Der Weltmeister:
Sechzehn Jahre, nachdem Maradonas extrem talentierte
Generation den FIFA-Junioren-Weltmeistertitel 1979 geholt hatte,
machte ein weiteres hoch talentiertes Team junger Argentinier von
sich reden. Auch wenn die Einzelspieler des 1995er Jahrgangs
weniger begabt waren als ihre Vorgänger, spielte José Pekermans
Mannschaft dennoch wie eine gut geölte und auf Erfolg programmierte
Maschine: Kompakt in der Abwehr, effizient im Mittelfeld und
taktisch bereits beachtlich ausgereift. DarÜber hinaus
besaßen die Albiceleste auch Spieler mit FÜhrungsqualitäten
im Team: TorhÜter Joaquin Irigoytia, Innenverteidiger und
Mannschaftskapitän Juan Sorin, Mittelfeld-Topmann Ariel Ibagaza und
StÜrmer Walter Coyette. Aber auch die exzellente
Trainerleistung von Pekerman zahlte sich aus, als es darauf ankam:
Sowohl im Halbfinale als auch im Finale (2:0 gegen den Erzrivalen
Brasilien) erzielten die von ihm gebrachten Auswechselspieler die
entscheidenden Tore.
Die Überraschungen:
Bei der FIFA-Junioren-Weltmeisterschaft Katar 1995 gab es
keine große Überraschungen - die Fussballhierarchie blieb
weitestgehend erhalten. Vier spanisch- und portugiesischsprachige
Teams erreichten das Halbfinale: Argentinien, Brasilien, Spanien
und Portugal spielten allesamt einen attraktiven Fussball. Und was
die individuellen Leistungen betraf, ernteten - nicht zum ersten
Mal - die Brasilianer das meiste Lob.
Zwei Fussball-"Zwerge" drangen mit großartigen Leistungen bis ins Viertelfinale vor: Die Australier setzten sich in einer augenscheinlich schwierigen Gruppe mit Deutschland und Costa Rica durch und landeten hinter Kamerun auf dem zweiten Platz. Im Viertelfinale zwangen sie Portugal zu einer Verlängerung und verloren letztlich nur durch ein Golden Goal. Mark Viduka machte in diesem Turnier erstmals international von sich reden (4 Tore in 4 Spielen), und auch Josip Skoko präsentierte sein nicht unbeträchtliches Talent einer breiten Öffentlichkeit.
Die zweite Überraschung bot die japanische Elf, die sich ebenfalls in einer starken Gruppe durchsetzen konnte (mit Spanien, Burundi und Chile), bevor sie im Viertelfinale gegen Brasilien mit 2:1 unterlag. Koji Tanakas Team beeindruckte nicht nur durch seine Gewandtheit, sondern vor allem durch seine fÜr ein asiatisches Team beachtlichen physischen Fähigkeiten. Aus dieser ohnehin guten Mannschaft ragte der hochtalentierte Hidetoshi Nakata besonders heraus.
Spieler des Turniers:
Auch bei dieser FIFA-Junioren-Weltmeisterschaft erwiesen sich
die Brasilianer als technisch beschlagenste Mannschaft des
Turniers. Und das größte Talent in den Reihen der durchweg
talentierten Seleção war in den Augen vieler Experten der junge
Caio. Dieser elegante Passgeber und TorschÜtze war
fÜnf Mal selbst erfolgreich und brachte sein Team mit zwei
entscheidenden Vorlagen ins Finale. Vor allem im Strafraum war er
seinen Gegnern immer einen Schritt voraus, wobei ihm seine perfekte
Ballbehandlung zu Gute kam. Nach dem Turnier wechselte Caio von Sao
Paulo zu Inter Mailand und von dort zum SSC Neapel. Danach kehrte
er nach Brasilien zurÜck und kam Über Santos und
Flamengo zu Fluminense, wo er heute noch spielt.
Namen, die man sich merken sollte:
Juan Sorin (ARG), Mark Viduka (AUS), Caio (BRA), Luizao
(BRA), Zé Elias (BRA), Pierre Wome (CMR), Geremi Njitap Fotso
(CMR), Hector Tapia (CHI), Paulo Wanchope (CRC), Ryuzo Morioka
(JPN), Hidetoshi Nakata (JPN), Kitzito Musampa (NED), Dani (POR),
Ivan De la Pena (ESP), Joseba (ESP), Raul Blanco (ESP), Miguel
Salgado (ESP), Fernando Morientes (ESP), ¿
Katar 1995 in Zahlen:
Abschlusstabelle:
- Argentinien
- Brasilien
- Portugal
- Spanien
Erzielte Tore:
105 (durchschnittl.: 3,28/Spiel)
Beste Offensivmannschaft:
Spanien (19 Tore)
Beste TorschÜtzen:
- Joseba (ESP), 7 Tore
- Dani (POR), 4 Tore, 5 assists
- Caio (BRA) 5 Tore, 2 assists
Spielorte:
Sämtliche Spiele fanden in Doha im Khalifa Stadium, dem
Al-Ahli Club und dem Qatar Club statt.
Zuschauer:
455.000 (Finale: 65.000)
Durchschnittliche Zuschauerzahl:
14,219
Interessante Statistik:
Das Spiel Niederlande - Honduras wurde vom Schiedsrichter
vorzeitig abgepfiffen:Vier Spieler der mittelamerikanischen
Mannschaft waren vom Platz gestellt worden, ein fÜnfter
Spieler war schwer verletzt und sämtliche Ersatzleute waren bereits
eingewechselt worden. Dadurch bestand Luis Paz Camargos Team nur
noch aus sieben Spielern, was nicht zulässig ist. So fand zum
ersten Mal in der Geschichte eines offiziellen FIFA-Wettbewerbs ein
Spiel ein vorzeitiges Ende.
