Die VR China ergriff am heutigen Nachmittag in Gruppe B zwar die Initiative, doch dann musste die Mannschaft einige bange Augenblicke in der ersten Halbzeit überstehen, bevor sich der Finalist von 2004 dank seiner Stärke und Erfahrung gegen den Turnierneuling Finnland durchsetzte.

Der finnische Trainer Jarmo Matikainen lobte die Leistung der im Anschluss zur besten Spielerin der Partie gewählte Ma Xiaoxu als "Weltklasse" und meinte, sie habe "den Unterschied zwischen den beiden Mannschaften" ausgemacht. Auch sein chinesischer Kollege stellte die außergewöhnliche Leistung seiner Topstürmerin und Spielführerin heraus: "Das war für die meisten unserer Spielerinnen ihr erstes Spiel bei einer Weltmeisterschaft. Man konnte deutlich sehen, dass sie ein wenig nervös waren", so Shang Ruihua nach der Partie. "Wir haben sicher nicht unser volles Potenzial gezeigt, insbesondere in der Anfangsphase. Doch glücklicherweise hat unsere Spielführerin überragend gespielt und wir haben am Ende den wichtigen Sieg eingefahren."

Aus den bisherigen Partien gegen Finnland standen acht Siege und ein Unentschieden zu Buche. Doch Jarmo Matikainens Außenseiterinnen wollten sich zunächst wohl nicht an das Drehbuch halten.

Es war kaum eine Minute gespielt, als die Underdogs sich daran machten, ihr eigenes Fussballmärchen zu schreiben, indem sie mit dem ersten Angriff der Partie die Abwehr der Chinesinnen durchbrachen.

Dabei gelang dem Sturmduo Linda Sallstrom und Leena Puranen eine schöne Kombination auf der linken Seite, wo sie einen Eckball herausholten.

Sallstrom zog den Eckball direkt und gefährlich vor das Tor der Chinesinnen, wo die von Niina Hyvonen bedrängte Fan Yuan den Ball unglücklich mit dem Kopf an der eigenen Torhüterin vorbei ins Netz setzte (0:1, 1. Min.).

Die verblüfften Chinesinnen versuchten nun ihrerseits, ins Spiel zu kommen, und nach wenigen Minuten konnten die Zuschauer bereits einen ersten Eindruck der großen Ma Xiaoxu gewinnen, die eine präzise Flanke von Wei Shuang Zang unbedrängt über das Tor köpfte.

Ma wurde nun immer stärker, was für die finnische Abwehr nichts Gutes verheißen konnte. Nachdem Jia You nach 22 Minuten nur das Außennetz traf, verhinderte eine exzellente Parade von Tinja-Rikka Korpela den Ausgleichstreffer durch Chinas neuen Jungstar aus 16 Metern.

Aufgeschoben bedeutete jedoch nicht aufgehoben, und als Ma gegen Ende der ersten Halbzeit von Essi Saino bedrängt zu Fall gebracht wurde, klopfte die chinesische Spielführerin sich nur gelassen den Schmutz vom Trikot und verwandelte den anschließenden Strafstoß eiskalt zum Ausgleich (1:1, 37. Min.).

Der finnischen Abwehr fiel es nun immer schwerer, die Riesin im Sturm der Chinesinnen unter Kontrolle zu halten. Nur Sekunden vor der Halbzeit, war es erneut Korpela, die mit einer tollen Parade den zweiten Treffer von Ma verhinderte.

Die zweite Halbzeit knüpfte da an, wo die erste aufgehört hatte. Erneut war es die nicht zu stoppende 18-Jährige, die sich zwei Mal auf der linken Seite durchtankte und jedes Mal nur knapp das Tor verpasste.

Trainer Jarmo Matikainen beorderte Puranen nun ins Mittelfeld zurück, so dass nur noch Sallstrom in der heißen Nachmittagssonne vorn für Gefahr sorgen durfte. Eine Weile lang zeigte diese Umstellung die erhoffte Wirkung. Zwar musste Korpela noch einmal gegen Zhang retten, die den Führungstreffer auf dem Fuß hatte, doch dann stand bei einem Konter plötzlich Sallstrom ganz allein vor dem chinesischen Kasten, schoss aber überhastet die Torhüterin an.

Es sollte die entscheidende Szene des Spiels sein, denn nur Sekunden später war der Ball am anderen Ende des Platzes, wo Wei Zhu die finnische Abwehr auf der linken Seite überlief und dann eine schöne Flanke auf die eingewechselte Jingjing Zi spielte, die aus kurzer Distanz nur einzunicken brauchte (2:1, 72. Min.).

Trotz des tapferen Widerstands der Skandinavierinnen bestand kein Zweifel daran, dass der Treffer der Chinesinnen der Lohn für ihre Überlegenheit war. Am Ende boten sich Ma noch zwei Torchancen, um den hart erarbeiteten Sieg noch höher ausfallen zu lassen.

Nur die Spielerin selbst war mit ihrer Leistung nicht ganz zufrieden. "Ich habe nicht so gut gespielt wie ich kann", meinte sie. "Ich vergebe noch immer viele Chancen und als Spielführerin will ich meine Mannschaftskameradinnen so gut wie möglich führen. In den nächsten Spielen werde ich meinen Job besser machen."

Falls Ma diese Ankündigung wahr macht, haben die Gegner Chinas allen Grund zur Sorge.

Spielerin des Spiels: Ma Xiaoxu (China) 
"Das Spiel der Chinesinnen war variantenreich und die Einwechslung von Zi Jingjing hat den Angriff der Asiatinnen unzweifelhaft belebt. Doch Ma war eindeutig die beste Spielerin auf dem Platz. Ihr Spiel war außerordentlich vielseitig und sie war immer ein großer Gefahrenherd, bei Dribblings ebenso wie bei Torschüssen. Sie hat ihr Team mit ihrer Persönlichkeit und Intelligenz geführt," lobte Tina Theune-Meyer von der Technische Studien-Gruppe der FIFA (TSG).