Ich kann es noch gar nicht richtig glauben, dass wir am Sonntag im Finale stehen. Aber wir haben schon vor dem Spiel gewusst, dass wir es schaffen können, gegen die USA zu gewinnen. Wir haben von Anfang an dagegen gehalten, und das hat sich bewährt. Die ersten vier Spiele waren für mich ein bisschen undankbar, weil viel zu wenig Bälle aufs Tor kamen. Und wenn mal einer kam, war er dann drin. Das ist für eine Torhüterin natürlich sehr unbefriedigend. Die Stimmung bei dieser Weltmeisterschaft ist sehr gut. In Columbus und in Washington hat es mir sehr gut gefallen. Dort war schon eine tolle Stimmung, aber in Portland war es sensationell. 33.000 Zuschauer im ausverkauften PGE Park haben für eine unglaubliche Atmosphäre gesorgt. Ich fand es toll, dass die Zuschauer meine Leistung honoriert und bei Paraden immer applaudiert haben. Auch an den Flughäfen in Portland und Los Angeles haben uns zahlreiche Leute zu unserem Erfolg gratuliert. Das war ein schönes Gefühl. Aber jetzt konzentriere ich mich schon wieder auf die neue Aufgabe. Ich freue mich schon riesig auf das WM-Finale gegen Schweden. Das Spiel ist das Highlight meiner Karriere. Es wird ein schweres Spiel für beide Teams, aber wir wollen jetzt unbedingt diesen Pokal mit nach Hause nehmen, und das wird uns auch gelingen. Ich habe mir Schweden als Gegner gewünscht, weil uns deren Spielweise besser liegt, als die der Kanadierinnen. Wir werden bis zum Finale täglich einmal trainieren, das ist gerade für uns als Torhüter wichtig, um im Rhythmus zu bleiben. Ich habe leider nicht allzu viele WM-Spiele sehen können. So kann ich die Leistung der anderen Teams auch nur eingeschränkt beurteilen. China hat mich enttäuscht, da hätte ich mir mehr versprochen. Brasilien hat nicht schlecht gespielt. Wenn man sieht, wer im Finale steht, muss man sagen, dass sich die europäischen Mannschaften weiterentwickelt haben. Das ist mit Sicherheit ein positives Fazit. Weiterentwickelt haben sich auf jeden Fall die asiatischen Teams und auch Frankreich. Mit ihnen ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Besonderst überrascht hat mich Russland. Die Viertelfinalteilnahme war für sie ein großer Erfolg. Ich hoffe, dass wir durch unsere tolle Leistung andere Mädchen und Frauen animieren, sich dem Fussballsport anzuschließen, um auch einmal einen solchen Erfolg erreichen zu können. Wir sind auf jeden Fall überglücklich und stolz über das, was wir bisher schon erreicht haben. Ich würde mir für die USA und den gesamten Frauenfussball wünschen, dass die WUSA weitergeführt wird und sich neue Möglichkeiten und Sponsoren finden, um den Betrieb fortzusetzen. Das wäre für den Frauenfussball wichtig, das haben die vergangenen drei Jahre gezeigt. Ich hoffe nicht, dass sich das Ausscheiden der USA negativ auf diese Bestrebungen auswirken wird, was ich allerdings befürchte. Andererseits sieht man, dass der Frauenfussball inzwischen einen hohen Stellenwert hat und guter Fussball geboten wird. Das sollte Sponsoren animieren, sich zu engagieren. Ich hoffe, dass wir mit unserem Erfolg dazu beitragen können, einen Schritt in die richtige Richtung zu tun. Was wir bisher erreicht haben, hat den deutschen Frauenfussball sicher schon gepusht, davon bin ich überzeugt. Ich bin gespannt, wie viele Zuschauer zur besten Sendezeit am Sonntag das Finale anschauen werden. Ich denke, die Euphorie ist groß, und man drückt uns die Daumen, dass wir den Titel holen. Vielleicht kann das ja einige Sponsoren aufrütteln. Wir selbst haben ein Superteam mit einer Mischung aus älteren und jüngeren Spielerinnen. Man konnte nicht unbedingt erwarten, dass wir soweit kommen. Das verspricht einiges für die nächsten Jahre, auch für die Olympischen Spiele 2004 in Athen. Aber damit beschäftigen wir uns erst, wenn die Weltmeisterschaft vorbei ist.