Was vorbei ist, ist vorbei. Es bedeutet nichts. Dies ist die Botschaft, die Deutschlands Mittelfeldspielerin Pia Wunderlich im Vorfeld des Endspiels der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 für Schweden hat.

Für Pia Wunderlich, im Verein für den 1. FFC Frankfurt am Ball, haben die jüngsten Ergebnisse zwischen Frankfurt und Schwedens Topklub Umeå auf der einen sowie den beiden Nationalmannschaften auf der andere Seite wenig Einfluss auf das Finale am Sonntag.

"Ich glaube nicht, dass irgendjemand dadurch einen Vorteil hat', meint die Mittelfeldspielerin. "Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Dies hier ist die Weltmeisterschaft. Mit Vereinsfussball oder irgendwas aus der Vergangenheit hat das nichts zu tun."

Der Sieg von Umeå IK gegen den 1. FFC Frankfurt im UEFA-Pokal der Frauen im vergangenen Jahr war eine Premiere. Nie zuvor hatten die Skandinavierinnen Deutschland zuvor geschlagen - weder auf Vereinsebene noch in jüngeren Länderspielen. Umeås historischem Sieg folgte im März 2002 nach sieben Jahren der erste Sieg der schwedischen Nationalmannschaft beim Algarve-Cup.

"Ich denke, dass wir sie beim Algarve Cup und in der Champions League geschlagen haben, ist Beweis genug für unsere Stärke", sagt denn auch Hanna Ljungberg, die für Umeå und die Nationalelf spielt. "Wir wissen, dass wir sie besiegen können, und wir wissen, dass wir dazu in jedem Spiel eine Chance haben."

Der Schlüssel zum Erfolg könnte indes in der Bedeutung der beiden jeweiligen Topmannschaften des Landes liegen. Sechs Schwedinnen spielen für Umeå, sieben Deutsche für Frankfurt. Die Schwedinnen sehen sich ob der jüngsten Ergebnisse im Vorteil. Pia Wunderlich - sowohl im Verein als auch in der Nationalelf jeweils bei den Niederlage dabei - sieht diesen Vorteil indes nicht.

"Etwas völlig Anderes", sieht die Mittelfeldspielerin darin. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand dadurch einen Vorteil hat. Die Weltmeisterschaft ist ganz anders als der UEFA-Pokal der Frauen oder sonst etwas."

Das Finale am Sonntag wird zeigen, wer letztlich Recht hat. Was Hanna Ljungberg betrifft, könnte sie ihrer Mannschaft einen weiteren Vorteil verschaffen: Sie kennt viele deutsche Spielerinnen.

"Ich denke, es ist gut zu wissen, was sie können und wie sie spielen", findet die Offensivspielerin. "Jede Begegnung zwischen Umeå und Frankfurt hat unmittelbare Auswirkungen auf die Nationalmannschaft. Aus beiden Vereinen spielen so viele Spielerinnen in den jeweiligen Nationalmannschaften, dass unsere Erfahrungen in den Vereinen auf die Länderauswahl durchschlagen."

Auch das konnte Pia Wunderlich nicht überzeugen. Revanchegelüste will sie bei den Deutschen trotz des Sieges von Umeå gegen ihren Klub im UEFA-Pokal der Frauen nicht ausgemacht haben.

"Das Spiel wurde erst im Elfmeterschießen entschieden", führt sie an. "Und ich bleibe dabei: Es ist etwas ganz Anderes. Wir haben mit Frankfurt gegen Umeå im UEFA-Pokal der Frauen gespielt. Dies hier ist die Nationalelf und die Weltmeisterschaft. Wenn wir hier sind wollen wir keine Revanche für Dinge, die zwischen den Vereinen vorgefallen sind."

Trotzdem könnte der Faktor Revanche am Sonntag eine Rolle spielen. Denn neben den schwedischen Siegen zuletzt auf Vereinsebene und im Algarve Cup gibt es da noch die Kleinigkeit der UEFA Frauenfussball-Europameisterschaft 2001. Im ersten Spiel der Europameisterschaft hatte Deutschland Schweden mit 3:1 besiegt, und im Endspiel dann durch ein 1:0 nach Verlängerung gewonnen. Pia Wunderlich indes weiß, dass vielleicht die deutschen Spielerinnen nicht auf Revanche für die zuletzt schlechten Ergebnisse auf Vereinsebene aus sind, die Schwedinnen allerdings sehr wohl wegen der verlorenen Europameisterschaft noch eine Rechnung offen wähnen.

"Natürlich ist uns klar, dass die Schwedinnen Revanche wollen", so Pia Wunderlich. "Aber die Nationalmannschaften haben sich seit der letzten Europameisterschaft auch stark verändert. "Ich glaube nicht, dass man sie noch vergleichen kann. Klar, vielleicht wollen die Schwedinnen Revanche, aber wir sehen es als eine ganz andere Angelegenheit."

Wer behält am Ende Recht? Am Sonntag werden wir es wissen!