleich und sorgte so wieder für einen Silberstreif am chinesischen Horizont. Nicht umsonst wird das Spielmachertalent in ihrer Heimat schon mit einer gewissen Sun Wen verglichen, und in der Tat könnte Ma Xiaoxu mit ihrer großartigen Technik, ihrer Spielübersicht und ihrem Durchsetzungsvermögen schnell zu einem großen Star des Frauenfussballs werden. Ihr Trainer Shang Ruihua bewies derweil mit der Einwechslung von Zi Jingjing ein glückliches Händchen. Die nämlich erzielte nur wenige Minuten später den Siegtreffer.

Im Stadion Petrovsky zu Sankt Petersburg kam es am Nachmittag dann zum Nachbarschaftsduell zwischen Australien und Neuseeland. Dabei hatten die Neumitglieder der asiatischen Konföderation das bessere Ende für sich. Collette McCallum, die schon 2004 in Thailand mit von der Partie war, erzielte gleich einen Doppelpack und setzte sich damit auch für einige Stunden an die Spitze der Torschützenliste. Spielführerin Sally Shipard machte den Sack schließlich zu. Der Sieg für den Frauennachwuchs aus "Down Under" war verdient, für die "Kiwi"-Damen aber zu herb, zumal sie die Turnier-Mitfavoritinnen einige Male arg in Verlegenheit gebracht hatten. So oder so: den Neuseeländerinnen war die Premiere bei einer WM gründlich verdorben.

Die Nigerianerinnen machen's spannend

Nach einer stimmungsvollen Eröffnungsfeier in Anwesenheit von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter und Vitaly Mutko, dem Präsidenten des russischen Fussballverbands, hatte St. Petersburg die Ehre, Austragungsort des ersten Spiels der Gastgeberinnen zu sein. Mit Brasilien wartete gleich ein dicker Brocken auf die Russinnen. Es war die Neuauflage des Viertelfinals von 2004. Damals hatten die Südamerikanerinnen nach Verlängerung das bessere Ende für sich (4:2). Aber dieses Mal fehlte den "Auriverdes" leider ihr großer Star, Marta.

Die Europameisterinnen von 2005 hingegen konnten mit Elena Danilova einen echten Rohdiamanten präsentieren. Das Spiel fand auf hohem Niveau statt und es mangelte auch nicht an Torchancen. Dennoch stand es nach 90 Minuten immer noch 0:0. Europas beste Torschützin der letzten beiden Jahre blieb ebenso erfolglos wie die quirligen brasilianischen Stürmerinnen.

Das zweite Spiel entschädigte allerdings für die Torarmut der Begegnung zwischen Russland und Brasilien. Die rassige Partie zwischen Nigeria und Kanada in Shchelkovo bot nicht nur fünf Tore sondern auch einen Überraschungserfolg der Afrikanerinnen. Dabei hatte Kanada noch bis zur 82. Minute in Führung gelegen.

Nebenbei erzielte Kaylyn Kyle das insgesamt 200. Tor in der Geschichte des Wettbewerbs. Dennoch konnten die Schützlinge von Trainer Ian Bridge zwei Mal einen Vorsprung nicht verteidigen und gaben die Begegnung schließlich sogar noch völlig aus der Hand. Die nigerianische Stürmerin Cynthia Uwak feierte ihre dritte Teilnahme an einer U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft standesgemäß mit zwei Treffern. Nur fünf Spielerinnen ist dieses Kunststück bislang gelungen. Wird dieses Jahr vielleicht endlich das Afrikajahr im Frauenfussball?