Die Schwedinnen verstehen es nicht, und sie mögen es auch nicht besonders. Eigentlich sind sie sogar ein wenig sauer.

Nein, sauer nicht, nur etwas irritiert. Schließlich stehen sie im Finale der FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003, doch eigentlich traut ihnen niemand den Titelgewinn so richtig zu.

"Ja, das ist schon seltsam", wundert sich Stürmerin Hanna Ljungberg und grinst dabei.

Und es ist in der Tat seltsam: Im Vorfeld des Endspiels der FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft erwarten alle einen Sieg Deutschlands. Schweden gibt man gegen den amtierenden Europameister kaum eine Chance. Darüber sind die schwedischen Spielerinnen eher irritiert als verärgert.

"Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie die Leute so was sagen können", so Mittelfeldmotor Malin Moström. "Wir haben eine gute Chance auf den Titel. Wir gehen in das Finale, um den Titel zu gewinnen. Wir sind eine gute Mannschaft, also sollte es auch ein gutes Spiel werden."

Doch auch die Schwedinnen selbst geben zu, dass sie als Außenseiter in ihr erstes Endspiel bei einer FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft gehen - und das ist ihnen auch gerade recht.

Der Druck lastet auf den Deutschen

"Für uns kann das nur gut sein, dass der ganze Druck auf den Deutschen lastet", so die Cheftrainerin Marika Domanski-Lyfors. "Es ist für Schweden immer gut, gegen eine favorisierte Mannschaft anzutreten und sie dann zu schlagen. Das ist unsere Antwort auf das, was im Vorfeld alles geschrieben und gesagt wird. Doch auch wenn die Deutschen favorisiert sind, haben sie dennoch viel Respekt vor Schweden."

Der Status der Schwedinnen als Außenseiter kann kaum überschätzt werden. Befragt man die Spielerinnen zum Finale, kommt stets die Bemerkung, wie stark die Deutschen als Gegner sind, gefolgt von der fast unausweichlichen Feststellung: 'Das wird ein sehr schweres Spiel.'

Auch für Mittelfeldspielerin Malin Andersson gebührt die Favoritenrolle den Deutschen. Doch sie warnt vor einer bösen Überraschung, sollten diese die schwedischen Gegnerinnen nicht ernst genug nehmen.

"Ich glaube, ganz egal wann wir gegen Deutschland spielen, die Gegnerinnen sind immer die Favoritinnen", so Andersson. "Doch wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft sind und dass wir Deutschland schlagen können. Wir müssen natürlich unser Bestes geben und besonders aggressiv spielen, aber dann können wir es schaffen. Natürlich sind die Deutschen sehr, sehr stark, und es wird ein wirklich schweres Spiel werden."

Da sind sie wieder, diese Worte. In gewisser Weise nutzen die Schwedinnen ihren Status als Außenseiterinnen, um den Druck nicht allzu groß werden zu lassen und sich selbst zu motivieren. "Wir sagen uns, dass wir genau so gut sind, wie die Deutschen und dass wir eine genau so gute Chance auf den Sieg haben, wie sie", macht Verteidigerin Karolina Westberg sich selbst und ihrem Team Mut.

Bestform zum Siegen nötig

"Wir müssen gegen Deutschland unser Bestes geben, doch wir haben schon mehrfach bewiesen, wie gut wir spielen können, wenn es darauf ankommt. Es ist für uns kein Problem, wenn viele denken, dass Schweden dieses Spiel nicht gewinnen kann. Deutschland hat eine sehr gute Mannschaft. Wir müssen schon in Bestform sein, um zu siegen."

Die Respektsbekundungen für den Gegner sind weniger ein Zeichen von Furcht als vielmehr eine ständige Erinnerung daran, was die Schwedinnen gegen Deutschland leisten müssen. Und so ist trotz der Niederlage Deutschlands gegen Schweden beim letztjährigen Algarve-Cup auch für Ljungberg klar, dass die Schweden die Außenseiter sind.

"Ganz klar, wir sind die Außenseiterinnen", so Ljungberg. "Wir haben nichts zu verlieren. Deutschland hat im ganzen Turnier hervorragend gespielt. Die Mannschaft ist sehr stark. Doch wir haben mit unserem letzten Sieg gezeigt, dass wir auch gegen Deutschland gewinnen können. Wir hatten auch früher schon sehr gut gegen die USA, gegen China und gegen Deutschland gespielt, aber nicht gewonnen. Es ist ein gut zu wissen, das wir auch gewinnen können."

Doch letztlich wollen die Schwedinnen sich mit dem Außenseiterstatus nicht zufrieden geben. Rein zufällig gibt es einen Comic, bei dem der große Held und spätere Gewinner auch der "Außenseiter" ist. Genau diese Rolle möchten die Schwedinnen nach Aussage ihrer Trainerin auch spielen:

"Der zweite Platz ist uns diesmal nicht gut genug", sagt sie. "Wir wollen die Goldmedaille - mit weniger sind wir nicht zufrieden!"