Ein in der Nachspielzeit von Cynthia Uwak erzielter Treffer sorgte in einem wahren Fussballkrimi für den 3:2-Sieg Nigerias gegen Kanada. Damit liegen die Afrikanerinnen zusammen mit China an der Spitze von Gruppe B.
In einer Partie, die ständig hin- und herwogte, drehte Umak mit ihren beiden Toren ein bereits verloren geglaubtes Spiel, als sich die Nordamerikanerinnen bereits auf der Siegesstraße wähnten und die drei Punkte aus dem Eröffnungsspiel in Russland 2006 schon fast für sich verbucht hatten.
"Es war eine ausgeglichene, technisch sehr starke Partie. In vielerlei Hinsicht ein gutes Spiel", erklärte Nigerias Trainer Emmanuel Tetteh Okonkwo. "Erst in den letzten Minuten nahm das Spiel einen ganz anderen Verlauf. Natürlich bin ich über diesen Ausgang sehr glücklich."
Einen Unterschied zwischen beiden Teams konnte man in der beeindruckenden ersten Halbzeit nicht ausmachen. Ständig ging es hin und her, ohne dass es beide Mannschaften an dem gebührenden Respekt für einander fehlen ließen.
Bereits in der ersten Minute konnte man sehen, was für eine Art von Partie dies werden würde, als Blessing Akusobi, die an diesem Tag übrigens ihren 20. Geburtstag feierte, Aysha Jemani mit einem perfekten Tackling daran hinderte, alleine auf das nigerianische Tor zuzustreben.
Anschließend spielt sich ein Großteil der Partie im dicht gestaffelten Mittelfeld ab. Nach einer knappen Viertelstunde brachten die Nigerianerinnen den Ball im Netz unter: die früh eingewechselte, heranstürmende Chizoma Oparaocha schob die Kugel ins Tor, nachdem Stephanie Labb einen Schuss von Uwak zu kurz abgewehrt hatte. Die Linienrichterin hatte jedoch erkannt, dass Oparaocha im Abseits stand, und so erstickte die erhobene Fahne den Jubel der Nigerianerinnen noch im Keim.
Nigeria blieb jedoch gefährlich, und erneut musste Labbe ihr ganzes Können aufbieten, als sie nach einem Schuss von Tawa Ishola blitzschnell nach rechts abtauchte und den Ball parierte.
Dann jedoch fiel, etwas unerwartet, der Führungstreffer für Kanada. Taryne Boudreau schlug eine wunderbare Flanke in die Mitte, wo Kaylyn Kyle den Ball mit der Brust kontrollierte, dann jedoch davon profitierte, dass die Kugel unglücklich von der Torhüterin abprallte, so dass sie ihn nur noch ins leere Tor einschieben musste (0:1, 25. Min.).
Es war ein überaus wichtiges Tor für die 17-Jährige und darüber hinaus ein Jubiläumstreffer, nämlich das 200. Tor in der Geschichte des Turniers.
Nur vier Minuten später jedoch hatte Nigeria den Ausgleich erzielt. Dabei erlief Tawa Ishola einen hoch über die Verteidigung hinweg gespielten Ball und bezwang anschließend die herausstürmende Labbe mit einem Heber (1:1, 29. Min.).
Es war schwer vorherzusagen, wie sich die Partie nun entwickeln würde, aber kaum jemand hätte nach den etwas schleppenden ersten 25 Minuten der zweiten Halbzeit auf ein derart furioses Finale getippt.
Denn die einzige Torchance, die sich für beide Seiten ergeben hatte, war nicht Ergebnis eines brillanten Spielzugs, sondern Folge eines bösen Patzers von Nigerias Christy Bulus, der fast ins Auge gegangen wäre. Nachdem sie eine Flanke unterschätzt und den Ball auf den Weg ins eigene Tor geschickt hatte, gelang es der nigerianischen Torfrau - übrigens die größte Spielerin in Russland 2006 - zurückzulaufen und gerade noch das Schlimmste zu verhindern.
Kurz darauf verließ sie das Glück jedoch, als sie versuchte einen Freistoß von Sophie Schmidt zu erreichen sich dabei jedoch verspekulierte und Amanda Cicchini Gelegenheit gab, mit einem langen Kopfball das leere Tor zu treffen (1:2, 71. Min.).
Am Ende mussten sich die Nigerianerinnen vor allem bei Uwak bedanken, die die Partie noch rettete und für ein denkwürdiges Finale sorgte. Zunächst erzielte sie acht Minuten vor dem Ende einen beeindruckenden Treffer. Nichts deutete auf Gefahr hin, als die 18-jährige Stürmerin einen Querpass mit der Brust aufnahm. Doch dann zog sie mit rechts gewaltig ab und setzte den Ball in den Torwinkel, ohne dass Labbe auch nur den Hauch einer Chance gehabt hätte (2:2, 82. Min.).
Der Treffer war so beeindruckend, dass auch Ian Bridge, Kanadas etwas niedergeschlagener Trainer, nach der Partie seine Bewunderung nicht verhehlen konnte. "Meine Glückwünsche gehen an Nigeria für dieses beeindruckende Comeback", erklärte er als fairer Sportsmann. "Wir wurden durch zwei wunderbare Tore geschlagen. Das gilt vor allem für den ersten Treffer. Auch wenn man verliert, ist es schwer sich nicht zu freuen, wenn man eine so herausragende Technik bewundern darf."
Dann sorgte auch Torfrau Bulus für etwa Wiedergutmachung, als sie einen Heber von Cicchini noch an die Querlatte lenkte, bevor dann die beste Spielerin der Partie Uwak den letzten und entscheidenden Treffer zum Sieg Nigerias erzielte.
Die vierte Offizielle hatte gerade die Tafel gesenkt, auf der eine zweiminütige Nachspielzeit angezeigt wurde, als Nigerias neue Torjägerin urplötzlich am zweiten Pfosten auftauchte, um eine perfekte Flanke von Maureen Eke ins kanadische Tor zu köpfen und so für wahre Jubelstürme auf der Bank der Afrikanerinnen sorgte (3:2, 90. Min +1).
Beste Spielerin der Partie: CYNTHIA UWAK
"Beide Teams haben schönen Angriffsfussball gespielt - das kann man schon am Ergebnis ablesen -, und auf beiden Seiten haben mir etliche Spielerinnen gut gefallen. Uwak hat jedoch den Ausschlag gegeben, mit ihren beiden äußerst wichtigen Toren. Ihr Potenzial ist beeindruckend", erklärte Tina Theune-Meyer (GER), Mitglied der Technischen Studien-Gruppe der FIFA (TSG).