Der Weltmeister:
Eine "typisch deutsch" spielende, gut organisierte
und effektive Mannschaft konnte 1981 in Australien die
FIFA-Junioren-Weltmeisterschaft fÜr sich entscheiden. Ein knappes
1:0 Über Mexiko, eine Überraschende Niederlage gegen Ägypten (1:2)
und ein 4:2-Sieg Über Spanien genÜgte der Elf zum Einzug ins
Viertelfinale, wo man gegen den Gastgeber aus Australien antrat.
Die jungen Australier gaben ihr Bestes - und beinahe hätte es auch
ausgereicht - doch am Ende siegten deutsche Durchsetzungsfähigkeit
und Entschlossenheit, wobei sich die deutsche Verteidigungsreihe
mit Winklhofer, Zorc, Trieb und Schmidkunz als unÜberwindlich
erwies. Und genau wie ihre berÜhmten Vorgänger es in der
Vergangenheit so oft vorgemacht hatten, schlug die junge Mannschaft
fÜnf Minuten vor Schluss entscheidend zu: Roland Wohlfarth traf mit
einem Kopfball zum 1:0. Das Halbfinale verlief nach dem gleichen
Muster: Dietrich Weises Team hielt mit seinem Sicherheitsfussball
90 Minuten lang den Angriffen einer wagemutigen und attraktiv
spielenden rumänischen Mannschaft stand und siegte letztlich durch
einen Kopfball von Alfred Schön in der Verlängerung. Im Finale
zeigten sich die Deutschen jedoch von einer ganz anderen Seite und
fegten ihren Gegner Katar bei Wind und Regen mit 4:0 vom Platz.
Damit ging nur ein Jahr, nachdem die A-Nationalmannschaft die
Europameisterschaft gewonnen hatte, ein weiterer Titel nach
Deutschland.
Die Überraschungen:
In einem von den Europäern dominierten Turnier (der Kontinent
stellte drei Halbfinalisten) waren es vor allem die Rumänen, die
mit ihrem ausgefeilten Kombinationsspiel Fans wie Fachleute
begeisterten. Constantin Cernaianus Mannen erwiesen sich auch
defensiv als sattelfest, während im Angriff der großartige Romulus
Gabor die Fäden zog. Auch wenn man im Halbfinale in der
Verlängerung den KÜrzeren zog, so war es doch das erste Mal, dass
eine rumänische Mannschaft bei einem FIFA-Wettbewerb in die Runde
der letzten Vier einzog - und das, obwohl sich die Mannschaft nur
dank eines gÜnstigen Losentscheids fÜr die Endrunde qualifiziert
hatte!
Als größte Überraschung erwies sich jedoch das Team aus Katar, das nach eher unauffälligen Gruppenspielen das Turnier förmlich auf den Kopf stellte. Die vom Brasilianer Macedo Everisto trainierte Mannschaft Überzeugte in jedem Aspekt des Spiels. Im Viertelfinale gegen Brasilien waren es vor allem die Dynamik und die entschlossene Offensivleistung sowie die intelligente Ausnutzung der Arbeitsfalle, die Katar den 3:2-Sieg sicherten. Im Halbfinale, gegen eine kompakte englische Elf, konnte sich die Mannschaft auf ihren großartig aufgelegten TorhÜter Ahmed verlassen. Eine gut gestaffelte Abwehr, Zweikampfstärke und Nervenstärke im Elfmeterschießen besorgten den Rest.
Spieler des Turniers:
Aus einer rumänischen Mannschaft, die vor allem wegen ihrer
Defensivstärke in Erinnerung bleiben wird (nur drei Gegentore im
gesamten Turnier), ragte Romulus Gabor als kommender Superstar
heraus. Die ganze Fussballwelt lag dem Mittelfeldspieler mit der
schnellen Auffassungsgabe und den tödlich präzisen Freistößen zu
FÜssen. Doch Gabor sollte nie zu den ganz Großen seiner Zunft
aufsteigen: Er blieb seinem ersten und einzigen Klub, Corvinul,
treu und absolvierte dort in 14 Spielzeiten 349 Matches, wobei er
79 Tore erzielte. Dazu kamen im Laufe seiner Karriere 35
Länderspiele fÜr Rumänien, in denen er zwei Tore schoss.
Namen, die man sich merken sollte:
Jorge Burruchaga (ARG), Sergio Goycochea (ARG), Louis Paul
Mfede (CMR), Neil Webb (ENG), Adrian Chavez (MEX), Gavril Balint
(ROU), Romulus Gabor (ROU), Carlos Aguilera (URU), Enzo Francescoli
(URU), Nelson Gutierrez (URU) ¿ ...
Australien 1981 in Zahlen:
Abschlusstabelle:
- Deutschland
- Katar
- Rumänien
- England
Erzielte Tore:
87(Durchschn. 2,72/Spiel)
Beste Offensivmannschaft:
Deutschland (12 Tore)
Beste TorschÜtzen:
- Mark Koussas (AUS), Taher Amer (EGY), Ralf Loose (GER), Roland Wohlfarth (GER), Romulus Gabor (ROU), 4 Tore
Spielorte:
Adelaide, Brisbane, Canberra, Melbourne, Newcastle,
Sydney
Zuschauer:
443,094 (Finale: 18.531)
Durchschnittliche Zuschauerzahl:
13,847
Interessante Zahl am Rande:
Dieses in Australien ausgetragene Turnier hatte lange Jahre
den niedrigsten Zuschauerschnitt aller
FIFA-Junioren-Weltmeisterschaften - erst 2001 kamen in Argentinien
durchschnittlich weniger Zuschauer zu den Spielen
(9.737/Spiel).
